Gedanken zum 3. Oktober

Saturday 6th of October 2007
Hans Feddersen
Der Tag der deutschen Einheit hat riesengroße Bedeutung für Namibia! Und das nicht nur, weil der Einfluß der Deutsch-sprachigen hierzulande weit größer als „nur ein importierter Simmen-taler-Bulle“ ist. Aller-dings fragen sich deutschstämmige Nami-bier immer wieder, was überhaupt typisch deutsch ist. Und was für Werte sie vertreten wollen, dürfen - vielleicht können und oft auch sollen. Ist ihr Beitrag etwa nur will-kommen, solange er sich auf Touris-mus und Finanzhilfe beschränkt, aber weniger gut, wenn Deutschsprachige sich „abschotten“, kulkturell nicht assimilieren und ein „arrogantes Inseldasein“ führen?
Versuchen wir, Antworten auf diese Fragen zu geben..Ohne Hurra-Patriotismus und ohne Deutsch-tümelei..
Ganz wichtig war der Mauerfall für Namibia. Noch heute wird leider oft unterschätzt, daß durch den folgenden Zusammenbruch des „real existieren-den“ Sozialismus in der Sowjetunion (ebenso wie durch den Rückzug der Kubaner aus Angola) erst eine Veran-kerung der Menschenrechte in Nami-bias vielgerühmter Verfassung mög-lich war.
Schon diese Tatsache verbindet uns in Dankbarkeit mit dem ehemaligen Kolonialherren.
Was aber ist „typisch deutsch“? Die-se Antwort ist vielfältig. Im Fußball werden oft die „deutschen Tugenden“ beschworen... und keiner sagt, was da-mit gemeint ist. Darf man nach dem verlorenen Krieg und angesichts der Umerziehung und Vergangen-heitsbewältigung mit all ihren Tabu-themen eigentlich noch von „deut-schen Tugenden“ sprechen? Und wann ist es erlaubt, auf Deutschland „stolz“ zu sein, bevor man in die fieseste braune Ecke gestellt und als Rechtsextremer abgestempelt wird? Oder bestenfalls als „Spinner“ links liegen gelassen wird.
Was also ist typisch deutsch? Bier-Saufen, Gartenzwerge, Stammtisch wohl nicht (das bayerische Oktober-fest mit Haxn und Sauerkraut wird zunehmend von Touristen frequen-tiert).  Karne-val, den die Namibier in klassischer Form übernommen und „namibisch angepaßt“ haben mag da schon eine größere Rolle spielen.
Politische Tugenden gibt es kaum. Das Wirtschaftswunder war weniger die Leistung der Politik allein als vielmehr dem Einsatz aller Bürger zu verdanken!
Und heutige Probleme wie Integration, Begeg-nung  usw. werden ver-mutlich - wie alle Politik - nur kurzfristig inter-essant sein.
Bleiben also die zeitlosen   kulturellen Errungen-schaften, die tatsächlich von allen anerkannt werden: Die Kirchen-geschichte ist ohne Luther kaum auszudenken. Kulturgeschichte, Lite-ratur, Musik und Malerei, Dichten und Denken darf man hervorheben ohne arrogant zu klingen.
In Namibia entwickeln sich beson-dere Themen: Da wird ein Eiertanz zwischen „weißen Herren“ einerseits und Kolonialapologeten andererseits ausgeführt. Da ist man leicht „Erfül-lungshilfe“, wenn es um die Meinung und das „neue Deutschlandbild“ (etwa der Botschaft) geht - und andererseits sind  Deutschstämmige stolz darauf, daß gerade in Namibia der Einfluß ihrer Kultur und Menta-lität unverändert groß ist. Man hat ein bestimmtes Bild von „typisch deutsch“ und von der „Heimat“ wie sie früher (zur Zeit der Auswan-derung) mal gewesen sein mag. Mit der heutigen Bundesrepublik verbin-det man fast nur noch Bundesliga, Karneval, Deukom und Oktoberfest. Mit Problemen wie Integration, Hartz IV, Soli-Beitrag, komplizier-tem Steuersystem und Umerziehung oder europäischer Gegenwartsbe-wältigung lasse man Namibias Deutschsprachige am besten in Ruhe!
Das heißt aber auch, daß manchmal Differenzen mit z.B. der Botschaft vorprogrammiert sind. Denn es gibt klare Unterschiede im Denken. Wen kann es da wundern, wenn Namibier keineswegs immer nur Erfüllungsge-hilfen im Auftrag der deutschen Bot-schaft sind.
Ein Thema, das durchaus diskutiert werden müßte: Inwiefern werden Gremien der Deutschsprachigen zu Kontroll- oder Gleichschaltungs-organen, die dann dazu dienen, kritische Stimmen zu verurteilen?  Wie gesagt: Oft genug werden Teile der namibischen Deutschstämmigen leichtsinnig denunziert - wenn nicht als Kolonialapologeten, dann doch als finster braun. - Auch das haben die 18 Jahre seit  dem so wichtigen Fall der Mauer eben auch gezeigt...

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