Gedanken zu Preußen

Saturday 20th of January 2007
Bernd Kroemer
Lassen Sie mich im Neuen-Jahr dort fortfahren, womit ich die letzte Kolumne abschloss, bei der Geschichtsfälschung: Es gibt sie, die braven Bürger, die den Mund aufmachen, aber sie werden selten zitiert. Keine grosse Zeitung würde es wagen, diesen Leuten Platz einzuräumen, erscheinen dann noch solche Zitate in rechtsradikalen Zeitungen, dann darf der mutige Mann mit einer „Hexenverfolgung“ rechnen, siehe Ernst Nolte, Gerd Schultze-Rhonhof oder Stefan Scheil.
Der Historiker Michael Stürmer hat es äusserst kanpp, aber treffend formuliert: „...in geschichtslosem Land die Zukunft gewinnt, wer die Erinnerung füllt, die Begriffe prägt und die Vergangenheit deutet“. Dass insbesondere nach verlorenen Kriegen Tatsachen manipuliert (Geschichts-fälschung) werden, das veranschaulichen folgende Zitate. Berthold Brecht schrieb: Immer noch schreibt der Sieger die Geschichte des Besiegten. Dem Erschlagenen entstellt der Schläger die Züge. Aus der Welt geht der Schwächere und zurück bleibt die Lüge.
Der amerikanische Publizist Walter Lippmann meinte zu den Zielen der „re-education“, der Umerziehung befragt: Der Sieg über ein Land sei erst dann vollständig, wenn die Kriegpropaganda der Sieger Eingang in die Schulbücher des besiegten Volkes gefunden hat und sie von der nachfolgenden Generation als unbestreitbare Wahrheit geglaubt wird. Wie recht Sie hatten, Herr Lippmann, den Zustand haben wir seit langem erreicht.
Und noch ein Wort zum deutschen „Schuldstolz“, dazu schreibt Dr. Klaus W. Wippermann: Während alle Staaten dieser Welt ihre Geschichte zu ihren Gunsten schreiben- und das heisst allermeist zu ihren Gunsten fälschen, zumal wenn es gilt, Ansprüche gegenüber ihren Nachbarn zu erheben, oder deren Ansprüche abzuwehren-, fälschen wir Deutschen als einziger Staat unsere Geschichte dann, wenn die Fakten zu unseren Gunsten sprechen, ferner auch, um etwaige eigene Ansprüche zu leugnen oder zu vermeiden.
Noch immer findet sich in Schulbüchern der Begriff „Friedensvertrag von Versailles“, dieser demütigende Vertrag für Deutschland war, in Umkehrung der Formel von Clausewitz, eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. In der Weimarer Republik hatten Politiker aller Couleur das auch noch so gesehen, selbst der französische Ministerpräsident Clemenceau hatte diesen „Vertrag“ so charakterisiert. Es gibt wohl keinen Historiker der daran zweifelt, dass dieser Vertrag den Weg zum 2. Weltkrieg ebnete.
Wen interessieren aber heute noch solche Details?
Was die offenbar völlige Erinnerungslosigkeit  aufgrund solcher Geschichtsmanipulation betrifft, so passt hier die Karikatur, die der liberald Publizist Ulrich Sonnemann einmal von Deutschland zeichnete: Es sei nämlich „ das Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten.“ So, genug der Geschichtsfälschung (und meinen Abschweifungen), nächste Woche widme ich mich wieder ganz der Überschrift: Gedanken zu Preussen.

back
 

Plus online by Plus Weekly
Publisher: Feddersen Publications cc.
email : info@namibiaplus.com
Tel: +264 (0)61 233635
Fax: +264 (0)61 230478
P.O.Box 21506
Windhoek
Namibia