Schulen und Lehrer im Dilemma

Friday 28th of February 2003
christa peters

Die neuen Anweisungen des Ministeriums für Grundschulerziehung, Kultur und Sport für die genehmigte Anzahl Lehrer an Regierungsschulen sorgen für Unrhuhe. Die meisten Lehrer wissen noch nicht, wohin sie versetzt werden, andere haben es zu Beginn des Schuljahres mitgeteilt bekommen, und ziehen mit ihren Familien schon um, zumeist in die Regionen Ondangwa Ost und West – ins Ungewisse. Aus Lehrerkreisen war zu erfahren, daß das Ministerium deutlich machte, für Unterküfte könne es "nicht garantieren". In Ondangwa und Oshakati sind leerstehende Häuser und Wohnungen Mangelware. Das Gros der ‘’überschüssigen’’ Lehrer muß zum 1. April die Schule wechseln, mitten im Trimester, einen Monat vor den Winterferien.

"Wir vermissen die Logik dahinter. Warum kann das nicht am 1. Mai sein? Am 30. April beginnen die Ferien, das wäre doch viel einfacher für Schüler und Lehrer", beklagte sich ein Schulleiter aus der Hardap Region bei PLUS. An seiner Schule sind vier Lehrer ,,zuviel’’. Nach den neuen Proporzrechnungen des Ministeriums soll das Lehrer-Schülerverhältnis bei 1:35 sein. Liegt dieser Durchschnitt auch nur um zwei oder drei Schüler niedriger, ergibt sich mathematisch bis auf das Komma genau errechnet ein niedrigerer Proporz und schon entsteht ein sogenannter Lehrerüberschuß, den das Ministerium vor allem bei Schulen in größeren Städten zu sehen glaubt und mit der Umverteilung der meistens besser ausgebildeten Lehrer zumeist in die nördlichen Regionen und ärmer ausgestatteten Schulen besseren Unterricht erzielen will.

Weigerung der Lehrer umzuziehen, sähe er als Kündigung an, drohte Erziehungsminister John Mutorwa am Montag während einer Pressekonferenz.

Inzwischen sind die meisten der etwa 18 000 Lehrer um ihre Stelle besorgt. Sie wissen, sie könnten jederzeit versetzt werden.

,,Es ist zum Verzweifeln. Die im Ministerium berechnen alles nur nach Zahlen und vergessen dabei, daß es sich um Menschen handelt", kritisierte ein Lehrer, der - wie sein Schulleiter – nicht genannt werden wollte, aus Furcht vor Repressalien. ,,Ich bin jetzt Anfang fünzig. Noch bin ich nicht versetzt und ich hoffe, das passiert auch nicht. Sobald ich 55 bin, trete ich aus dem Schuldienst aus, lasse mich pensionieren. Viele meiner Kollgen in diesem Alter denken so", sagte er zu PLUS.

Die Versetzungen der Lehrer meist aus der Mitte des Landes und dem Süden in den zentralen Norden kostet das Ministerium Millionen N$. Die Haushaltsgelder für das auslaufende Finanzjahr sind aber schon aufgbraucht. Viele Schulen im Land können ihre Strom-und Wasserrechnungen nicht zahlen, weil das Ministerium kein Geld mehr hat. Erst ab März/April fließen die Dollars wieder.

Ein weiteres Problem zum diesjährigen Schulanfang ist, daß sehr viele Schulen erst Ende Januar ein Rundschreiben des Ministeriums erhielten, mit der Mitteilung, daß Kinder, die 2003 noch nicht das siebte Lebensjahr erreichen, erst nächstes Jahr eingeschult werden dürfen. Bisher galt die Regel, wenn Kinder bis zum 31. Januar sechs Jahre alt wurden, konnten sie noch in die erste Klasse eingeschult werden.

"Wir hatten hier ein ziemliches Chaos", erzählt ein Lehrer aus der Khomas Region. "Wir mußten einige fünfjährige Erstklässler wieder nach Hause schicken, obwohl die Eltern schon die großen Ausgaben für Schuluniformen, Schuhe, Ranzen, Federtaschen usw. gemacht hatten. Immehin hatten wir beim Ministerium nach einigem Hin und Her erreicht, daß diejenigen, die jetzt im Januar sechs Jahre alt wurden, bleiben dürfen. Erst für 2004 soll dann die neue Regelung in Kraft treten", so der Lehrer.

Die unabhängige Lehrergewerkschaft TUN sagte schon letztes Jahr eine größere Kündigungswelle voraus und gab an, daß knapp einhundert Lehrer zu Ende 2002 gekündigt hätten. Viele sind amtsmüde wegen der oft zu großen Klassen mit vierzig und mehr Schüler, aggressive Schüler in der Oberstufe, die sich kaum etwas sagen lassen und niedrige Gehälter, sind gewöhnlich die Gründe.

back
 

Plus online by Plus Weekly
Publisher: Feddersen Publications cc.
email : info@namibiaplus.com
Tel: +264 (0)61 233635
Fax: +264 (0)61 230478
P.O.Box 21506
Windhoek
Namibia