Paradebeispiele

Saturday 3rd of March 2007
Fuß- und Seelisch Krank
So ein einzelner Tag kann es “in sich haben”. Gestern (7.2. 2007) war solch ein Tag. Ein Tag des “Auf und Ab”; ein Tag der bürgerlichen Hoch-stimmung und Niedergeschlagenheit.
Gut fing er an, der Tag. Erst ging es zum Büro des Innenministeriums; die Leute waren zwar umgezogen, die neue Adresse war aber deutlich lesbar bekanntgemacht, auch verständlich für den Ortsfremden. Angekommen, fand ich den Weg in die neuen Büros gut und deutlich beschildert, fand den nötigen bürokratischen Prozeß straff geregelt, nicht nur effektiv, sondern sogar effizient, die Leute freundlich trotz Warteschlange. In genau einer halben Stunde war der neue Ausweis (ID) beantragt, ich auf dem Weg zum nächsten Ziel.
Die Hochstimmung verflüchtigte sich rasch. Auf der Suche des Büros der Sozialarbeiterin im Staatskrankenhaus fand ich den Weg sehr weit, sehr verzwickt, total unbeschildert und mußte zweimal die Hilfe einer Krankenschwester erbeten. Für alte Leute, die ihrer Rente wegen hierhin kommen müssen, die fußkrank oder sonstwie behindert oder marode sind, ist dieser sehr lange, sehr unbe-schilderte Weg eine Tortur für Körper und Geist. Möglicherweise wundert sich die junge Sozialarbeiterin öfters über die gereizte Stimmung ihrer „Kunden“ - mir ist das verständlich; war auch gereizt.
Die Frage ist offensichtlich: ist dort denn keiner, weder in der Verwaltung des Krankenhauses oder gar die Sozialarbeiterin selber, der auf die Idee kommt, daß der „Kunde“ zuerst immer (!) nicht wegeskundig ist und daß einige Schilder angebracht werden müssen? Diese Schilder waren da, versicherte mir die zweite Krankenschwester, die mich bis vor mein Ziel begleitete. Sie waren da, sind aber nun nicht mehr da! Warum das so ist, nein, das wußte sie nicht.
Beide Institutionen sind in meinen Augen Paradebeispiele für das, was „der Mensch“ bewirkt bei uns. Einmal triumphierte Verstand und Initiative, kulminierte in einem perfekten Paradebeispiel für gute Verwaltung. Das zweite Beispiel ist ein Paradebeispiel für Lässigkeit und Desinteresse, eine Quelle des Ärgers. Beides hat zwar theoretisch das „Wohl des Bürgers“ zum Ziel, beides aber zeigt einen Qualitätsunterschied im Management, wie er größer kaum sein kann.
Ja und wo ist dies alles zu finden, werden Sie nun fragen. In Swakopmund, in Namibia, es ist zu sehen für jeden, der sich die Mühe machen will oder muß, diese beiden Orte aufzusuchen.
Mit Gruss,
„Fuß- und seelisch krank“

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