Presse-Echo aus der Kolonialzeit

Thursday 28th of June 2007
Simon M Haag
Ab und zu kann man sich selbst in der heutigen - nicht nur namibischen - Bürokratie wundern, wie schnell Politiker in Ausnahmefällen zu reagieren in der Lage sind, wenn Exper-ten Druck auf sie ausüben. Ein historisches Beispiel für solchen, dem arglosen Beobachter fast überstürzt erschei-nenden Aktionismus fand der Bearbeiter dieser Rubrik in einer süddeutschen Provinzzeitung aus dem Jahr 1906. Aber vielleicht waren ja auch schon die in der Mehrheit preußisch korrekt denkenden, kaiserlich deutschen Reichstagsabgeord-neten insgeheim ein reiselustiges Völkchen, das aus Angst vor dem mittlerweile durchaus hochbrisanten „virus africanus“ es bisher vermieden hatte, sich in den Kolonien umzusehen. Jedenfalls meldet die Zeitung zum 17. März 1906 folgendes:
„In der neuesten Nummer der „Deutsch-Ostafrikanischen Zeitung“ werden deutsche Reichstagsabgeordnete aus den Kolonien gefordert, weil der kurze besuchsweise Aufenthalt einzelner Abgeordneter in den Kolonien nicht entfernt zur Gewinnung eines einigermaßen abgeschlossenen Urteils über die Bedürfnisse der Schutzgebiete genüge“.(LZ vom 17.03.1906)
Und fast auf den Tag genau einen Monat später konnte die Leserschaft sich - je nach Einstellung und Wohnort - über die mittlerweile publik gewordenen Reisepläne der Parlamen-tarier freuen oder auch erregen:
„Nach der „National-Zeitung“ sollen in diesem Jahr drei Studienreisen von Parlamentariern nach den Kolonien stattfinden. Zu einer Reise nach Kiautschou haben sich zehn Reichstagsabgeordnete gemeldet, nach Deutsch-Ostafrika 12, nach Deutsch-Südwestafrika 16 Abgeordnete. Im nächsten Jahr soll eine Reise bnach Neu-Guinea unternommen werden.“ (LZ vom 18.04.1906)

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