Staatsmedien am Tropf

Saturday 14th of April 2007
Hans Feddersen
Als die erste Regierung im unabhängigen Nami-bia gebildet wurde, machten sich die Ver-antwortlichen Gedan-ken, wie man eine Lizenzierung der Medi-en (Print und Elektro-nik) einrichten könnte. Zum Glück ist das dann nie verwirklicht wor-den. Denn sonst hätten wir heute eine sehr viel unfreiere und eingeschränktere Medienland-schaft (anstelle des demokratischen Pluralismus).
Als eine der wichtigsten Aufgaben wurde „nation building“ propagiert. Die Medien sollten ausdrücklich die-ses Ziel vor Augen behalten und - am Bau der Nation mitwirken.
Das war noch nicht genug. Sehr bald gründete die regierende Partei eine eigene Zeitung (Namibia Today) und die Regierung ließ es sich nicht neh-men, eigene Blätter (New Era, Southern Times) herauszugeben. Und falls eine Finanzierungskrise auftauchte, wurden staatliche Subven-tionen ausgeschüttet. Dem Steuerzah-ler sei Dank! Der Dank des Vaterlandes - denn auf die neutrale, objektive Presse kann man sich als Ideologe des befreiten Afrika doch nicht verlassen. Imperialistisch sind diese privaten Zeitungen. Und neo-kolonialistisch. Und von einem Denken vergiftet, das einfach nicht nach Afrika paßt.
Nun. Jahr für Jahr lesen und hören wir (im Rahmen der Haushalts-debatte), wie sehr die staatlichen Medien am Tropf hängen. Neben New Era und Southern Times (ein Gemein-schaftsprojekt mit Simbabwes Infor-mationsministerium) betrifft dies nämlich auch noch die mächtige Fernseh- und Rundfunkanstalt NBC. Und die Nachrichtenagentur Nampa. Und alle müssen vom Steuerzahler ertragen und finanziell getragen werden.
So kann es schon mal vorkommen, daß der Verlust, den  New Era „er-wirtschaftet“, sich in einem Jahr auf N$ 3,6 Millionen verdoppelt. Die Finanzspritze betrug bereits N$ 5,8 Millionen (und im Jahr danach: N$ 4 Millionen)!
Wir zahlen. Und staunen. Denn New Era zaubert eine horrende Summe von N$ 9,3 Millionen Umsatz aus dem Hut (denn Kalku-lation kann man das kaum nennen). Die Einnahmen liegen um 20 Prozent niedriger - und nun muß die Regierung wieder hel-fend eingreifen. Das alte Schema...
Ditto: Nampa.
Ditto: Southern Times
Ditto: NBC
Nampa erhielt N$ 8 Millionen...
Soll, kann man dazu noch viel sagen?
Hinter den Kulissen werden inzwi-schen die schönsten Träume über den Ausbau des Vertriebsnetzes und höhere Auflagenziffern wach...
Und dann heißt es (regelmäßig und immer wieder): der Staat investiert nicht genug, um aus diesen Projekten Erfolgsstories zu machen...

WIKA! Aber Jetzt!
Wer die Brille der Jecken trägt, freut sich: Endlich ist die 5. Jahreszeit in Windhoek angebrochen. Und das dau-ert diesmal gleich zwei volle Wo-chen! Herrlich! Wika!
Wer aber die Brille des Kritikers aufsetzt, fragt sich nicht nur nach den Freiheiten, die man in der Bütt genießt - und die in Namibia durch-aus toleriert werden! Man fragt sich, was z.B. das Motto „Aber Jetzt“ bedeuten könnte. Ob sich da ein Wunschdenken der Regierung breit macht? „Bisher hat vielleicht manches noch nicht geklappt, ABER JETZT!“ - Und falls die Narren glauben, daß es sonst nichts zum Schmunzeln gibt, sei es hier deutlich gesagt: Man findet in Namibia das ganze Jahr hindurch Erlebnisse, die (nur) mit Humor zu ertragen sind. Stichworte: Avid, ODC, Air Namibia, Nampa usw. Aber Jetzt - das hat unser Präsident (und das haben andere) schon oft gesagt: Aber jetzt kann es nur noch besser werden... - In diesem Sinne einen tollen WIKA und zum Auftakt einen schönen Prinzenball!!

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