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Lernen, fuehlen und verstehen – ganzheitliches Lernen in der Waldorfschule Friday 17th of August 2007 Die Waldorfschule Windhoek besteht nunmehr seit Januar 2000. Gegründet wurde die erste Waldorfschule in Namibia von einer Gruppe Eltern, die neue Wege in der schulischen Er-ziehung ihrer Kinder gehen wollten. Christiane Ahlstendorf gehört zu den Gründungsmitgliedern und hat sich freundlicherweise unseren Fragen gestellt. back PLUS: Was ist die Philosophie der Waldorfpädagogik? Wer ist der Gründer? CA: Die Erziehung entsprechend der Menschenkunde Rudolf Steiners. Demnach lernt das Kind entsprechend der unterschiedlichen Phasen seiner Entwicklung. PLUS: Für welche Kinder ist die Waldorfschule geeignet bzw. nicht geeignet? CA: Eigentlich für alle Kinder. Wichtig ist, dass die Eltern eine ganzheitliche Erziehung für ihr Kind suchen. PLUS: Gibt es in der Waldorfschule einen Lehrplan und ist dieser weltweit an allen Waldorfschulen gleich? CA: Grundsätzlich ja, da die Lerninhalte mit der Einsicht in die kindlichen Entwicklungsphasen im Zusammenhang steht. Allerdings wird der Lehrplan den jeweiligen kultu-rellen Gegebenheiten eines Landes angepasst. PLUS: Entspricht der Lehrplan den Anforderungen der namibischen Lehrpläne? CA: Ja, unbedingt. Es ist uns wichtig, dass die Kinder alle hiesigen Lerninhalte vermittelt bekommen. Durch den Epochenunterricht werden die Inhalte anders portioniert. PLUS: Kann man sagen, dass das Konzept der Waldorfschule sich am jeweiligen Entwicklungsstand eines Kindes orientiert? CA: Ja. Zur Verstärkung der Lernmotivation hat der Lernstoff einen konkreten Bezug zu der individuellen Entwicklungssituation der Kinder. PLUS: Wird die Kreativitaet der Kinder besonders gefördert? CA: Ja. Das Lernen mit Kopf, Herz und Hand erfordert neben der intel-lektuellen auch die künstlerische und handwerkliche Anleitung. PLUS: Gibt es Zeugnisse und benotete Leistungen? CA: Erst in den letzten Schuljahren, wenn es auf die Abschlüsse zugeht, gibt es Zeugnisse. Davor werden die Leistungen charakterisierend be-schrieben. PLUS: Werden Examen geschrieben? CA: Auch bei uns schreiben die Kinder Klassenarbeiten damit wir eine realistische Einschätzung der jeweiligen Leistung vornehmen können. In den unteren Klassen werden keine Examina geschrieben, da wir ein angstfreies Lernen anstreben.. PLUS: Wie und wonach werden werden die Leistungen der Schüler beurteilt? CA: Jeder Schüler muss Leistung entsprechend seinen eigenen Fähigkeiten bringen. Bei einem begabten Schüler werden höhere Leistungen erwartet als bei einem schwächeren Schueler. PLUS: Haben die Lehrer eine spezielle Ausbildung? CA: Ja. Die Waldorflehrerausbildung ist weltweit gleich und anerkannt. Unsere Lehrer sind in Deutschland bzw. Capetown ausgebildet. PLUS: Welche besondere Bedeutung hat das Fach Eurythmie? CA:Die Eurythmie ist eine Bewe-gungskunst, die mit Sprache und Musik arbeitet. Die Kinder erleben zweckfreie, beseelte Bewegung und ein freies Umgehen mit Gestalt und Raum. Dies fördert die Intelligenz und das Selbstbewusstsein in besonderer Art und Weise. (Wortbedeutung: Das Wort Euryth-mie stammt aus dem Griechischen. Eu kann mit gut, schön, wahr, richtig übersetzt werden, rhythmos mit gegliederte Stetigkeit. So bedeutet Eurythmie: schöner oder wahrer Rhythmus.) PLUS: Wie hoch sind die Schul-gebühren und gibt es Stipendien? CA: Die Schulgebühren belaufen sich auf N$ 1.700.- pro Monat. Es gibt aber auch Stipendien bzw. Freiplätze, die durch Spenden finanziert werden. Die Eltern beschliessen die Höhe ihrer Zahlungen in Absprache mit dem Geschäftsführer. PLUS: Welche Rolle spielen Dis-ziplin und Strafen in der Wal-dorfpaedagogik? CA: Auch an unserer Schule gibt es Regeln an die sich alle halten müssen. Wer sich nicht an die Regeln hält muss mit Konsequenzen rechnen bzw. eine Wiedergutmachungsleistung er-bringen. PLUS: Wie wird mit Konflikten umgegangen? CA: Menschlich. Bei schwierigen Konflikten wird Hilfe von Aussen hinzugezogen. Es wird versucht wahrhaftig und ehrlich mit Problemen umzugehen. PLUS: Wieviele Plätze gibt es im Schülerheim? CA: Im Augenblick haben wir 22 Plätze. Ein Ausbau ist bereits geplant. PLUS: Welche Rolle spielt die Ernährung eines Kindes in der Waldorfpädagogik? CA: Die Eltern werden angeregt den Kindern eine balancierte Ernährung zu geben, weil diese die gesunde Entwicklung eines Kindes fördert. PLUS: Mit welchen Vorurteilen hat die Waldorfschule in Namibia zu kämpfen? CA: Obwohl sich die Waldorfschulen weltweit profiliert und etabliert haben besteht immer noch das Vorurteil, dass die Lernleistung zu gering und die Waldorfschule eine „Hilfsschule“ sei. Dort werde nur geflötet und gebastelt und die Waldorfschule sei eine „Weltanschauungsschule“ und die Kinder wuerden wirklichkeitsfremd erzogen. Ausserdem hält sich das Vorurteil hartnäckig, dass die Waldorfschule ein Auffangbecken für gescheiterte Schulexistenzen ist. PLUS: Wie begegnen Sie diesen Vorurteilen? CA: Wir sind offen für jede Form von Kritik und bitten Menschen, die sich ihr eigenes Bild von der Waldorfschule machen wollen uns in Avis jederzeit zu besuchen. PLUS: Vielen Dank für das Interview. |
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