Heldentag 2006

Friday 25th of August 2006
Hans Feddersen

Heldentag 2006:

Nun haben wir die Chinesen also nicht mehr nur als Nachbarn, mit denen man am gemein-samen Zaun Nettigkeiten über das Wetter aus-tauscht. Sie sind auch nicht mehr nur auf der Veranda, nein, sie tun bereits so, als gehöre das Wohnzimmer ihnen. Ihnen allein. Es geht nicht mehr nur um Ideologie und Freundschaft - wegen der gemeinsamen Vergangenheit und so...

In letzter Zeit kritisieren die Gewerk-schaften die neuen Freunde. Und wie.

Da sollen die Chinesen z. B. Hunger-löhne zahlen - und sich auch sonst viel zu wenig um Landesgesetze kümmern. Sie stellen zwar (ab und zu wenigstens) Namibiern Arbeitsplätze zur Verfü-gung, aber sie entlassen auch willkür-lich und oft überraschend viele Ange-stellte. Und ihre Angestellten gehören keiner Gewerkschaft an, so daß sie kaum „geschützt" werden können.

Und bei einem Treffen am Dienstag wurde Klartext geredet: Auch für Chinesen sollten Restriktionen gelten, die ansonsten für Ausländer definiert wurden. Man dürfe nicht gestatten, daß Chinesen Arbeiten übernehmen, die ebenso von Namibiern geleistet werden könnten. Etwa Taxi-Fahren!

Die Chinesen wußten natürlich, wie sie sich wehren konnten: Die Arbeits-moral und Leistung namibischer „Fachkräfte" entspreche nicht ihren Anforderungen. Namibier seien nicht ausreichend qualifiziert. Der Streit endete auf niedrigstem Niveau: Chinesen „sprechen Englisch, solange es keine Probleme gibt; sobald Proble-me auftauchen, gibt es keine Kommu-nikation mehr". Und: die importierten Produkte (aus China) seien so billig, daß hiesige Unterneh-mer damit nicht mithalten könnten. Und: die Hunger-löhne! Und: Keine ordentlichen Arbeitsverträge. Und. Und. Und.

Es scheint, als habe man sich hier Helden ins Land geholt, die man nun nicht mehr los wird.

 

Heldentag 2006:

Vor wenigen Tagen erschienen zahlreiche Gratulationsanzeigen für Präsident Pohamba und Premier-minister Angula. Politi-sche Beobachter interpre-tierten die Texte als „un-wahrscheinlich", da der Präsident in höchsten Tönen gelobt wurde. Das könne sogar als „Affront" gegen den Gründervater betrachtet werden, dem solch emotionale Bot-schaften in solch üner-schwenglicher Form zu-letzt bestimmt nicht zuteil wurden...

 

Heldentag 2006:

Die ehemaligen Kämpfer der PLAN fordern Entschädigung. Dabei richten sie ihre Meßlatte nach dem „Ab-schiedspaket", das der Gründervater (mit Personal, Sicherheitsbeamten usw.) bekam. Unterdessen gab es ein Gerücht (?), wonach die UNO während des Befreiungskampfes Versprechen gemacht haben soll: Die Kämpfer würden Entschädigungen erhalten. Warum eigentlich die UNO (die, zugegeben, einseitig die Swapo unterstützte)? Gibt es da tatsächlich nicht andere - vielleicht führende Figuren der Exilanten -, die solche Versprechen abgeben konnten? Im allgemeinen haben sich Ex-Kämpfer schon an verschiedene „leere Ver-sprechen" gewöhnen müssen...

Wenn das Land nun seine Helden ehrt (wir haben am Samstag sogar einen Feiertag), dann spricht der neue Präsident im fernen Katima Mulilo. In Windhoek sind einige Fragen aber noch nicht angerührt worden.

 

Heldentag 2006:

Vor einem Jahr wurde Lazarus Kan-dara vor dem Polizeiamt niederge-schossen. An das Drama erinnert sich wohl jeder. Der Chef der korrupten Unternehmens Avid Investments hatte ganz wichtige Fragen noch nicht beant-worten können als er verhaftet - und dann erschossen wurde. Für manche war der Angeklagte schon fast zum Helden eines Melodramas geworden.

Und bis heute konnte weder sein Tod geklärt noch die Hintermänner des Avid-Skandals entlarvt werden.

Es gab aber auch andere Helden, die erschossen wurden, z.B. Anton Lubowski, Clemens Kapuuo. Und zahlreiche weniger prominente Opfer.

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