Die Kultur der Angst

Friday 7th of September 2007
Hans Feddersen
Ein Wort zu Dr Joseph Diescho. Auch er sollte etwas vorsichtiger sein. Eben weil er selbst fest-gestellt hat, daß Nami-bia ein Angst-Regime hat.
Angst - das ist immer (und in jeder Lebens-lage!) ein denkbar  falscher Ratgeber! Was tut man nicht alles aus Angst...!
Und wenn unsere Regierung ein „Angst-Regime“ ist??!
Genau! - ... Intolerant. Humorlos.
Dr Diescho hat eine Schrift von 20 Seiten veröffentlicht. Titel: „Cry, do not laugh, the beloved land of the brave“. Und darin analysiert er messerscharf die Angst vor Nujoma.
Bereits an dieser Stelle möchte man fragen: Interessiert uns das? Was hat die Angst vor Nujoma mit den Interes-sen der ganzen Nation zu tun? Und: Was ist wichtiger - die Person Nujo-ma oder das Landesinteresse, das zuletzt mit Hilfe von „nationaler Versöhnung“ im Gegensatz zu „natio-naler Sicherheit“ arg strapaziert wurde. Aus rein persönlichen Interessen? Nein, da steckt doch bestimmt viel mehr dahinter.
Diescho hat sich schon mehrfach Feinde gemacht, weil er auf demo-kratische Wahrheiten und Werte hin-wies. Die der Clan um Nujoma, der übrigens in seiner Existenz vom Landesvater abhängig ist - nicht akzeptieren will oder kann.
Er vergleicht die Reaktion der „mächtigen Swapo“ auf die Einzelperson Phil ya Nangoloh mit der komischen Situation, wo sich sämtliche Mitglieder einer Familie mit Schrotflinten bewaffnet, um eine Maus aus dem Haus zu jagen.
Hierzulande werde die Demokratie derzeit ernsthaft geprüft. Der Präsident habe dabei bereits seine Macht mißbraucht, indem er Nujoma-Kritiker aufforderte, das Land zu verlassen. Sollte man diesen Faux-Pas ernst nehmen, dann bleibt von namibischer Vielfalt und demokra-tischem Pluralismus nicht viel übrig.
Diescho spinnt den Faden weiter und kommt zu dem Schluß, daß Pohamba „ferngelenkt“ sein könnte. Das Land werde vermutlich „aus anderen Quartieren“ irregeführt.
Der Präsident betrachte Nujoma wohl als iden-tisch mit Namibia (als Gründervater und „sein Baby“ - identisch?) und so perfekt, daß er unfehlbar und jenseits jeder Ktritik stehe.
Schon hier - und ganz nebenbei: Das sind gefährliche Töne - aus der Geschichte hinlänglich bekannt.
Recht hat Diescho aber zumindest in dem Punkt, daß Nujomas Apolo-geten von Emotionen gelenkt wer-den, und die Vergangenheit verklä-ren. So nämlich entstehen Mythen und Legenden.
Denn mit der Vergangenheit ver-meintlicher Spione und folglicher Folter in den berüchtigten Löchern von Lubango sind weder Nujoma noch Swapo noch die Regierung bisher fertig geworden. Das Thema wird immer wieder aufflackern, solange es Angehörige gibt, deren Vorwürfe und Fragen an der „Mauer des Schweigens“ zerschellen.
Diescho schreibt von einem „Min-derwertigkeitskomplex derjenigen, die sich für Machthaber halten“.
Der Angstfaktor?
Nujoma hat Gegner dämonisiert. Und das Volk von Namibia hat Angst vor Nujoma. So auch Swapo und die Regierung (Regierenden). Diescho: „Namibia hat Angst vor Nujoma“.
Natürlich sollte man irgendwann mal daran erinnern, daß unsere Natio-nalhymne vom „Land of the Brave“ spricht... Wo sind sie?
Klar, wer im Befreiungskampf eige-ne Interessen verfolgte und damit eine Kultur des „Kampfes gegen etwas oder jemanden“ entwickelte, dem fällt es schwer, an hehre Ziele der Demokratie zu glauben: etwa Toleranz, Vielfalt im Denken und Vergeben (!), Gegner in friedlichem Wettbewerb der fundierten Argu-mente zu überzeugen und andere Meinungen zu akzeptieren.
In diesem Sinne schließt sich der Kreis: Unsere Demokratie steht auf dem Prüfstand. Dank einiger weni-ger Kritiker. Es könnte sein, daß wir im Scheinwerferlicht der ganzen Welt  demokratisch abschneiden. Es kann aber auch sein, daß die Demokratie am Widerstand der Eigeninteressen verhungert...

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