Der Skelettküsten-Park

Saturday 20th of January 2007
Pierrot
Die Urlaubssaison hat begonnen. Hier im kleinen Küstenort versammeln sich die Angler aus Namibia, aus Südafrika, selbst einige aus Europa trifft man an. Alte Freunde treffen sich wieder, neue Freundschaften werden geschlossen. Und nach dem ersten Erfolg oder auch Mißerfolg - und in Urlaubslaune - wird erzählt, gefeiert, diskutiert und geschimpft.
Ein Thema, dessen kaum je einer von uns müde wird, ist der Skelettküsten-Park, der ja ca. 120 km  nördlich des kleinen Ortes Henties Bay beginnt und sich bis zur angolanischen grenze hin erstreckt. Mit neidischem Auge schaut manch ein Angler nach Norden hin, denn dort wird der Fisch, der große und zahlreiche fisch, vermutet, den es hier nicht mehr so reichlich gibt.
Und es ist nicht nur der fisch, der reizt. Es ist für den Naturfreund auch die Schönheit der Landschaft dort, die wir in Bildbänden betrachten können, die aber nur wenige “besser betuchte” von uns mit eigenen Augen genießen konnten - selbst viele unserer europä-ischen und südafrikanischen Freunde finden den nötigen Aufwand dazu für hoch. Eine “Fly-In-Safari” kostet richtig Geld, jede andere Nutzungsart auch (Torra Bay ist die einzige echte Alternative, aber zeitlich und örtlich begrenzt).
Und wieder dreht sich das Gespräch, wieder ein neuer Gesichtspunkt. Was ist der Zweck eines Naturparks? Wem gehört er? Wer darf ihn nutzen? Wem darf verboten werden, ihn zu nutzen? Kann einer Nation ein Teil des Landes “zugesperrt” werden - und dies jahrzehntelang? Wenn unsere Eltern den Park schon nicht sehen durften - und wenn wir ihn nicht sehen und nutzen dürfen, dürfen ihn dann evtl. unsere Kinder, unsere Enkelkinder einmal sehen? Oder ist er uns Namibiern - und unseren freunden - ohne Beziehungen, ohne Millionenbesitz, für immer verwehrt?
Dient dieser Park nur der diamanten-Industrie, wie gesagt wird? Als Reservekiste, aus der sie sich bedient, wenn alle anderen Abbauplätze erschöpft sein werden? Gibt es Öl dort “oben”? Müllplätze für Atommüll? Was soll dort versteckt werden und wer versteckt? Werden aus Bescheidenheit die Bananen- und Joghurtplantagen versteckt, die viel gerühmten? Oder stinkt da etwas? Will man uns davor schützen? Kann es sein, daß neuerdings der ganze, große Park zum “Wlotzkasbaken für die Parteispitze der Swapo” bestimmt wurde?
Wenn es wichtige Fischablaich- und -brutstellen sind, die geschützt werden sollen, so können diese ja ausgesondert werden. Das kennen wir; das ist verständlich und machbar. Aber warum muß gleich alles unzugänglich gemacht werden?
Nicht wenige der Diskussions-teilnehmer - eigentlich keiner (!) - verstehen die Sache nicht, akzeptieren die üblichen Erklärungen nicht (mehr). Denn immerhin soll ja weit oben im Norden (bei Kap Fria?) ein neuer Hafen gebaut werden. Das heißt im Klartext, daß dort dann auch bald eine neue Stadt entstehen wird, die ganze Küste dann “aufgeschlossen” werden muß. Und das ist eine beschlossene Sache. Kein bloßes Gerücht.  Warum verwehrt man der Nation dann immer noch das recht, die eigene Heimat, die ganze Heimat zu sehen und zu genießen? Sind wir ein unabhängiger, demokratischer staat oder nicht? Oder sind wir eine fünfte Provinz der Diamanten-Industrie?
Nun, ich hoffe, daß ich im nächsten Urlaub meine Fische überall an der namibischen Küste fangen kann, daß jeder Bürger, nicht nur “ein einziger”, dies tun kann!
Petri Heil

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