Dank ich an Deutschland...

Sunday 25th of March 2007
Bernd Kroemer
Auch meine letzte Kolumne wurde mit Interesse aufgenommen...
Ich nehme heute nochmals Bezug auf einen Aufsatz von Dr. Klaus Wippermann und setze sozusagen meinen Bericht aus der Vorwoche fort: „Das Geheimnis der Erlösung heisst Erinnerung“ (Talmud). Seit über einem halben Jahrhundert gibt es in Deutschland ein ehrliches und intensives Gedenken an die Holocaust-Opfer, die Zahl ist kaum noch überschaubar, Gedenktage an den verschiedenen Stätten deutscher Schuld, Mahnmale, Erinnerungstafeln...8000 sollen es sein!
Wippermann schreibt: Offenbar trifft dieser Spruch auch in seinem Gegenteil zu: „Das Geheimnis der Erlösung heisst Vergessen“ – nämlich dann, wenn es um deutsche Opfer geht. Ganz offensichtlich gilt für sie nicht die Maxime, nach der sich in Deutschland sogar eine eigene Initiative benannt hat „Gegen das Vergessen“. Für deutsche Opfer lautet die politisch korrekte (wie hasse ich diesen Begriff, der wohl nur für uns Deutsche geprägt wurde) Forderung  vielmehr „Für das Vergessen!“ Gegenteilige Versuche des Erinnerns werden sogleich als „ewiggestrig“ verurteilt. „Ewiggestrig“ soll also offenbar nur die Erinnerung an die „eigenen“ Opfer sein, die Erinnerung an die „anderen“ dagegen zukunftsweisend. Das ist eine sehr seltsame, ja gegensätzliche Zweiteilung des Opfergedenkens und für die politische Kultur unseres Landes äusserst problematisch.
Ich will jetzt keine Aufrechnung betreiben, aber genauso wie man Opferzahlen der „guten Seite“ propagandistisch nutzt, die „eigenen“ Opferzahlen aber fast geheim hält, bzw. herunterspielt (siehe Dresden) muss es erlaubt sein hin und wieder daran zu erinnern! Wippermann schreibt weiter: ...von den Millionen gefallener und vermisster Soldaten, den Millionen Verwundeter, den Hundertausenden Frauen, Kinder und alten Menschen, die absichtlich von den Alliierten durch den Bombenkrieg getötet wurden, bis hin zu den 15 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen, von denen zweieinhalb Millionen ihr Leben lassen mussten – wenn es um dieses riesige Millionenheer von Opfern geht, zudem um den Verlusst von fast einem Drittel des deutschen Reichsgebietes sowie um die bis in die letzten Kriegstage hinein versuchte Auslöschung der alten deutschen Städtekultur – dann ist hierzulande Vergessen und Schweigen geboten. Aber wäre es doch „wenigstens“ nur Schweigen! Nein, diese Abermillionen von Toten und Vertriebenen werden bei uns – von uns! – verhöhnt, verspottet, diffamiert und die wenigen Erinnerungsmale geschändet – ohne, dass sich öffentlicher Protest bemerkbar machen würde! (Das passiert jedes Jahr in ganz Deutschland, z.B. am Volkstrauertag). Wippermann weiter: Man stelle sich hingegen die politischen Reaktionen vor, bis hin zu den sofortigen strafrechtlichen Massnahmen, wenn eine andere Opfergruppe auch nur sehr entfernt so behandelt werden würde.
Deutsche..Opfer...zweiter Klasse!

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