Über Zeitungs-Fehler und -Inhalte

Sunday 1st of April 2007
Leser der PLUS
Lieber Herr Friederich,
Da Sie ja ein namibischer Kultur-preisträger und kontakt- und kritik-freudiger Bürger des Landes sind, war es zu erwarten, daß Sie früher oder später das sagen würden, was Sie sagten. Damit ist auch in Leseraugen gar nichts verkehrt, ja, es ist höchst erfreulich, daß es Mitbürger gibt, die nicht stumpf alles hinnehmen und schlucken, was ihnen vorgesetzt wird. Aus diesem Grund allein schon gebührt Ihnen nicht nur mein Dank, den ich Ihnen hiermit ausdrücke.
Aber nicht nur darum danke ich Ihnen, nein Ihr geschätzter Brief gibt damit die nötige Veranlassung, einmal etwas zu erklären. Sehen Sie, erst einmal sollten wir die Prioritäten in die rich-tige Rangfolge stellen: Ist es bei einer Zeitung der Inhalt oder die Form, die höchste Priorität genießen muß? Mit dem Inhalt der PLUS finden Sie ja wenig nur, wenn überhaupt, verkehrt und trotz der verbesserungsbedürftigen Form lesen Sie sie ja immer noch, wenn auch mit “dickem Hals”. Das allein ist ein echtes Kompliment, das Sie der Zeitung machen.
Zur Form kommend, muß sicher verglichen werden: Ihnen ist, wie uns allen, bekannt, daß die PLUS eine Miniredaktion hat, es ist tatsächlich eine Ein-Mann-Wochgenzeitung, sollte sich das nicht geändert haben. Damit unterscheidet sie sich sehr von der AZ, um ein Beispiel zu nennen. Mit einer Redaktion, wie sie andere Zeitungen haben, wäre es für die PLUS eine Blamage, in dieser fehlerhaften Form zu erscheinen. So wie es ist, ist es ein Wunder, daß sie erscheint, dabei trotz Fehlern durch-aus für intelligente Menschen lesbar ist und daß sie nicht nur seit etlichen Jahren überlebte, sondern sich verbes-sern konnte. Der Redakteur der PLUS war Chef der AZ, bevor Sie ins Land kamen, Herr Friederich, meinen Sie nicht, daß er, der “gelernte Lehrer”, seine Fehler nicht auch “fies” findet, sie nur unter obengenannten Um-ständen akzeptiert? Mir als Konsu-ment kommt es jedenfalls persönlich immer mehr auf den Inhalt an, die Verpackung ist bestenfalls sekundär im Gebrauchswert dieses einen Produktes. “Ein guter Schluck aus dem Blechnapf ist mir lieber als Gänsewein aus Kristall”.
Sie sollten auch nicht unberücksichtigt lassen, daß jede kritische Zeitung in Afrika ständig einen Eiertanz aus-zuführen hat. Ohne Kritik geht nichts, mit zuviel Kritik nimmt sich der Redakteur möglicherweise das Brot aus dem eigenen Mund, wie wir ja sahen und sehen. Und nicht nur der Redakteur ist gefährdet, auch der-jenige, der kritische Beiträge zum sozialen oder politischen Umfeld liefert. Ihnen ist dies bekannt. Ob Sie vergleichen können, wie es “früher” aussah, wie sich das Land nach “heute” hin änderte, weiß ich nicht. Daß es bei uns noch so gut aussieht, daß wir uns noch (!) als “Erfolgsstory” im Vergleich zu anderen Afrika-staaten betrachten dürfen, liegt gewiß in hohem Maße am Erbe, das die heutige Regierung übernehmen konn-te. Wie sie damit umgeht, liegt beim Wähler, bei uns. Und wo hat in unserem Land der Wähler eine andere Plattform als die Zeitungen, um seinen Standpunkt deutlich zu machen? Institutionen wie z.B. der Telefon-hörer des deutschen Hörfunks, an dem Sie sich ja auch hin und wieder beteiligen, haben ihren “Biß” verlo-ren, ihre Vorsicht läßt echte Probleme und deren Kern nicht mehr diskutierbar sein. Leider. Daß unsere Zeitungen uns noch “sprechen” lassen, Herr Friederich, dafür müssen wir dankbar sein, auch wenn Pseudonyme gebraucht werden müssen. Und ehrlich, was macht es für einen Unterschied, ob die Wahrheit nun von Feddersens Hans, vom Karnevals-Hans, von der Petra Hamman oder einem Pierrot gesagt wird? Hauptsache ist, sie wird gesagt. Und deutlich verständlich gesagt.
Ja, auch Sie hätten da etwas zu sagen. Sie würden es bestimmt in besserer Form und gepflegterem Stil sagen können, Sie sind gebildet, lebenser-fahren, haben viel gesehen und erlebt, können vergleichen. Sie sollten spre-chen, sich an der Diskussion betei-ligen. Themen gibt es genug, die Möglichkeiten einer Wochenzeitung sind mannigfaltiger als die einer Tageszeitung. Themen können in größerer Breite behandelt werden und jeder Bürger im Lande, nicht nur der direkte Leser, wird davon profitieren. Zu wenige Mitglieder unserer vor-sichtigen geistigen Elite beteiligen sich an öffentlichen Diskussionen, die, die es tun, tun es oft in einer Form, die dem Nichtakademiker schwer verständlich ist. Diese Form gehört, dies ist meine private Meinung, nicht in eine normale Zeitung, sie gehört in ein Fachblatt, ja, Sie werden eventuell nun sagen, daß diese Leute klug in ihrer Zurückhaltung auftreten, klüger sind als die, die ihre Gedanken selbst in nicht korrekter Schreibweise laut werdenlassen, ohne Angst, sich zu blamieren. Auch das wäre ein Thema, welches eine Diskussion, selbst einen Disput rechtfertigen würde. Auch die frage, welches die Pflichten der Zeitungen oder anderer Medien sind, könnte Antworten finden. Oder die Form, die wahrscheinlich nicht nur Ihnen wichtig ist, wäre ein Thema, aber ich schweife ab, bitte entschuldigen Sie.
Tatsächlich bilde ich mir nicht ein, das Thema Ihres Briefes erschöpfend behandelt zu haben; andere Leser werden das mit Sicherheit ergänzen oder korrigieren wollen, was ich sage. Mir bleibt nun nur noch zu danken, Ihnen, Herr Friederich, der PLUS und ihren Mitarbeitern und allen im Lande, die ihrer Bürgerpflicht nachkommen, egal, in welcher Form!
Leser der PLUS

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