Sprechen und Verstehen

Friday 9th of February 2007
Pierrot
Als Landesbürger muß ich mich auch nach 16-jähriger Einübungszeit immer noch und immer wieder damit begnügen, daß ich oft nur die Hälfte der englisch gesprochenen Wörter verstehe, die da jemand von sich gibt. Ja, das muß nun einmal deutlich gesagt werden. Da Sprache wohl als Hauptträger einer Kultur anzusehen ist, sollte sie uns Namibiern in unserer jungen Nation wichtig genug sein, sie mit aller Kraft zu fürdern. Nur dann kann doch eine gemeinsame namibi-sche Kultur aufgebaut werden, nur dann verstehen wir einander. Nur dann wird Namibia nicht zum „Barbarenstaat“.
Ob es im NBC ein Berichterstatter oder ein Nachrichtensprecher ist, ob es Parlamentarier sind, selbst einige unserer höchsten Politiker, selbst Lehrer, viele - nicht alle - machen sich da schuldig. Das gesprochene Englisch ist nur teilweise verständ-lich, es ist tatsächlich nicht erkennbar, daß sich der Sprechende überhaupt Mühe gibt oder daß er verstanden werden will oder daß er sein Englisch überhaupt jemals übte.
Warum reden Leute eigentlich? Alle, die da reden, wollen doch verstanden werden, selbst oder gerade doch die vielredenden Politiker. Und der Nachrichtensprecher muß doch die Nach-richten verständlich übermitteln können, das ist der Zweck seines sprechens, sonst kann die Aussendung doch unterbleiben, Kosten könnten eingespart, der NBC schnell finanziell saniert, auf Musik umgestellt werden. Es sind nicht nur unsere Mitbürger, die aus dem hohen Norden stammen, die mit ihrem rasanten „Quick-Talk“ Unmut durch Unverständnis erregen, es sind auch nachlässig sprechende Leutchen, deren Englischkenntnisse von der Mutterbrust her zu stammen scheinen - und das ist dann wirklich ärgerlich.
Ein langsames Sprechen, ein deutliches Sprechen, das allein ist die Basis für unser Verstehen in Namibia. Unser langsam sprechender Präsident ist da ein gutes Vorbild, unser Erster Minister leider nicht, sein Sprechtempo variiert und wird regelmäßig zu schnell - seine Aussprache ist dann unverständlich. Als Lehrer a.D. sollte er das selber wissen. Der Unterschied ist gerade bei diesen beiden Personen deutlich zu hören. Darum sollen sie hier und jetzt als Beispiel dienen. Wir alle, die wir auf Englisch umschalten mußten, machen Fehler in dieser Sprache. Fehler sind unvermeidbar, nicht aber Unverständ-lichkeit durch eine zu nachlässige Sprechweise!
Darum meine Bitte an alle Namibier: Geben wir uns alle nun und in Zukunft etwas mehr Mühe, langsamer und damit deutlicher und verständlicher Englisch zu sprechen, das wird uns und allen unseren Mitmenschen zugute kommen. An jene, die das nicht tun wollen, geht die Aufforderung, in Zukunft „den Schnabel zu halten“, bzw. ihre Meinung schriftlich kund tun zu wollen.

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