Genie und Wahnsinn pur bei namibischen Projekten

Sunday 13th of May 2007
Bernd Hanke, Swakopmund
Genie und Wahnsinn treffen sich in Namibia in vielen Planungen. Wenn man dazu noch Gier und Korruption und grenzenlose Naivität und Ignoranz nimmt, hat man in etwa die jetzige Konstellation für einige namibische Projekte –angedachte, geplante und durchgeführte - zusammen.
Die Fischindustrie wurde durch BEE gepaart mit AA leichtfertig frag-mentiert und nicht gestärkt. Direk-torenposten und Fischquoten wurden freigiebig und kostenlos verteilt. Die Zeche bezahlten die entlassenen Arbeiter und Angestellten. Die Staatseinnahmen aus diesem Sektor sanken entsprechend. Teile der Fangflotte vergammelte durch mangelnde Wartung. 3 Fischdampfer sanken aus haarsträubenden Gründen, einer landete aus anderen Gründen am Strand. Die internationale Konkurrenzfähigkeit in diesem wichtigen Sektor ist bis heute geschwächt.
Der Transkalahari-Highway, dessen Spezifikation auf internationalen Abkommen der SADC Länder beruht, verschwindet einfach vor Swakop-mund um dann hinterher wieder aufzutauchen. Die Zwischenstrecke übernehmen zwei Dirt-Roads sowie eine von den parkplatzverliebten Swakopmunder Ingenieuren zweck-entfremdete Strasse und die Dr. Sam Nujoma Avenue. Dass man damit internationale Standards und Abkommen verletzt, in dem man den Schwerlastverkehr durch die Swakopmunder Wohnviertel brettern lässt, stört offensichtlich keinen vom Steuerzahler Beschäftig-ten. Hinweise werden mit der Be-merkung, dass man sich gefälligst beim Minister beschweren soll, schnippisch abgetan. Der Gipfel ist natürlich wenn die Road Authority die Strassen Swakopmund- Hentiesbay und Hentiesbay- Kamanjab öffentlich ausschreibt und das Stück der Transkalahari-Highway durch Swakopmund als Lastverkehrsstrecke weiterhin für lange Zeit missbrauchen will. Da kommen schon einige der oben genannten Eigenschaften zusammen.
Wenn es nach den vielen Planungen der Dr. Seltsam aus der interna-tionalen Gemeinschaft der pseu-dowissenschaftlichen Extrem-ingenieure geht, ist die Stromver-sorgung von Namibia längst gelöst.
In Kürze haben wir russische schwimmende und unsinkbare Atomkraftwerke vor der Skelettküste.
Ein Windturm von 1600m Höhe produziert Tag und Nacht jede Menge Strom samt Gemüse, Arbeitsplätzen und Trinkwasser. Ein Windmüh-lenpark wurde schon lizenziert um bei Sturm und Windstille 92 Megawatt in das –nicht vorbereitete- Netz einzuspeisen. Zusätzliche Wasser-kraftnutzung am Kunene ist seit Jahren verplant. Die Gasturbinen, gespeist vom Kudu-Gasfeld, liefern Strom in Hülle und Fülle, sogar für den Export. Strom vom erweiterten Inga-Staudamm am Kongo steht - nach den Tagträumen einiger- reichlich zur Verfügung. Aus Zimbabwe fließen imaginäre Megawattstunden vom Hwange- Kohlekraftwerk über die nicht vorhandenen Überlandleitungen nach Namibia. Auch aus Zambia holpern einige Megawatt von Zeit zu Zeit in den Caprivi-Streifen. Da fehlen nur noch die Biogasfreaks.
Die jetzige Situation vor der Steckdose sieht jedoch leider anders aus. Uranminenlizenzen werden aus Strommangel bis auf weiteres nicht mehr erteilt. Die Siliziumfabrik bei Omaruru starb trotz der Intervention eines früheren deutschen Botschafters einen lautlosen Tod. Sie hätte bestimmt soviel Strom verbraucht, wie alle größeren Ortschaften Namibias zusammen. Das gleiche gilt für die vom Minister erwähnte Alumi-niumschmelze. Mit anderen Worten, es können keine energieintensiven Projekte angegangen werden. Der namibische Verbraucher muss sich auf ein weit höheres Stromko-stenniveau einstellen. Auch die finanziellen Lasten der Verbesserung der retardierten Infrastruktur werden sich massiv auswirken. Stromausfälle sind wie in den meisten afrikanischen Ländern in Kürze zu erwarten. Die Versorgungsspannung wird extrem schwanken und einigen elektronischen Geräten den Garaus machen. Die Installationen von fotovoltaischen Sonnenkollektoren für die verschiedenen Insellösungen sind durch schamlose Diebstähle gefährdet.
Beschwerden sind an den(die) Minister zu richten.
Bernd Hanke, Swakopmund

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