AUS im Süden ist wieder ‘’in”

Tuesday 24th of April 2007
Brigitte Weidlich
Aus (bw) – Große Anspannung bei den Mitgliedern des Festkomitees vor dem Osterwochenende: werden die Besucher kommen oder bleiben sie weg? Ein hundertjähriges Jubi-läum galt es zu feiern – das verschla-fene Dörfchen Aus zwischen Keet-manshoop und Lüderitzbucht hatte sich herausgeputzt, doch erstmal kamen die Ko-Organisatoren, die extra bestellten Vorräte, darunter exakt 2,238 Hühnereier, die Hüpf-burg für Kinder wurde aufgepumpt, 50 Zelte samt himmelblauen Toilet-ten für den erwarteten Besucheran-drang wurden aufgestellt und dann war es soweit: Kafreitag kamen sie von nah und fern, mit Kind und Kegel, viel Durst und großem Appetit. Die Straße vor dem Hotel war abgesperrt und zur Fußgängerzone umfunktioniert, es gab Verkaufsstände aller Art, mna konnte sich im Bogenschießen üben, neue Vorführwagen einer bekannten Automarke wurden vorgezeigt, obwohl die 3 Prachtmodelle aus Südafrika dank eines zu pingeligen Genzbeamten in Noordoewer samt ihrer Fahrer dort hängenblieben, das geschlagene Osterwochende lang.
Die neue Holzterasse vom geschichtsträchtigen Bahnhof Hotel Aus (erbaut anno 1906/7) war brechend voll, Hotelpersonal und Aushilfen hatten mächtig zu tun, doch alle Gäste wurden flink und freundlich bedient, ruhender Pol dazwischen Oberkellner und VizemanagerTitus, die Perle, ursprünglich aus dem Ovamboland, bestens ausgebildet im Hansa Hotel Swakopmund, danach weitere Berufserfahrung auf einer Lodge in der Nähe von Namutoni. Manager und Chefkoch in einer Person Julian van den Heever und Titus sind alte Kollegen, ja Freunde, beide kennen sich von der Lodge im Norden her, verloren nie Kontakt. Julian hatte 2006 den Job, den die meisten Hoillywood-Fans weltweit gern auch gehabt hätten: er bekochte die Filmstars Angelina Jolie und Brad Pitt in einer Hotelpension bei Swakopmund. ,,Sehr nette Leute, ganz bescheiden, keine großen Sonderwünsche, erinnert sich Julian. Kam danach das Aus und zog er deshalb vor wenigen Monaten nach Aus?
,,Der Besitzer der Hotelpension sprach dauernd davon, die Pension zu verkaufen, das war mir zu unsicher, außerdem bin ich als Kind auf einer Farm in Südafrika aufgewachsen, mir gefällt es hier,“ sagt er. Währenddessen zaubert die Küchenfee eine tolle Lasagne zum Abendessen, in der Küche duftet es nach Brot. ,,Wir backen selbst und nachmittags gibt es Schwarzwälder Kirschtorte zum Kaffee,“ lacht sie und weidet sich an den ungläubigen Gesichtern der Hotelbesucher, die hier am Ende der Welt so etwas Gutes nie zu träumen glaubten.
Das Festival ,,Aus – 100 years later“ (100 Jahre später) war ein voller Erfolg, die historische Holztheke mit ihren Schnörkeln in der Hotelbar war poliert wie vor 100 Jahren, der Birgarten im Miniaturformat war brechend voll und Gastsänger Bernard Finch aus Südafrika sang bis tief in die Nacht an beiden Konzertabenden. Zum ersten Mal seit 11 Jahren gab es wieder einen Passagierzug, der Fest- und Fahrgäste morgens und zum Sonnenuntergang bis zur alten deutschen Bahnstation Garub durch die traumhaft schöne Namibilandschaft fuhr.
Zur deutschen Kolonialzeit gab es eine Quelle in Aus, das Wasser war wichtig für die neue Schmalspurbahn, die durch das Tal mit den roten Granithügeln gebaut wurde. Die Stelle wurde ,,Aus“ getauft, entpuppte sich als guter Punkt zum Verschnaufen für Dampflok und Bahnpersonal nachdem der erste Zug anno 1906 im November eintraf. Das Bahnhof Hotel war 1906 fertig, andere meinten, erst 1907, es wurde sogar eine Schule mit Wandelgang gebaut, sie steht heute noch, das deutsche Wort Schule ist noch am Gebäude, das Wort ,,Deutsche“ ist nach 1990 irgendwann mal entfernt worden. 1908 wurde auf der Bahnstrecke Aus-Lüderitzbucht der erste Diamant gefunden, die Siedlung erlebte einen kleinen Aufschwung, der größte Boom aber kam für Kolmanskuppe und Lüderitzbucht. 1913 hatten ein paar ganz patriotische Deutsche ein kleines Denkmal für Kaiser Wilhem Zwo – jawoll! – in Aus am Bahnhof errichtet, zu dessen 25. Regierungsjubiläum. Der kleine Obelisk hat den Kaiser und zwei Weltkriege überlebt und steht noch heute an Ort und Stelle.
Die deutschen Kolonialherren mußten 1915 gehen nachdem südafrikanische Soldaten über die Grenze am Oranjefluß kamen und die deutschen Truppen kapitulierten. Mehrere tausend deutsche Soldaten wurden ein paar Kilometer östlich von Aus interniert bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, mußten glühende Hitze und eisige Kälte im Winter ertragen, ein gut gepflegter Friedhof ist schweigender Zeitzeuge, vom Internierungslager ist kaum noch etwas zu sehen heute.
,,Aus war schön damals, ich wuchs hier auf,“ sagt eine alte Dame versonnen, ,,toll, daß hier das Hotel wiederbelebt wurde.“ Fünf lokale Investoren hatten es vor 2 Jahren gekauft und für N$ 2 Millionen renoviert, 13 moderne Zimmer stehen zur Verfügung. Seit kurzem hat Aus eine Teerstraße, ein Wunder der Moderne. ,,Wir hörten, daß ein paar Millionen sozusagen übrig waren, also sich die Asphaltierung der Straße nach Rosh Pinah dem Ende näherte,“ erzählt Bruno Böhm, Vorsitzender der Handelskammer von Aus, die sage und schreibe 10 Mitglieder hat. ,,Wir wurden bei den Behörden vorstellig mit unserer Idee, von der Abzweigung der nach Rosh Pinah oben am Berg, eine weitere Abzweigung durch Aus zu berücksichtigen, wir liegen ja auf halber Strecke zwischen Keetmanshoop und Lüderitzbucht. Nach vielen Hin und her klappte es, wir haben seit en paar Monaten eine asphaltierte Hauptstraße durch das Dorf.“
Böhm ist Schweizer, seine Frau wuchs auf einer Farm in der Nähe von Aus auf, ihr Vater stammte ursprünglich aus der Schweiz. Seit fast 10 Jahren ist sie wieder zurück und farmt mit 1,000 Schafen auf der väterlichen Farm. Böhm pendelt, hat noch eine Firma in der Schweiz. Man ist ein wenig verdutzt, ausgerechnet in Aus Schwyzerdütsch zu hören. Nur 10 Schritte vom Hotel entfernt gibt es die Tankstelle, einen kleinen, gut bestückten Laden mit Bar, kleinem Restaurant und dazugehörigem Garten sowie Campingplatz, alles von jungen Leuten geführt und eine sehr beliebte Anlaufstelle.
Aus erwacht aus seinem Dornröschenschlaf und mausert sich zum Tourismusort. Oben an der Hauptstraße gibt es seit Mitte 2006 in Infozentrum, mit EU-Geldern gebaut und von den Einheimischen, zumeist Nama-sprechend, betrieben. Sechs von ihnen werden gerade als Touristenführer ausgebildet, sie sollen bald in Aus arbeiten.
Das Wichtigste über die Ortsgeschichte, Fauna und Flora, besonders viele Sukkulentenarten, ist im Infozentrum dort zu erfahren, ein kleines Café ist auch eingerichtet. Die Strecke von Aus nach Lüderitzbucht ist atemberaubend schön, eine weitere Attraktion sind nur 30 km westlich von Aus die wilden Pferde, die sich frei in diesem Teil der Namib bewegen und an der Wasserstelle Garub beobachtet werden können. Ihre Vofahren sind wohl nach der Kolonialzeit sich selbst überlassen worden, man weiß es nicht so genau.
Insgesamt 12 Investoren haben südlich von Aus 12 Farmen aufgekauft, sie sollen Teil des geplanten Huib Plateau Naturpark werden, erzählt Bernd Römer, der auch Teilhaber des Bahnhof Hotel ist. ,,Wir planen Wanderwege, Allrad-Routen, Wildrundfahrten und Aus soll sozusagen das Tor zu den touristischen Attraktionen hier werden,“ so Römer. Das nächste Festival ist auch schon geplant. ,,Wir wollen das wahrscheinlich jährlich wiederholen, wenn auch unter einem jeweils anderem Thema,“ verrät er. Dann werden auch Rundfahrten mit den traditionellen Eselkarren der 1,200 starken Nama-Bevölkerung angeboten, Tanzgruppen mit dem Nama-Stap und der lokale Posaunenchor soll spielen. ,,Das war alles geplant, in letzter Sekunde sind Leute abgesprungen, aber für das nächste Festival haben wir das im Griff,“ sagt Römer.
Da konnte man nur mit dem Kopf schütteln, als das staatliche Fernsehen zwar einen Bericht über das Festival brachte, aber mit der Nuancierung, es sei nur für einen ,,gewissen Teil der Bevölkerung“ gewesen ... .

back
 

Plus online by Plus Weekly
Publisher: Feddersen Publications cc.
email : info@namibiaplus.com
Tel: +264 (0)61 233635
Fax: +264 (0)61 230478
P.O.Box 21506
Windhoek
Namibia