Die Fetzen fliegen

Friday 17th of August 2007
Hans Feddersen
Fliegen jetzt die Fetzen?
Geht der Menschen-rechtler in seinem Eifer nun doch zu weit? Setzt er die Zukunft seiner Organisation aufs Spiel?
Ist die Politik der nationalen Versöhnung nur auf dem Prüfstand oder schon gescheitert?
Phil ya Nangoloh fordert ein Gesetz zur Versöhnung. Will er auf ein Manko aufmerksam machen?
Bevor wir uns Nangoloh zuwenden, kurz ein paar Worte zur Rede des Präsidenten im Fernsehen (vom Rundfunk übertragen), die der Verteidigung Nujomas dienen sollte. „Wir werden ihn mit allen verfas-sungsrechtlichen Mitteln verteidi-gen“. Schließlich sei der Befreiungs-kampf von der internationalen Gemeinschaft unterstützt worden.
Im Grunde wiederholte Präsident Pohamba die üblichen Tabus, wonach man Führungspersönlichkeiten nicht beleidigen oder lächerlich machen darf. Also: möglichst nicht kritisie-ren! Das war so nicht zu erwarten!
Schade nur, daß Pohamba selbst  wenig staatsmännisch nur verurteilte, was Nangoloh oder die NGfM tut.
Hoffentlich ist der Nationalrat in seiner Debatte etwas objektiver. Denn die Leiden der Angehörigen von „Swapo-Opfern“ wurden nicht beur-teilt. Diesen Menschen gegenüber streute auch Pohamba nur Salz in die Wunden...
Kein Wort darüber, daß Nujoma selbst nicht immer gerade ausge-sprochen  „Versöhnliches“ formu-lierte, wenn er gegen u.a. „Imperia-listen“ zu Felde zog.
Die Menschenrechtsorganisation hat doch wohl das Recht, so vorzugehen, wie sie es zur Zeit tut. Schließlich wußten wir schon lange, daß die nationale Versöhnung keineswegs auf endgültigen oder naturgesetzlichen Wahrheiten beruht, sondern tiefe Wunden höchst notdürftig bedeckt.
Wenn nun Nangoloh ein Gesetz for-dert, so übernimmt er eine Aufgabe, zu der die Opposition derzeit nicht fähig ist. Und wie reagiert Swapo? Mit Unterstützung des „Gründer-vaters“, dessen Immunität an-scheinend nicht ausreicht. Und der nicht von seiner Verteidigung spricht - sondern überhaupt nicht reagiert. Nujoma läßt andere ans Wort.
Und nun Nangoloh gegen Jannie de Wet. Das ist weder neu noch überra-schend. Im Grunde ist Nangoloh sauer, daß De Wet den „Gründervater“ verteidigt - und dabei „wie ein Apartheidsapostel auch noch von Terroristen spricht“.
Der ehemalige Kommissar und Top-Politiker dürfte sich solche Klagen schon oft angehört haben. Immerhin trank er seinerzeit „eine Tasse Kaffee mit Nujoma“, als es kurz nach der Unabhängigkeit politisch brodelte (sprich: Unsicherheit und sogar Angst um sich griffen). Da klang „natio-nale Versöhnung“ gut. Aber hätte man nicht wie Südafrika eine Wahrheitskommission gebraucht? Vorsicht! Da wären allzu viele Skelette aus den Kleiderschränken gefallen! Auf allen Seiten!
Hier muß der Ruf nach Sachlichkeit und Objektivität laut werden. Man kann nicht über das Schicksal der Angehörigen von Opfern beider Sei-ten hinwegsehen, indem man die Geschichte ignoriert. Man kann die Geschichte auch nicht „nach eigener Version umschreiben“.
Allerdings reicht Nangolohs Be-schwerde über Jannie de Wet kaum zu einer fundierten Klage, wenn er seine Erklärung unter das (de Wet?)-Motto stellt: „Ich war ein süd-afrikanischer Bürger und habe die Politik der südafrikanischen Regie-rung ausgeführt“. Das reicht be-stimmt nicht! Das würde Millionen Menschen betreffen, die sich keiner Vergehen schuldig machten.
Sachlichkeit kann z.B. auf dem Wege über die Gerichte angestrebt werden. Wie denn sonst?
Von einer Nationalversammlung, die überwiegend aus Mitgliedern einer Partei besteht, die dem Angeklagten hörig ist, ist wenig Objektivität zu erwarten.
Schließlich geht es auch diesen Abgeordneten zuletzt darum, sich, sagen wir mal: „für alle Fälle das täglich Brot zu sichern“.

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