Aus älteren Zeiten Ideen übernehmen?

Thursday 5th of April 2007
Ihr „Namibier“
Sie tut der Seele gut, diese Serie in der PLUS, die unter dem Schwarzen Adler. Sie erweckt Gedanken in einem nun älter werdenden Menschen, die wärmen und zugleich zum Vergleich einladen. Also man vergleiche.
Wie war es denn im “alten” preußischen Königreich, z.B. als es “blutjung” war unter seinen ersten Königen? War es so ganz anders als hier, im vergleichbar gleichwohl jungen Namibia? Welche Probleme waren gleich? Welche wurden dort überwunden, wann und wie? Könnten wir Ideen übernehmen oder müssen wir das “Rad” neu erfinden? Lassen Sie uns heute auf einiges Wenige nur schauen.
Lassen Sie mich bittre vom Staatsdienst, dem Beamten auch reden, dieser und diese sind ja auch hier nicht ganz unumstritten, wie es auch andere Mitbürger, selbst unsere „Macher“, immer wieder zugeben. Unter dem ersten könig in Preußen - irgendwo müssen wir ja anfangen - war der Staat sehr stark belastet durch viele unfähige, korrupte, nur in die eigene Tasche arbeitende Beamte in vielen verschiedenen „Ministerien“, man sprach laut von den 3 „Wehs“, „verfluchte sie und wurde sie nicht los“. Bitte lesen Sie das selber nach, hochinteressant, ich versichere Ihnen das. Ein König, egozentrisch, abhängig von Schmeichlern und Geldbe-schaffern, ein König, der am Wohl seiner Untertanen nicht groß interes-siert war, der den Prunk seiner eigenen Hoghaltung, seine „grandeur“ über alles stellte, nun, er war die frucht-bare Basis für diese Zustände, unter der das Volk, alle rechtschaffenden Leute, litten, die nicht so recht-schaffenden hingegen „fett und fetter“ wurden. Ja, ich weiß, woran Sie jetzt denken, bestimmt! Sie beherzigen meine Aufforderung. Sie vergleichen, nicht wahr?
Preußen mußte auf den Nachfolger warten. Der allerdings wurde der „Preußenmacher“, der den Frieden über alles liebende „Soldatenkönig“, der vom Volk gehaßte Reformer, Friedrich Wilhelm I. Über Nacht wehte ein neuer Wind in den preußischen Landen, schlagartig ging‘s, was vorher nicht ging. Als allererstes kam die eigene Hofhaltung unters Messer, dann sofort der Beamtenapparat. Unfähige Leute fanden sich umgehend in der Armee wieder. Gehälter wurden drastisch gekürzt, „Beihilfen“ gestrichen, die eigene (!) Hofhaltung, ja, Sie lesen ganz richtig, um mehr als zwei Drittel eingeschränkt, der Beamtenapparat gleichfalls; und es mußte gearbeitet werden. Arbeit, bei vielen der „Großen“ war das damals ein abstrakter Begriff nur - wie sieht es heute damit aus? Ja, Graus über Graus, es mußte Rechenschaft gegeben werden. Rechenschaft? Auch das ging. Es ging mit teils brutalen Methoden zum Wohle der ganzen (!) Nation, wenn diese auch ächzte und stöhnte und den „Neuen“ wohl inständig und oft verfluchte. Preußen, so wie wir es kennen aus den Erz?2hlungen unserer eltern und Großeltern, aus den Geschichtsstunden in deutschen Schulen, wurde gebaut. Ja, damals hieß es dann schon bald bei Immigranten: „Preuße wirst du aus Not, bist du‘s, bist du froh“. Ein florierendes Land, die Ausnahme in einem Europa in einer Zeit, in der jeder andere Landesherr sonst nur sich selbst und sein eigenes Wohlleben als würdiges Ziel seiner Anstrengungen sah, ein Land, von dem der Mensch damals, heute und in aller Zukunft noch mit Hochachtung sprach, spricht und sprechen wird. Ein Land, das tatsächlich seine Menschen und deren Wohlergehen zum Ziel hatte. Und dieses Ziel erreichte!
Auch wir haben einen Beamten-apparat, der seit langem schon das Land kopflastig werden ließ, der als Bremse jeder schnellen Entwicklung seine Aufgabe zu sehen scheint. Es wurde erkannt, schon vor unserer Unabhängigkeit, wurde von der unabhängigen Regierung bemäkelt nach derem Zustandekommen und heute, nach weiteren 17 Jahren ist es noch schlimmer geworden. Wir lasen einmal, daß ein (kurioser?) Vorschlag gemacht wurde, daß jedes Ministe-rium von seinen Beamten die „faulsten und unfähigsten“ 25% aussortieren und entlassen solle. Keine Reaktion! Man schleppt jeden mit. Warum nicht diese, wie in Preußen, in die Armee stecken/ Oder in einen zu schaffenden Arbeitsdienst? Warum gibt es keine effektive Kontrolle in unseren Staatsagenturen, warum keine Buchprüfungen in „good time“? Warum funktionieren nach so langer Zeit die Ortsverwaltungen noch nicht? Müssen auch wir wieder auf den Nachfolger - des Nachfolgers - warten? Fehlt unserem Nachfolger der gute Stock des zweiten Preußen-königs? Würde er Gebrauch machen davon? Na?
Wahrscheinlich wurde damals in Preußen das erfunden, was wir heute unter „streamlining“ verstehen. Aus vielen Verwaltungsapparaten wurde mit einem Federstrich und im Allein-gang des obersten Machers - achten Sie bitte darauf: diesmal steht Macher nicht zwischen Häkchen! - ein einziger apparat geschaffen, der übersichtlich, konrollierbar (!) und sehr effektiv mit einem Maximum an Effizienz arbeitete. 22 Ministerien? Nein, dort wo aufgebaut werden muß, wie damals im jungen Preußen, dort hätten sie keinen Platz gefunden, das können die reichen Namibier sich heute leisten, die Preußen konnten es nicht. Nun, man mag nachdenklich werden, es ist erlaubt.
Ging es ohne Schulden? Ja, gewiß, der Staat kam ohne sie aus. Man gab nicht mehr aus als man verdiente; man legte sogar Reserven in erheblicher höhe an. „Geht nicht, gibt‘s nicht!“ sagten Sie? Mit einem eisernen, preußischen Willen, mit dem „Muß“ dahinter ging da und damals alles.
Auch in Preußen reiste die Nr. 1 sehr viel. Aber im Lande, nicht im Ausland. Er, der König, war da, überall, unangemeldet, er kontrollierte selbst, er strafte, er lobte, er regte an, motivierte und initiierte... und drosch drauf mit seinem Stock, wenn‘s denn sein mußte. Und siehe da, lieber Mitbürger, es funktionierte. Es funktionierte nicht immer glatt, aber immer glatter, immer besser und der erfolg machte Schule, wie hier, traurig genug, der Mißerfolg Schule und Stimmung macht, sollte ich mich nicht irren.
Im alten Preußen fehlten immer Menschen, Arbeiter. Es gab nie genug. Denn es gab viel zu tun, viel zu viel zu tun, wie ja auch hier! Zusätzliche Arbeiter mußten importiert, fest angesiedelt werden. Arbeitslose gab es nicht, es sei denn, sie waren Krüppel. Dabei war das preußische Land zum allergrößten Teil ein von der Natur stiefmütterlich behandeltes Land, es gab nirgendwo eine Infrastruktur, die der König hätte erben können, es mußte alles mit eigener Kraft aus dem Boden gestampft werden, es wurde! Auch auf diesem Gebiet drängt sich der Vergleich auf, warum, so keimt die zaghafte Frage, ging es dort, warum nicht hier? Warum kann nicht hier die ererbte Infrastruktur wenigstens erhalten werden? Liegt es am Ziel? Warum kann nicht bei uns nach neuen Wegen gesucht werden? Warum hören wir immer und immer nur Argumente, warum alles und jenes nicht geht? Warum sollen wir nicht einmal einen Versuch wagen dürfen? Sagen wir es so: Weder im Leerlauf noch im Rückwärtsgang klappt‘s richtig. Haben wir das in Namibia denn wirklich noch nicht begriffen? In einem Namibia, das wenigstens an Menschen KEINEN Mangel hat? Sie vergleichen noch? Gut so, sehr gut! Vielleicht bekommen auch Sie dann die Idee, daß mit unserer „Gearbox“ so einiges nicht stimmt?
Und mit dieser Frage möchte ich abschließen. Ich danke Ihnen, dem Leser, für die Geduld; der Redaktion für die Gelegenheit, diese Überlegungen und Fragen in einer Wochenzeitung, die sichtlich ihren Weg zum Licht sucht, unter Pseudonym darlegen zu dürfen. Möge diese Wochenzeitung den Weg Preußens gehen, möge sie wachsen, gedeihen, nutzbringend sein für ihr Heimatland; wir haben sie nötig wie jede andere Publikation in unserer sprache in Namibia. Das gleiche wünsche ich dieser Nation, meiner Nation!

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