Gedanken zu Preussen

Monday 11th of December 2006
Bernd Kroemer
Die Idee, über Preussen zu schreiben, kam mir vor ein paar Wochen, als der Bürgermeister von Bremen sich in der „Sabine Christiansen“ TV-Sendung darüber echauffierte, dass er erleben musste, dass ältere Menschen, schwangere Frauen in den öffentlichen  Verkehrsmitteln seiner Hansestadt stehen müssen, während Kinder und Jugendliche die Plätze okkupieren. „Da läuft doch etwas falsch in unserer Gesellschaft!“, meinte Herr Bürgermmeister.
Ich möchte dem Herrn nicht zu nahe treten, aber gehört er nicht auch zu der Generation, die die Abschaffung Preussens durch die Siegermächte nach 1945 gutgeheissen haben? Gehört er nicht vielleicht zu der Jahrgangsgruppe die meinten,  Preussische-Tugenden gehören auf den Mist?
Was Deutschland gross machte, vor dem 1. Weltkrieg aber auch nach dem 1. Weltkrieg (trotz des Friedensdiktats von Versailles) und was den ungeheuerlichen Aufstieg im zerbombten Nachkriegsdeutschland nach 1945 beflügelte, waren o.g. Tugenden. Man kam pünktlich zur Arbeit, arbeitete fleissig in seiner Firma (ja, damals sprach man noch von „meiner Firma“!) zahlte ehrlich seine Steuern und probierte in aufrichtiger Pflichterfüllung seinem Land zu dienen. Es ging um sittlich wertvolle Eigenschaften.
Nach „1968“ kam die Zeit der Individualisten, der Ellbogengesellschaft, das „WIR“ scheint vergessen.
Preussen auf  „Militarismus“ zu reduzieren, man würde dem System unrecht tun!
Preussen war keine Demokratie und das Reich de jure ebenfalls nicht. Aber wussten Sie, dass das Reich in der politischen Kultur und der demokratischen Beteiligung des ganzen Volkes den angeblichen Musterdemokratien Frankreich, England oder USA mehr als ebenbürtig war?
In ihrem Buch „Practicing Democracy“ schreibt die amerikanische Geschichtsprofessorin aus Berkeley, Margaret Lavinia Anderson: Das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht für Männer (Frauen hatten es weltweit nicht!) wurde im Norddeutschen Bund 1867 und im Reich 1871 eingeführt. Nur Griechenland (1844) und Frankreich (1852) waren früher.
Und jetzt der Hammer: England schaffte erst 1949, US-Amerika praktisch sogar erst 1965 ein gleiches Wahlrecht.
Staatliche Wahlhilfe (Wähler mit regierungeigenen Bussen zur Wahlurne karren, regierungseigene Fahrzeuge für Wahl-Werbekampagnen misbrauchen, den staatlichen Rundfunk und TV für eigene Wahlprogramme nutzen etc.) das war den Deutschen fremd, „der politische Einsatz saatlicher Ressourcen, verletzte das deutsche Gefühl für Anstand“, schreibt Anderson.
Das und andere Eigenheiten oder Eigenarten der Preussen werden mein Thema in den nächsten Wochen sein.
„Ich bin stolz auf meine „eingeimpften“ Preussische-Tugenden“...meint Bernd Kroemer

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