Kümmert Euch um den Süden

Saturday 28th of April 2007
Hans Feddersen
Dem Speaker des Par-laments platzte der Kragen.Und nun erwägt er juristische Schritte gegen den Direktor der NGfM (NSHR), Phil ya Nangoloh. Dieser hatte nämlich in einer Serie von Zeitungsartikeln den Gründerpräsidenten und den Parlamentspräsi-denten in die Nähe zum US-Geheimdienst CIA gerückt. Theo-Ben Gurirab kam zu einer klärenden Gesprächsrunde, die von MISA vermittelt worden war. Und nun flo-gen die Fetzen wie zu Zeiten des Kalten Krieges: hie Anschuldigun-gen, Gurirab habe die CIA mit Informationen versorgt, dort ähnliches Vorwürfe in Richtung des „ver-kappten KGB-Agenten und Swapo-Gegners“ Nangoloh. Verbitterung also auf beiden Seiten...
Ganz bös waren die Unterstellungen, Nangoloh erhalte für seine Anti-Re-gierungsarbeit Tausende Dollar Lohn. Und so weiter. Die Debatte wurde vertagt, wobei Gurirab es sich nicht nehmen ließ, jene juristischen Schrit-te anzudeuten, von denen oben die Rede war.
Man mag über Nangolohs Arbeit meinen, was man will. Man mag zu ihm als Person stehen, wie man will. Tatsache ist, daß er in der Vergangen-heit vieles erlebt hat, was ihn bitter werden ließ. Seine Arbeit für die Menschenrechte (also als Wachhund unserer Demokratie) ist enorm wichtig!
Und deshalb heute ein ganz anderer Denkanstoß von eben diesem Phil ya Nangoloh: Die Regierung soll sich mehr um den Süden des Landes kümmern! Eine Delegation unter Chief David Frederick (Bethanien) hat in der vergangenen Woche Präsi-dent Pohamba im Staatshaus aufge-sucht und ihre Beschwerden  vorge-tragen. Es gibt viel HIV/Aids, dafür aber wenig Entwicklung, mangelhafte Menschenrechte, fehlende Demokra-tie und Erziehung. Oft sei nicht ein-mal die nötige Infrastruktur vorhan-den. Deshalb nehmen Hunger und Krankheiten zu. Und die Arbeits-losigkeit sei eines der Grundübel in Hardap und Karas, wo man die höchste TB-Rate im Lande festgestellt habe.
Im vorigen Jahr demon-strierten etwa 50 Nama-Sprachige in Keetmans-hoop. Sie überreichten dem Karas-Gouverneur Dawid Boois eine Peti-tion. Darin hieß es u.a., die Regierung mache sich „politi-scher Korruption und Diskrimi-nierung“ schuldig. Denn Posten gebe es wohl nur für ovambo-sprachige Beamte. Namentlich erwähnt Ya Nangoloh den Regionalrat Hilma Nicanor, der übrigens in Schmier-briefen im Internet als ganz großer Anhänger des Gründervaters gelobt wird. Eine Farce: Der Mann ist Vor-sitzender einer Organisation für Frauenrechte!
Die NGfM erinnert an einen Bericht von 2002, als sie bereits über die Mißstände im Süden geklagt hatte. Auch die Migration trage zur „politi-schen Zeitbombe“ bei: Bürger, die von ehemals „weißen“ Farmen in den Süden ziehen, sorgen dort dafür, daß „Shebeens“ wie Pilze aus dem Boden kommen. Oft hacken sie Holz, um etwas Einkommen für selbstgebrau-ten Alkohol zu haben.
Abschließend schlägt die NGfM vor, daß man „reiche multinationale Konzerne“ wie De Beers und Rosh Pinah zur Kasse bitten könnte: Sie sollen zur Entwicklung der Regionen beitragen, aus denen sie so erfolg-reich ihre Schätze gewinnen.
Egal wie: Eine Lösung für Armut und Arbeitslosigkeit im Süden (und nicht nur dort) ist dringend nötig. Allein schon die Tatsache, daß die Mittel-losen allzu oft mit dem Finger auf eine dominierende ethnische Gruppe zeigen und diese als Sündenbock und Ursache für ihre eigene Misere hin-stellen, kann auf Dauer nicht gesund sein. Vielleicht sollte man - über die ideologischen Differenzen hinweg - ruhig manchmal auf Nangoloh hören. Seine Informanten kommen ja nicht ohne Grund mit Beschwerden zuerst zu ihm!

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