Deutsche Soldaten im Kongo

Friday 27th of June 2003
Hans Feddersen

Brauchen wir wieder Kolonien? Kolonien der Liebe? Deutsche Soldaten sollen im Kongo helfen!

Gut, vielleicht sollte man den Einsatz als „Hilfe zur Selbsthilfe" verstehen. In der Heimat ist ja schon alles, gibt es schon alles. Solaranlagen, Abwassersysteme, Kühlanlagen, Metallzäune - dies alles und noch mehr werden die Europäer nach Afrika bringen. Wie 1993, als deutsche Soldaten in Belet-Uen ein Lager aufbauten - und dann kamen die indischen Blauhelme gar nicht. Deutsche im Ausland - die bauen und schrauben, als ginge es um ihr Seelenheil. Technisch, handwerklich tut es den Deutschen gut, in exotischen Gegenden zu schaffen... Unsere Urgroßväter hatten diesen Drang nicht: Sie waren zu ängstlich, oder zu seekrank und segelten auch nicht gerne. Im Prinzip blieben sie daheim. Ach so, jaaa, nach Osten haben sie sich ein bißchen ausgebreitet. Und in Namibia waren sie auch schon... Ein paarmal haben sich die Einheimischen gewehrt (vor allem damals, als das Römische Reich kaputt getrampelt wurde), aber dann gaben sie es auf. - Um sich nach vielen Jahren - etwa in Namibia - mit Klagen gegen unsere Vorväter an amerikanische Gerichte zu wenden. Doch, Deutschland hatte auch mal Kolonien... Auch wenn heute nur noch die fünf neuen Länder davon übrig sind. Eigentlich sollte man die Misere dort erstmal in den Griff bekommen - bevor man über fernere Ziele wie den Kongo nachdenkt. Aber verständlich ist der Drang in die Ferne schon. Schließlich war das doch bei den Vandalen, Ostgoten, Westgoten oder Langobarden genauso! Auch die wollten einfach mal raus. Kulissenwechsel. So zogen sie los gen Süden, in die zivilisierten Gegenden. Mit der Zivilisation ist das heute im Kongo etwas anders, aber die bringen wir ja dann mit. Wie gesagt: Kühlanlagen mit Solarenergie.

Ich mache mir allerdings Sorgen: Die Langobarden und ihre Kollegen sind zum Teil nicht mehr zurück gekommen. Einfach im Süden geblieben. Wo sie den Einheimischen Kochen und Manieren beigebracht haben. Heute nennt man sie wie die Einheimischen: Spanier oder Italiener. Sollte das im Kongo ähnlich werden? Kommen die zurück?

Fast gleichzeitig richten 17 frühere Spitzenpolitiker in Europa ein Plädoyer: Sie appellieren an die Einheit Europas und fordern Einigkeit mit den USA. „Wir weigern uns zu glauben, der Atlantik werde breiter", schreiben Schmidt, Kohl, Douglas Hurd, Genscher und Co. Und dann wird klar, daß der Einsatz im Kongo einem anderen Ziel gilt: Er ist von der UNO beschlossen, nicht von Nato oder USA. Das macht einen Unterschied: Europa versucht, dem Rest der Welt eine neue Vision zu übermitteln. Allein: noch fehlt uns der Glaube, denn wenn Europa erstmal (demnächst?) einen Außenminister Joschka Fischer hat, der einst Gewalt gegen Unschuldige einsetzte, dann fragt man sich, was aus der Glaubwürdigkeit jener Staaten geworden ist, die uns einst (auch in Afrika) mores beibrachten...

Kongo, Deutschland, quo vadis?

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