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Friday 27th of June 2003
Das UN Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) lud Diplomaten und Reporter letzten Freitag in das Osire Flüchtlingslager ein, der Weltflüchtlingstag sollten gefeiert werden. Es kamen knapp vier Diplomaten so kurz vor dem Wochenende, wer wollte schon gern in Wind und Staub sitzend, stundenlang Chöre, Tänze und Reden aushalten. Nicht alle der rund 21 000 Flüchtlinge kamen zu der Veranstaltung in dem abgezäunten Viereck, die Kinder krallten sich aussen am Maschendraht fest und nur die Ehrengäste und aktiven Teilnehmer, vornehmlich Kinder und Jugendliche durften hinein, das Kontingent an uniformierten Polizisten und denen in Zivil reichte für mindestens zwei Fußballmanschaften. Die Stimmung war heiter, trotz Wind und Sand. Nur die schon geplante Repatriierung der knapp 17 000 Angolaner in ihre Heimat Anfang nächsten Monats wurde kaum erwähnt, von heimatlicher Wiedersehensfreude nichts zu spüren. Halbwegs durchs Programm hielten etwa 30 Personen Plakate hoch und skandierten Slogans, die kein Mensch verstehen konnte, die Vorführung der Musiker übertönte das Grüppchen. Sofort eliten die anwesenden Reporter hin und fotografierten die improvisierten Plakate, ein Polizist in Zivil bat die Demonstranten einige Minuten später, sich zurückzuziehen, was diese taten, das offiziele Festrogramm lief dessen ungeachtet weiter. Am Eingang zu der Abzäunung trug die Gruppe ihr Anliegen den Reportern vor. Sie seien etwa 500 Kongolesen, viele davon schon 2 bis 5Jahre im Lager, trotz vieler Anträge und Briefe an die Lagerverwaltung, UNHCR und das namibsiche Innenministerium, Asylantenstatus zu erhalten, sei das nicht geschehen. Die Angolaner würden bevorzugt behandelt, meinte ihr Sprecher MacGoddins Lushimba und reichte Ausgaben ihrer monatlichen Lagerzeitung an die Reporter weiter, was den Polizisten, die ständig herumstanden, mißfiel. Telefonnummern wurden ausgetauscht. Das Festprogramm war inzwischen beendet. Den Kindern sollten Getränke ausgeteilt werden, eine Frau tat das vom Heck eines Toyota Kleinlasters. Urplötzlich brach eine Stampede aus, Dutzende Menschen stürmten den Wagen, die Polizisten gingen mit Schlagstöcken dazwischen, die Frau rettete sich unter das Verdeck, der Fahrer startete den Wagen durch und fuhr durch das Gemenge aus der Einzäunung des Festplatzes heraus, flankiert von dreinschlagenden Polizisten. Es war gerade etwas Ruhe eingekehrt als ein junger Referent der deutschen Botschaft Bonbons aus drei,vier Tüten an ein Dutzend Flüchtlingskinder verteilte, um ihnen eine ,,Freude zu bereiten", wie er auf Anfrage mitteilte. Im Kosovo oder in Frankfurt zum Beispiel an Straßenkinder würde er das ,,eher nicht" machen, meinte er auf eine kritische Frage. Die erstaunten Reporter fragten sich, ob jemals vorher in Namibia bei offiziellen Anlässen europäische Diplomaten Bonbons an schwarze Kinder verteilt hätten oder Präsident Nujoma in Deutschland während seiner Besuche Biltong oder ,,Quality Street" Bonbons an deutsche Kinder verteilt hatte. Die Antwort: ein klares Nein. Nachsatz: Die namibische Polizei durchsuchte die Hütten der Demonstranten, als alle Gäste weg waren, teilte einer von ihnen am Abend den Reportern telefonisch mit. Ihr Anführer, Herr Lushimba, verbrachte die Nacht lieber im Busch und wagte sich erst am nächsten Tag ins Lager zurück. |
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