Der gestiefelte Kater

Monday 11th of December 2006
Hans Feddersen
Damals, als ich Märchen verschlang, als sei die ganze Welt nur von Figuren bevölkert, die jederzeit mit unserer Realität fertig werden, war der gestiefelte Kater einer der ganz wenigen echten Helden, die ich aus vollem Herzen zu respektieren pflegte! Es war dieses kleine Wesen (denn Kater können doch nicht überdimensional groß sein), das aufgrund seiner bloßen Erscheinung - und Anwesenheit - unheimlichen Respekt abverlangte - und verdiente. Wo immer dieser Kater erschien, verbeugten sich (zumindest in meiner Vorstellung) ALLE, es gab niemanden, der kritischen Abstand wahrte. Man stelle sich mal vor: ein kleines - gleichwohl gestiefeltes, obwohl das Schuhwerk wohl unbedeutend war - Katerchen kam, sah und merkte, welchen Einfluß es haben konnte... Nun gibt es eine moderne Version dieses Märchens. Direkt in Namibia! Wir haben unseren gestiefelten Vater (der Nation). Tatekulu. Mohonna. Und wo er mit seiner motorisierten Begleitung erscheint, da treten ALLE ehrfürchtig ein paar Schritte zurück. Die Arbeit ruhte sowieso... Nun kam der Gründervater mit seiner motorisierten Begleitung (ja, im modernen Märchen muß ein Herrscher   von Motorrädern und Autos begleitet werden, falls ihm etwas zustößt...  Schließlich gibt es die Achse des Bösen und religiöse Fanatiker, die sich gern selbst in die Luft sprengen und andere mitreißen). Dies aber - obwohl es ein ganzer Mund voll ist - nur in Klammern. Nebenbei. Denn der Gründervater war tatsächlich am Dienstag zwischen Oshakati und Ondangwa unterwegs. Jeder zollte ihm Respekt... Plötzlich kam ihm der heutige Präsident Namibias entgegen, der das Krankenhaus in Oshakati besuchen wollte, bevor er nach Kinshasa (Demokratische Republik Kongo) weiter flog. Was meinen Sie wohl, wer hier wem ausweichen mußte?  Die Polizei behauptete später, nur der Konvoi des (natürlich ungestiefelten) Gründervaters habe sich ordnungsgemäß angemeldet - und daher eine Erlaubnis sowie polizeilichen Begleit-schutz gehabt. Aber welcher Polizist weiß nicht, daß sich in einem schwarzen Fahrzeug mit der Präsidentenstandarte die höchste Autorität unserer Demokratie befindet? Kurz: Man ließ Nujoma den Vorrang.  Die Antwort auf unsere Frage, für die Sie leider kein Essen im Staatspontik gewinnen: Pohamba mußte an die Seite und dem Tatekulu den Vortritt lassen.  

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