Wie man heut mit Mietern umspringt...

Sunday 13th of May 2007
Schockierte Einwohnerin
Sehr geehrte Redaktion,
Folgende Geschichte passierte im Feb.-März diesen Jahres. Die genauen Namen will ich zu diesem Zeitpunkt nur der Zeitung bekanntgeben, da ich nicht weiss, ob es Zweck hat, sich mit diesen Leuten weiter anzulegen.
Diese Geschichte soll als Warnung dienen an alle, die sich noch auf das namibische Mietgesetz verlassen - ich habe zu meinem Leidwesen erfahren, dass es in der Praxis nicht mehr gilt.
Als ich von den Sommerferien in meinen Wohnort in Norden zurück-kehrte, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ein ‘For sale’-Schild am Zaun meines Wohnblocks hing und dass die Mehrzahl der anderen Bewohner schon panikartig ausgezogen war.
Da ich nichts Schriftliches über den beabsichtigten Verkauf bekommen hatte - und die restlichen Mitbewohner auch nicht - verliess ich mich auf das Mietgesetz (mindestens 1-3 Monate Kündigungsfrist, dazu in meinem Falle nach 7 Jahren regelmässiger Mietszahlung) und dachte: Naja, die anderen Mieter sind voreilig ausge-zogen weil sie ihre Rechte nicht kennen, gewöhnt an die Manier, wie z.B. in den Townships mit Hausmie-tern umgegangen wird.
Als dann der Kauf kurz darauf durch-ging (wiederum ohne Ankündigung, weder schriftlich noch mündlich), erfuhr ich dies von den Renovierungs-Leuten, die inzw. vom neuen Besitzer (einem ‘ehem.-benachteiligten’ Geschäftsmann aus Windhoek) geschickt worden waren.  Durch diese Arbeiter nahm ich schon mal tentativ Verbindung mit dem neuen Besitzer auf, bis ich ihn (zufällig) endlich selber bei der Wohnung antraf. Er war sehr freundlich, bat mich, zunächst einmal in das schon halb-renovierte Flat nebenan zu ziehen, sodass mein Flat auch renoviert werden könnte, und dann später zu entscheiden, ob ich ganz ausziehen wollte oder gegen einen erhöhten Mietsatz (zu dem Zeitpunkt noch nicht festgelegt) in meine altes Flat zurück ziehen wollte. Gesagt, getan, ich zog sofort in das (viel kleinere) Nebenflat, wofür ich mir in der Eile extra von der meiner Arbeit freinehmen musste, was mir gar nicht gefiel, da ich gerade dort neu angefangen hatte!
Inzwischen hatte ich immer noch nichts Schriftliches bekommen, ausser
(endlich) einem Anruf der Sekretärin des ehem. Besitzers, die ich von meinem Arrangement mit dem neuen Besitzer in Kenntnis setzte. (Später sollte sich herausstellen, dass diese Frau den Auftrag, uns von dem Verkauf der Wohnung schriftlich zu benachrichtigen, nicht ausgeführt hatte, worüber ihr Chef dann höchst erbost war.) Am 20. Februar bekam ich dann einen Anruf von der in meinem Wohnort ansässigen Schwe-ster des neuen Wohnungsbesitzers, mit der Mitteilung, ich müsse am 28. Februar ganz ausziehen oder aber ab 1. März den neuen Mietsatz - das Dreifache der alten Miete! - zahlen. Ich sagte, so eine kurzfristige Benach-richtigung wäre gesetzeswidrig und dass ich mich darum an einen Rechtsanwalt wenden würde, ging dann hin zu der Arbeitsstelle der Frau (bei ‘meiner’ Bank, wo sie wohl gerade angefangen hatte), und verlangte ihre telefonische Mitteilung schriftlich. Darauf sagte sie zu mir: “Du arbeitest mit deinem Rechts-anwalt, ich arbeite auf meine Manier; wir werden ja sehen, wer gewinnt!”
Am nächsten Tag, d. 21. Feb., bekam ich das von ihr verlangte Schreiben - allerdings an einen ganz anderen, weil total falschgeschriebenen, Namen addressiert!
Da ich mir unmöglich die von ihr verlangte neue Miete leisten konnte und noch auf der Suche nach einer anderen kleinen, erschwinglichen Wohnung war, bat ich einen Rechtsanwalt, der Frau in einem Brief mitzuteilen, dass ich, da ich nur zwei Wochen Kündigungsfrist be-kommen hatte, erst am 5.
März aus ‘ihrem’ Flat raus sein würde.  Denn am selben Tag hatte ich - wie durch ein Wunder - eine ge-eignete kleine, erschwingliche Wohnung gefunden, wollte mir aber für den Umzug dorthin nicht schon wieder von der Arbeit freinehmen, und ausserdem war ja diese kurzfristige Kündigung  gesetzes- widrig, was der Rechtsanwalt mir bestätigte (und auch nicht an mich adressiert!).
Naja, am 2. Feb. kam dann das dicke Ende: Um ca. 7 Uhr abends suchte mich die Frau, als ‘die neue Besitzerin’, in meiner Wohnung auf und verlangte die Schlüssel zu der Wohnung. Als sie auf meine Weigerung hin nicht nachgab, sich in der Wohnung auf den Boden setzte und sich weigerte, zu gehen, rief ich den Rechtsanwalt an, mir beizustehen. Auch diesem gelang es nicht, sie zum Gehen zu bewegen - sie sagte, wir könnten nichts gegen sie machen, da ‘ihre Leute’ jetzt an der Macht seien. Inzw. in Panik, rief ich ein befreundetes Ehepaar an, das auch gleich die Polizei holte. Aber nichts half, diese Frau zur Vernunft zu bringen - die zwei Polisten argu-mentierten mit ihr, wollten aber nichts ohne ihren ‘Supervisor’ tun; dieser wiederum weigerte sich, zu kommen.
Um ca. 9 Uhr rief die Frau einen ihrer Arbeiter an, der dann vor den Augen des Rechtsanwalts und der Polizei die Wohnungstüren aushängte, wegtrug und woanders verschloss. Dann fuhr sie triumphierend ab.
Nun stand ich da, in Tränen, konnte weder in meiner sperrangelweit-offenen Wohnung bleiben noch sie ohne Aufsicht lassen, und das mitten in der Nacht.
Zum Glück wohnte ein Arbeiter des ehemaligen Besitzers hinten im Hof; nach langer hin-und-her-Beratung baten wir diesen, in meiner Wohnung zu schlafen, während ich bei meinen Freunden übernachtete.
Am nächsten Tag meldete ich den Vorgang nochmal bei der Polizei-wache an, deren schlechtausgebildete Schreiber kaum mein ‘Statement’ richtig aufschreiben konnten - ich gab ihnen kurzerhand eine Abschrift mei-nes eigenen schriftlichen Statements zum Abschreiben, während ich dann (mir nun doch wieder von der Arbeit freinehmend) in die neue Wohnung umzog.
Einer der beiden Polizisten vom Vortag kam dann um mir mitzuteilen dass sie nichts gegen die Frau unternehmen könnten, erzählte mir dabei dass der neue Eigentümer und seine Schwester Teil einer neuen Gruppe reicher Grundbesitzer seien ...
Als ich ein paar Stunden später, nach dem Umzug, von der Polizeiwache meine ‘Case Number’ haben wollte, hiess es, ich hätte kein ‘Case’;  die Abschrift meines 1½-Seiten-langen Statements betrug in dem Buch gerade mal ca. 20 Zeilen.  Ich bestand aber auf einer ‘Berichterstattungsnummer’, die ich dann endlich bekam.
So musste ich am eigenen Leibe erfahren, dass das namibische Gesetz keinen Schutz mehr bietet und dass die Polizei - was ja schon lange bekannt ist - auch nicht mehr ‘dein treuer Freund und Helfer’ ist.  Das Djungelgesetz herrscht hier jetzt, und da hilft auch kein Rechtsanwalt. Wer damit nicht leben will, muss eben woandershin gehen ...
Schockierte Einwohnerin

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