Mugabe kommt zu Besuch

Saturday 24th of February 2007
Hans Feddersen
Das hat es in Namibia noch nicht gegeben. Es wurde zwar schon vor einer Vertretung gegen die Politik eines Landes protestiert (Nigeria), aber daß ein Staatsgast mit einer Demonstration begrüßt werden soll...? Nein, wie kann man?
Allerdings handelt es sich bei diesem Gast um Seine Hochwertigkeit, Robert Muga-be, seines Zeichens etwas alt gewor-dener Präsident mit unvermindertem Zugriff auf die Macht in einem wirt-schaftlich zerstörten Land, dessen eigene Bürger gegen ihn protestieren.
Man muß sich sehr hüten: Solch ein Aufruf zur Demonstration könnte zum Beispiel von Landesvater Nr 1 miß-verstanden werden. Zeitungen, die das veröffentlichen, könnten mit Kla-gen wegen „Volksverhetzung“ rech-nen. Aber vielleicht können Nami-bias Medien ja auch beweisen, daß es Unterschiede zu Simbabwe gibt - und daß wir auf unsere Meinungs-freihet stolz sein dürfen.
Dies vorneweg.
Erstaunlich ist der Besuch allemal. Denn gerade hatte man in Europa mit Argusaugen und verschmitztem Lächeln beobachtet, daß selbst der Große Hu keine Zwischenlandung in Harare machte, da drängt sich Nami-bia als Erz-Freund Mugabes ins Bild. Unverständlich? Es sei denn, jemand sollte Mugabe die Finanzen für den Bau seines neuen Staatshauses über-bringen. Aber auch das kann es nicht sein: Der Palast wird doch von Chi-nesen gebaut! Da könnte doch einer den Kontakt zu Mugabe herstellen!
Also doch: Exil in Namibia, falls es dem Großen Robert an den Kragen geht? Es ist kaum anzunehmen, daß Namibia ihn rief, um mitzuteilen, daß wir mit der Politik in Simbabwe nicht einverstanden sind. Nicht einverstan-den sein können.
Ehre für PLUS
Eine ganz seltene Ehre wurde PLUS zuteil (vielleicht auch schon einigen Lesern?): Die chinesische Firma Ton-gyong Glass Industrial in Shijia-zhuang hat uns gebeten, ihr Firmenvertreter in Nami-bia zu werden. Das bringt 10% Kommission und 2000 US$ Gehalt. Falls PLUS daran interessiert sei, müßten sofort ein paar Einzelheiten genannt werden, darunter nicht einmal die Bankkonten, wohl aber Alter, Ge-schlecht und eine Kopie des Reisepasses und des Führerscheins...
Naja, PLUS möchte nun erst einmal Chinesisch lernen, an einer Schule oder an der UNAM. Weil, wer da chinesisch lernt, der hat doch wirt-schaftlich enorme Vorteile. Heißt es!
Nicht so schön!
In der vergangenen Woche wurde verschiedentlich an die Kolonialzeit erinnert. Zum Beispiel in Okakarara, wo Premierminister Nahas Angula die Herero in ihren Bemühungen um „Wiedergutmachung“ unterstützte. Zum Beispiel, als ein Vertreter der Regierung sagte, die San sollten sich Boden von den Kolonialisten zurück-holen. Zum Beispiel in Lüderitz, wo auf der Haifisch-Insel des Nama-chefs Cornelius Fredericks  gedacht wurde, der unter miesen Umständen mit hunderten anderen Häftlingen in der Internierungshaft starb.  Und dann lauert - aus einer anderen Perspek-tive - demnächst schon die Erinne-rung an ein weiteres Ereignis: Vor 20 Jahren fand die Schlacht um Cuito Cuanavale statt. Wir werden davon hören.
Da schlägt die Meldung von der Ver-schandelung der Kriegsgräber in Outjo ein: die Gedenkplatte aus Bronze ist vom Naulila-Denkmal ent-fernt (geklaut) worden. Beim Ver-such, weiteres Bronze in die Pfoten zu bekommen, wurde ein Grabstein völlig umgebogen. Der Schaden beträgt runde N$ 10 000, aber man muß befürchten, daß ein Bronze-Ersatz nur wieder gestohlen wird. Sollte die Denkmalskommission sich  darüber Gedanken machen, wie ihre Denkmäler geschützt werden könn-ten? Gerade wo wir doch immer öfter an die Kolonialzeit erinnert wer-den... Aber hier geht‘s um Bronze.

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