Schaffleisch? - Nein danke!

Saturday 14th of April 2007
Lenchen und Siegfried Werthmann
Wer in unserem Sonnenland aufge-wachsen ist oder es als Besucher kennen gelernt hat, weiss auch, dass die Schafhaltung hier zu Hause ist. Wir essen auch gerne Schaffleisch, weil es uns schmeckt, vom Rost, aus der Pfanne oder aus dem Topf. Unsere Schafe äsen das ganze Jahr über von trockenen Gräsern und kennen keine Stallfütterung. Darum schmeckt es so gut, denke ich.
Nun aber zum Kern meiner Geschich-te. - Es war an einem Samstag im Winter 1976 im Maltahöhe Hotel halb drei, die Küche glänzte, das Personal war schon nach Hause gegangen. Meine Frau, Chefin des Küchenbe-reichs, wollte sich auch schon zurückziehen. Wir waren seit sechs Uhr auf den Beinen. Eine Reisegruppe hatte sich nach dem Mittagessen verabschiedet, die paar Gäste in der Bar wollten auch aufbrechen und meine Frau und ich freuten uns schon auf ein bis zwei Stunden Entspannung.
Es kam dann aber anders als erwartet.
Eine Limousine hielt vor dem Hotel und ein nicht gerade unterernährtes Paar, nicht mehr ganz jung, kam eilig in die Bar. Sie kamen sofort zur Sache: “Herr Wirt, wir möchten ein Zimmer bis Montag, aber wir haben großen Hunger, was hat die Küche noch schönes zu bieten?” Ich schaute meine Frau an und sie war auch sofort bereit, dem Ehepaar etwas vom leckeren Hammelbraten, welcher heute Mittag nicht vollständig verzehrt worden war, zu servieren. - “Wissen Sie, Herr Wirt, ich bin selbständiger Metzgermeister, wir kommen aus dem Rheinland und sowohl meine Frau als auch ich mögen kein Schaffleisch.” So die Reaktion. Was nun? Im Geiste sah ich meine Frau noch eine Stunde in der Küche arbeiten. Das wollte ich verhindern, denn da war ein herrlicher Braten von heute Mittag nur aufzu-wärmen.
Ich bat also unsere neuen Gäste, es doch mit dem Hammelbraten zu versuchen. Ich machte unseren beiden Touristen noch eine Offerte: “Sollte der  Hammelbraten mit Zutaten nicht munden, so bekommen Sie ein anderes Essen nach Ihren Wünschen und haben freie Kost und Logis bis Montag!”
Ich sah in zwei erstaunte Gesichter. Der Vorschlag wurde aber angenom-men, und meine Frau eilte zu den Pfannen. In kurzer Zeit war der Ham-melbraten mit den Beigaben im kleinen Eßzimmer angerichtet und das Metzgermeisterehepaar hat geges-sen, sehr gut haben sie zugelangt.
Schon beim Eintritt ins Eßzimmer erklärte mir der Herr: “Sie haben ge-wonnen, ich bezahle den vollen Preis, das Essen war vorzüglich. War das wirklich Schaf?” Es war Schaf.  Kopfschüttelnd wurden meine Ausfüh-rungen angehört. - Auch weshalb es so gut schmeckt, erklärte ich, wie es schon in der Einleitung gedruckt steht.
Damit ist die Geschichte eigentlich beendet - wenn nicht, ja, wenn nicht nach zwei Jahren ein Ehepaar an der Rezeption gestanden hätte, um ein Zimmer für eine Nacht zu buchen. Aber nur unter der Bedingung, daß sie einen saftigen Schafsbraten vorgesetzt bekamen...
Die Wiedersehensfreude war groß. Das Metzgermeisterehepaar war mit einer Safari bis nach Mariental mitgefahren, hatte sich dort einen Mietwagen genommen, um uns zu besuchen.
Für die Wahrheit dieser Geschichte verbürgen sich
Lenchen und Siegfried Werthmann

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