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Sunday 17th of September 2006 Es ist der bisher größte bekannt gewordene Gift-müllskandal in Afrika: sechs Menschen sind in der Elfenbeinküste ums Leben gekommen. Außer-dem leiden rund 10 000 an Vergiftungserscheinungen. Die Regierung trat zurück - und die aufständischen Rebellen, die den Norden seit vier Jahren besetzt halten, gaben für das neue Parlament noch kein grünes Licht. Drei leitende Angestellte von Firmen, die mit der Lieferung zu tun hatten, wurden ver-haftet, vier weitere Menschen kamen ebenfalls ins Gefängnis. In der Nacht vom 19. zum 20. August waren 581 Tonnen Giftmüll aus den Niederlanden (der Exporteur streitet alles ab), die auf dem griechischen Frachter „Proba Koala" geliefert wur-den, auf mindestens neun Deponien (manche meinen sogar auf „elf" Plätzen) um die Hauptstadt Abidjan abgeladen worden. Inzwischen wurden sogar rund 120 Häftlinge aus einem Gefängnis in der Nähe in Sicherheit gebracht. Die UNO, die Schweiz und Frankreich schickten Experten. Die UNO spendete Medikamente im Werte von 38 000 Euro. Nach Angaben der Ärzte stehen viel zu wenig Medika-mente zur Verfügung. Ein großer Teil des Giftmülls (eine Mischung aus Ölrückständen und Ätznatron) ist ins Meer und in die Lagune vor Abidjan geleitet worden; die Giftschlacke taucht überall in der Millionenstadt auf. Die UNO befürch-tet sogar, daß die Nahrungsmittelkette von der Verschmutzung betroffen sei. Dennoch vermutet man, daß weitere Lastwagen des Charterunternehmens Trafigura heimlich unterwegs sind. Und nun will die Regierung einen Bunker bauen, in dem sie den Giftmüll isolieren könnte. Die Opposition ver-mutet, daß für die Giftmüll-Lagerung Schmiergelder in Milliardenhöhe ge-zahlt wurden. Der entstandene Schaden beträgt min-destens 10,5 Millionen Euro. Was geht uns das an? Namibia hat doch den Umweltschutz in seiner Verfassung verankert? Und waren nicht die angeb-lichen Versuche, in der Namib und an der Skelettküste - oder im De Wet-Schacht von Tsumeb Müll zu entsorgen, kurz nach der Unabhängigkeit fehl-geschlagen? Eine Tatsache, die auch uns interessieren könnte, hat mit den Transport-kosten zu tun: Würde die Beseitigung in Europa mit bis zu 1500 Euro pro Ton-ne zu Buche schlagen, so kostet der Transport nach Afrika nur rund 100 Euro pro Tonne. Bei knapp 600 Tonnen ergibt sich ein ganz netter Betrag. Länder der Dritten Welt sind arm dran. Sie erliegen der Meinung, daß Indu-striestaaten mindestens moralisch - am liebsten aber auch wirtschaftlich - verpflichtet seien, ihnen zu helfen. Deshalb zahlen sie Staatsschulden nicht zurück und warten statt dessen auf einen Schuldenerlaß. Sie fallen in eine Finanz-Falle und werden vom guten Willen und der Hilfe der reichen Länder abhängig. Das hat 1991 der damalige Chef-ökonom der Weltbank, Lawrence Summers, in einem Geheimdokument festgestellt, das bewußt an die Medien „gelenkt" wurde. Summers mußte den Hut nehmen, weil er Geheimnisse des Handels mit Giftmüll (und mögli-cherweise auch Atommüll) verraten hätte. Inzwischen war er jedoch wie-derFinanzminister in der Clinton-Re-gierung. Seine These: Die Weltbank müsse eventuell die Lieferung schmut-ziger Industrie für gutes Geld an die armen Länder unterstützen. Er sprach von einer „wirtschaftlichen Logik der Giftmüll-Deponie in Ländern mit niedrigem Einkommen". Hierin liegt die Gefahr: Arme Länder haben oft auch noch korrupte Regie-rungen, die für gutes Schmiergeld interessante Sachen machen würden. Gut, in Namibia haben wir die Verfas-sung. Darin steht der Schutz der Um-gebung. Aber wir liefern ja auch Uran (an wen auch immer, das steht hier nicht zur Debatte). Die Indu-striestaaten wünschen sich unter-dessen, daß Lieferanten den entstehen-den Müll zurück nehmen sollen, um ihn bei sich zu deponieren. Arme Länder dürfen kaum Bedin-gungen stellen (Entschädigung oder Sicherheit betreffend). Damit geraten sie leichter unter Druck. Interessant ist dieses Thema allemal, nicht wahr? Möge uns die Verfassung retten! |
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