Blick nach Simbabwe

Sunday 20th of May 2007
Hans Feddersen
Unserem Nachbarn Simbabwe  scheint es nicht ganz so gut zu gehen. Die Touristen (auch die Teilnehmer an der PLUS-Leserreise) bekommen das zwar nicht alles mit, aber man ist froh, wenn man sich die Vic-Falls von der sambischen Seite aus ansehen konnte. Auch dabei kann es kleinere Probleme geben, zum Beispiel, wenn die Fähre an der Grenze Kwacha-Preise für die Personen verlangt‘ und die Fahrzeuge für US-Dollar über den Fluß bringt. Wer weiß, in welche Tasche die Kwacha wandern - und wo die US-Dollar schließlich deponiert werden?
Nun aber zu Simbabwe. Dort wurden 12 Touristen und ihre Kinder von einem Gästehaus an den Victoria-Fällen verjagt, das einem der weni-gen verbliebenen weißen Farmer, David Joubert, gehört. Auch seine 30 Angestellten mußten gehen, von der Polizei gezwungen, weil: „Kein Weißer in diesem Bezirk farmen darf“. Joubert wird die Farm wohl spätestens Ende Juli verlassen müssen.
Dann die Inflationsrate: Selbst das Statistische Amt Simbabwes scheint zur Sprachlosigkeit erstarrt: Seit zwei Monaten liegen keine neuen Ziffern vor. Gewöhnlich wird die Infla-tionsrate am 10. Tag eines Monats bekannt gegeben. Seit zwei Monaten nicht mehr. Am 26. April (was bereits 16 Tage zu spät war) lag die Infla-tionsrate amtlich bei 2 200 Prozent. Bei 80 Prozent Arbeitslosigkeit.
Zwei bis drei Millionen Bürger Sim-babwes flohen nach Südafrika, darun-ter der MDC-Politiker Roy Bennett, dem ein angeblicher Putschversuch gegen Mugabe vorgeworfen wurde. Er hatte 2004 bereits 8 Monate im Gefängnis zubringen müssen, weil er im Parlament einen Abgeordneten „gestoßen“ hatte. Seine Farm ist natürlich längst enteignet worden.
Inzwischen lautet aus Südafrika, daß immer mehr Politiker mit der „stillen Diplomatie“ des Präsidenten Mbeki nicht mehr einverstanden sind. Der Frust wächst, weil sich nichts bewegt.  Nun verlangte der Geschäftsmann und einflußreiche Mandela-Vertraute Tokyo Sexwale (ANC), daß die Schrauben fester gedreht werden sol-len. Simbabwe beziehe viel Strom aus Südafrika, könne seine Rechnungen aber nicht mehr bezahlen. Sexwale weiß, daß auch andere Beobachter eine Krise noch vor den näch-sten Wahlen in Simbabwe erwarten. Leider gibt es aber auch viele afrikanische Staatschefs, für die Mugabe der ganz große Held ist, der sich den Reise- und anderen Sank-tionen der USA und EU widersetzt.
Immerhin hat Australien seine Kricket-Wettkämpfe gegen Simbab-we abgesagt und einen neutralen Austragungsort vorgeschlagen (was Simbabwe ganz stolz ablehnte).
Zwei Studenten der Uni von Sim-babwe wurden in der vergangenen Woche verprügelt und verhaftet. Sie brauchen dringende ärztliche Hilfe, aber die wird ebenso verweigert wie der Zugang zur Rechtsanwältin. Unterdessen sind die Verletzten schon seit mehr als 48 Stunden in Haft, was gegen Simbabwes Verfas-sung verstößt.
Und im Vorfeld der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen (die im März 2008 stattfinden sollen) gab das Jugend-Ministerium nun bekannt, daß das kontroverse Jugend-Ausbil-dungsprogramm verschärft und er-weitert werden soll. Die Jugendli-chen, genannt „die grünen Bomber“, werden vermutlich eingesetzt wer-den, um Wähler einzuschüchtern und politische Gegner  zu foltern. Vor diesem Hintergrund hat der Oppo-sitionsführer Tsvangirai bereits an Mbeki und den Vorsitzenden der AU Kommission appelliert, sich dafür einzusetzen, daß die zunehmenden Angriffe auf Oppositionelle beendet werden. Harare rechtfertigt die Jugendbrigaden mit dem Hinweis auf „städtischen / heimischen Terroris-mus“, gegen den die Polizei vor-gehen müsse. Die Jugendbrigade trage „positiv zur Gesellschaft bei“.
Soviel über unsere Nachbarn. Dies zum Afrika-Tag. Noch geht es uns richtig gut - in Namibia. Aber Vor-sicht: auch wir gehören nach Afrika.
Ein schönes Wochenende!

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