Denk ich an Deutschland... ...der 8. Mai 1945 (Teil II)

Sunday 20th of May 2007
Bernd Kroemer
Am 8./9. Mai überschwemmten uns die Fernsehsender wieder mit Berichten von den verschiedenen Feiern „Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus“ , den Feiern in Moskau, den Feiern in Tallinn und den Feiern in Paris.
Dann taucht bei mir die Frage auf, wieso gab es nie einen „Tag der Befreiung von dem hegemonialsüchtigen Napoleon“? Auch er stürzte fast ganz Europa in fürchterliche Kriege. Die Antwort ist sehr schlüssig: vergebendes Vergessen! Viele europäische Friedensverträge forderten explizit das Vergessen, angefangen vom Vertrag zwischen Ludwig dem Deutschen und Karl von Frankreich  im Jahre 851, über den westfälischen Frieden, hin zum Wiener Kongress (wobei wir wieder bei Napoleon wären). Der Wiener Philosoph Rudolf Burger schreibt dazu: ...das Gerede von einer angeblich drohenden Wiederkehr des vermeintlich Verdrängten sei keine Kur mit reinigender Wirkung, sondern eine politische Erpressungsstrategie mit moralischen Mitteln. Und weiter: „warum allerdings eine wirksame Ermahnung nur von den Verbrechen der Nazis ausgehen soll und nicht auch von allen anderen Grossverbrechen der Geschichte, bleibt ein Rätsel. Das Rätsel ist schnell gelösst, Herr Burger, es heisst: „Methode“!
Burger weiter: „Dass die Erinnerung an das Böse vor dessen Wiederholung schützt, ist eine höchst fragwürdige These. Auf historische Erfahrung stützen kann sie sich nicht.“
Man lässt uns nicht vergessen, so werden wir über ein Jahr hin unter Anderem auch regelmässig an die Befreiungen der verschiedenen Konzentrationslager erinnert, da ist das deutsche TV (Teil des Leitkartells)  recht sorgsam und stellt genügend Sendezeit zur Verfügung. Wir werden einfach überflutet...steter Tropfen...das führt zu Verlusst an nationaler Identität, an Selbstwertgefühl und an Patriotismus. Eine Situation, 62 Jahre nach dem Krieg, einmalig auf der Welt.
Einmalig aber auch, dass die Zeit des Nationalsozialismus und des Krieges in einem Umfang und in einer Intensität aufgearbeitet worden ist, die in der Weltgeschichte einmalig ist.
Ein grosser Helfer bei dieser Thematisierung ist der TV-Historiker Guido Knopp. Er hat als erster angesprochen, dass es auch deutsches Leid gab, er hat als erster über die grausame Vertreibung mit Millionenopfern aus den Ostgebieten berichtet und er war der erste der über die Vergewaltigungsorgien der sowjetischen Armee berichtet hat. Aber auch er muss vorsichtig sein, muss sich an den Grundsatz halten, dass nur Deutsche schuldig sein können. Das Leitkartell schaut ihm genau auf die Finger und die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) schiebt ihn schon jetzt unverhohlen ins „rechte Spektrum“.
Es ist den Deutschen bei Starfe verboten, die nationalsozialistischen Untaten zu relativieren, zu entschuldigen oder aufzurechnen. Genau dies wird aber gezielt und ohne jede Bedenken getan, wenn es sich um Verbrechen an Deutschen handelt. Darüber nachzudenken muss gestattet sein!
Wie kann es sein, dass das Verbrechen an einer einzigen Opfergruppe, des nationalsozialistischen Genozids an den Juden, einen einzigartigen Stellenwert geniessen soll? Das bedeutet implizit die Herabsetzung aller anderen Opfern von Massengewaltverbrechen. Jedes der grossen Menschheitsverbrechen ist einzigartig, der Genozid der Türken an den Armeniern, die Abermillionen Opfer des Kommunismus in der Sowjetunion, in Osteuropa, in China und in Kambodscha, die Vertreibung und Ermordung der Ostdeutschen, die Toten von Dresden, Hamburg und Hiroshima, das Abschlachten der Tutsi...und, und, und!
Eine wirkliche Versöhnung setzt ein wechselseitiges Schuldbekenntnis und den allseitigen Willen zu Gerechtigkeit und Sühne voraus, sagte Hanno Graf von Kielmannsegg, dem kann ich mich am 8. Mai nur anschliessen.

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