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Friday 28th of February 2003 Nachdem im letzten Jahr zwei Bücher in deutscher Sprache über den Aufstand des Hererovolkes von 1904 erschienen und eine interessante Diskussion auslösten, ist gleich zu Anfang des neuen Jahres ein weiteres Werk zu diesem Thema erschienen, fast genau zum 99. Jahrestag es Aufstandes, der am 12. Januar 1904 begann. Diesmal ist es ein historischer Roman. Knapp über 600 Seiten lang ist das Buch von Gerhard Seyfried, ein bekannter Comic-Autor und -zeichner in Berlin, der jahrelang recherchierte, bevor er sein Erstlingswerk nun veröffentlichte. Die Geschichte entwickelt sich um einige zentrale, fiktive Figuren und während diese in genauen, wohlgesetzten Beschreibungen fortschreitet, geht sie in die Breite und historische Namen aus Politik, Militär und Mission flechten sich im Laufe der Ereignisse ein. Fiktion und Tatsachen vermischen sich zu einer Erzählung, die den in seinen Anfängen steckenden Hereroaufstand aus der Sicht der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen der Eingeborenen und der zumeist Deutschen schildert, ohne den Leser zu einer moralischen Parteinahme bewegen zu wollen. Subtil, genau und plastisch, so als sei das Zeichnen des Cartoonisten Seyfried in den sprachlichen Ausdruck seines ersten Romans verlagert, skizziert er Situationen, Landschaften und Denkungsart der damaligen Zeit. Geboren 1948, ist seit Gerhard Seyfried seit 1971 Cartoonist und Comiczeichner und erlangte in den Achtzigern einen Kultstatus und große Bekanntheit. Er wurde zum ,,Doyen der Sponti-Comiczeichner" (Spiegel) ausgerufen und mit dem Ehrentitel des ,,Sprechblasen-Brueghel" (Stern) belegt. Mit seinen Graphiken, Bildern und Comics ist er auch immer politisch in Erscheinung getreten. 1990 erhielt er den Max-und-Moritz-Preis als bester deutscher Comiczeichner. Seit vielen Jahren übersetzt Seyfried Artikel, Sachbücher und Comics aus dem und ins Amerikanische. Auf den Stoff der Herero wurde er nach einer Namibiareise für das Goethe-Institut aufmerksam. Die deutschsprachigen Namibier, die Herero und auch Bundesdeutsche werden in nächster Zeit nicht darum herumkommen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. In knapp zehn Monaten - im Janauar 2004 - wird in Namibia der hundertjährigen Wiederkehr des Hereorkrieges gedacht und gemeinsame Vorbereitungen mit den Herero werden schon getroffen. Auch das Deutsche Fernshen (ARD) wird das Thema aufnehmen, erste Recherchen sind schon angelaufen. Am 26. August 1923 wurden die sterblichen Ueberreste von Häuptling Samuel Mahahero, der im April des gleichen Jahres im botswanischen Exil gestorben war, in Okahandja beerdigt. So wird der Hererotag im Okahandja 2004 auch ein ganz besonderer, denn Häuptling Mahahero hatte nach einigem Zaudern und Zögern den Aufstand 1904 gutgeheißen und den Befehl dazu erteilt. In den letzten Jahrzehnten ist die Versöhnung zwischen Deutschen und Herero sehr gut vorankgekommen. Seit knapp einem Jahr läuft außerdem eine Klage des Hererovolkes in Washington, D.C. gegen einige deutsche Firmen, die Deutsche Bank und die Bundesregierung. Die Herero verlangen Wiedergutmachung von den Nachfolgern der deutschen Kolonialherren. Wie erfolgreich sie in dem nun anlaufenden Prozeß sein werden, bleibt abzuwarten. Eine Auseinandersetzung mit der Thematik hier in Namibia und in Deutschland wird unvermeidbar sein - und das ist gut so. Das Buch ,,Herero" erschien im Januar 2003 im Eichborn Verlag; 603 Seiten, mit Pappeinband mit Schutzumschlag und einigen schwarz-weiß Abbildungen. |
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