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Interview mit Namibias erfolgreichstem Trainer, Helmuth Scharnowski Thursday 26th of July 2007 Interview-Anfrage an Helmut Scharnowski, aus der deutschen Fußball-Online-Zeitung „Spielfeldrand“ durch Andre Gierke, Hamburg back Wie kam ihr Engagement in der Pädagogik und im Fußball in Namibia zu stande. Was motivierte sie. Jedes gute Projekt hat auch eine gute Geschichte. Ich habe neben meiner Fußball,Trainer – und Pädagogenprofession eine bereits 30 jährige selbständige Arbeit für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche hinter mir. Das Nutzen jugendspezifischer Medien (Sport, Musik, Design, Tanz usw.) ist die Basis der Kommunikation mit der Jugendlichen. Viele musische Projekte die ich kreierte führten mich auch 1992 nach Namibia wo wir im Rahmen eines Kulturaustauschprogramms mein Musik-theater-Stück, „Kalli – Querkopf“ oder Kinder singen Wilhelm Busch, darboten. Aus dieser Reise entstand die Idee des Individualjugendhilfeangebots „Buschschule Namibia“, welches 1994 in Namibia aktiviert wurde. Die globale Aufgabenstellung forderte ein Projekt für die namibische Jugend ein. So begann ich mich für den afrikanischen, namibischen Fußball zu interessieren und analysierte Stärken, Schwächen und Möglichkeiten. Was haben Sie vor ihrem Engagement vom Fußball in Namibia gewusst? Ich habe relativ wenig gewusst und tiefgreifend hatte ich mich noch nicht mit dem afrikanischen Fußball beschäftigt. Hatten Sie keine Bedenken dorthin zu gehen? Nein, Durch mein Jugendhilfeprojekt, war ich bei Land und Leuten eingebunden.Ich bekam viel Einblick in die gesellschaftlichen Strukturen und empfand Namibia als ein ideales Land meine Ideen zur globalen Jugendentwicklung und der gemeinsamen Bewältigung von Aufgaben, umzusetzen. Der FC Civics liegt in einem Problemviertel, wieso tut sich das ein Ausländer an? Natürlich hätte ich auch mein Wissen und meine Arbeit etablierten Clubs in Namibia zur Verfügung stellen können, der professionelle Reiz liegt jedoch in der Förderung von unterpriviligierten jungen Menschen mit all seinen vielfältigen Anforderungen. Da wirst du gefordert und kommst permanent an deine Grenzen. Das erweitert am Ende deinen eigenen Horizont und deine Belastungsfähigkeit. Darüberhinaus sprach mich die sportliche Herausforderung eines Basketball und Fußball spielenden Kiezviertels an. Ich wollte junge Talente sehen und unter welchen Bedingungen, sie ihre außergewöhnlichen Leistungen entwickeln. Das erlebst du nur im Leben pur. Ist Ihre tägliche Arbeit auf Grund der Armut gefährlich? Nein meine Arbeit ist nicht gefährlich, die Jugend hier erkennt, das ich ihnen etwas geben kann, was sie zum Leben brauchen. Problematisch ist der Alkohol und Drogenkonsum und die immer mitschwingende Gewalt. Daran gilt es doch durch die Fußballmission zu arbeiten, Alternativen mit den Youngsters aufzubauen und Hoffnung zu geben. Was schätzen Sie an dem Land und dem Fußball in Namibia? Der Namibier spielt einen schnellen Kurzpassfußball. Dadurch hat man viele Variations-und Kreativmöglichkeiten. Sie haben das Überraschungsmoment fast immer auf ihrer Seite. Die hohen technischen Voraussetzungen an diesen Fußball und die mannschaftliche Umsetzung der Möglichkeiten hat einen hohen Entertainmentcharakter. Was war der bisher schönste Moment in Namibia? Neben vielen schönen Momenten, die man nach drei hintereinander gewonnenen Meisterschaften hat, war 8:2 Erfolg mit der namibischen Nationalmannschaft gegen Benin 2000, der Cupgewinn mit den Civics 2003, die Meisterschaft 2005 und der grandiose fußballersische Erfolg in der Championsleague gegen den angolanischen Meister „Sagrada Esperanca“ im Weltmeisterschaftsjahr 2006 mit 4:0 in Windhoek, emotional eindrucksvoll.. Da wurde der Clubfußball von Namibia in Afrika anerkannt. Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem aktuellen Verein? Persönlich will ich den Verein auf eine solide finanzielle Basis stellen, engagierte Nachfolger für mich besorgen und an die sportlichen Erfolge anknüpfen. Für die namibische Jugend ist Civics eine Erfolgsstory. Sie sagt ihnen, daß vieles möglich ist, dass man an sich glauben muss und dass nur durch Anstrengung, Bildung und Durchhalten Ziele realisiert werden können. Das wollte ich erreichen und das ist mir gelungen. Fußball als gesellschaftliche Ausdrucksmöglichkeit im Positiven wird gelebt und bekommt einen erzieherischen Stellenwert. Wer ist der beste Spieler in Ihrer Mannschaft und wer das größte Talent? In Civics sind mit die grössten Talente Namibias eingebunden. Ich habe junge sehr talentierte Spieler, die alle Voraussetzungen einer internationalen Karriere mitbringen. Ich denke hier an Brian Gurirab 22, Jamujavanta 23, Franklin April 23, Rudi Low 22 und andere mehr. Das sind ausgesuchte Ausnahmetalente. International hat sich Colin Benjamim beim HSV durchgesetzt. Seine Möglichkeiten optimal zu nutzen weiss Heinrich Isaaks, der in Dänemark professionell spielt. Er war letztes Jahr in Namibia Spieler und Torschütze des Jahres in Personalunion und spielte eine grossartige Saison. Von seinem Verein wird er als junger „E to“ eingeschätzt. Leider hat ihn ein Kreuzbandriss erstmal vom Fußballfeld verbannt. Von ihm werden wir allerdings noch viel hören, das meint auch der Verantwortliche bei Soenderjyske, Claus Rasmussen. Könnten diese Spieler auch in Deutschland mithalten? Sicher, sie brauchen eine Eingewöhnungsphase und die richtige Trainerhand, dann kannst du sicher sein, Ausnahmespieler verpflichtet zu haben. Einschränkend ist der Umstand, das der Afrikaner sehr heimat- und familiengebunden ist. Hier geht es nicht nur um die spielerischen Komponenten sondern auch um familiäre oder gesellschaftliche Einbindungen, wenn man Höchstleistungen erreichen will. Viele Vereine sind auf solche Anforderungen nicht vorbereitet und wundern sich dann über schlechte Leistungen. Welchen Spieler würden Sie gern verpflichten? Ich verpflichte grundsätzlich junge Spieler die noch formbar sind. Ich habe eine spezielle Fußballphilosophie und den natürlichen Stil der jungen namibischen Fußballer zu kultivieren, davon profitiert jetzt auch die Nationalmannschaft. So werde ich auch weiter arbeiten. Wenn mein Striker W.Chilufiya uns Richtung Angola oder Europa verlässt, dann würde ich mich schon für Rudolf Bester von Arrows in Walfisbay, interessieren. Können Sie sich ein Engagement in einem anderen Land vorstellen und gibt es schon Anfragen? Ich kann mir das nach dem Erfüllen meiner Mission vielleicht noch mal vorstellen. Muss allerdings in die Wagschale werfen, das ich schon 58 Jahre bin und meine Zeit somit auch an Grenzen gebunden ist. Einen Club erfolgreich aufzubauen nimmt einen Zeitraum von mindestens 5 Jahren in Anspruch, das darf man dabei nicht aus dem Auge verlieren. Sie haben in Windhoek eine Fussballschule gegründet, wie kam es zu der Idee? Haben Sie noch weitere Pläne, um die Jugend/der Fußball in Namibia zu fördern? Die Jugendförderung war meine ursprüngliche Herausforderung, unsere Ligamannschaft ist ja nur das Werbe- und Ausstellungsstücke. Die eigentliche Arbeit soll ja mit den namibischen Kindern und Jugendlichen passieren. Diese Herausforderung, eine Fußballschule zu gründen, liegt in der Natur der Sache. Hier kann es nicht nur um Fußball gehen, hier muss Bildung und Ausbildung über das Medium Fußball mitvermittelt werden. Wie sie wissen, gibt immer noch ein Leben nach dem Fußball. Was für ein Trainertyp sind Sie –Kumpel oder harter Schleifer? Für den Afrikaner, bin ich eine Vaterfigur, das beschreibt es am besten. Der fordert und fördert. Das richtige Mass an Übung und Vermittlung von Einsicht unter der Berücksichtigung der vorhandenen Talente ist gefragt. Mein Stil ist klar leitend und bestimmend. Ich halte weder vom Kumpel noch vom Schleifer etwas. Die konstruktive Mitte machts. Ich lege sehr viel Wert auf Reflektion der Spiele durch die Teilnehmer und benutze moderne Technik dazu. Wie sieht die perfekte Taktik aus? Die nahezu perfekte Taktik ist immer von der Zusammensetzung deines Teams abhängig, es kann sie dementsprechend nicht generell geben. Du musst dir über deine Mischungsverhältnisse im Team im Klaren sein, deinen Gegner gut kennen und seine Schwächen nutzen. Je anpassungsfähiger und flexibler du dein Team trainiert hast, umso variantenreicher kann taktisch agiert werden. Ich bevorzuge 2 flexible Lockspieler, eine Viererkette, 2 flexible Winger und 2 Striker. Meine Angriffsformation ist normalerweise ein 4.3.3. Welcher ehemalige Trainer hat sie am meisten geprägt? Ich war und bin immer ein Fan von Hennes Weisweiler und seiner Philosophie über den Angriffsfußball mit Gladbach. In den letzten Jahren hat mich auch der CZ-Fußball mit seinen schnellen Kurzpasspassagen beeindruckt. Verfolgen Sie noch den deutschen Fußball und wie machen Sie das? Wir haben sehr gute Satellitenverbindungen, wir sind immer bestens informiert. Allerdings interessieren sich meine Jungs mehr für den englischen Fußball Welche persönlichen Ziele haben Sie noch? In erster Linie, nach Stabilisierung des Clubs, die Förderung und Entwicklung meiner beiden minderjährigen Kinder Jan 12 und Helena 11 Jahre. sicher zu stellen. Sie verloren Ihre Mutter Dr.med. Pillmannova 2005 auf tragische Art und Weise. Sie war Mitbegründerin der Neu-Civics und Teamärztin der Fußball und Rugbynationalmannschaft in vergangenen Jahren. Was wollen Sie noch unbedingt loswerden? Das Thema Afrika und die Entwicklung eines ungeliebten Paradises ist in aller Munde. Die Vernachlässigung dieses Kontinents mit den unerschöpflichen Ressourcen kann sich global destabilisierend für die gesamte Welt auswirken. Besonders die Jugend Afrikas, die durch Internet und Medienzugang bestens informiert ist wird sich nicht mehr länger an den sozialen Rand drängen lassen. Es kann zu starken Unruhen und zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen, die die Industrienationen viel Geld kosten werden. Es gilt der Jugend kreative Entwicklungsmöglichkeiten und persönliche Chancen auf jedem Gebiet, glaubhaft zu vermittlen und zu ermöglichen. Das geht nur im gemeinsamen konstruktivem Planen und Handeln. Die Akzeptanz und Gleichstellung des afrikanischen Fußballs ist, ob man will oder nicht, politisch sehr bedeutsam. Wenn sinnvolle Entwicklungsziele vernachlässigt werden, öffnen wir terroristischen Gruppen Tür und Tor nach dem afrikanischen Motto Wer zuerst kommt, mahlt zu erst. |
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