Kommentar aus Deutschland

Wednesday 9th of July 2008
Simon M. Haag
Samstags ist in Süddeutschland „Haustag“. An diesem Tag bastelt der Hausbesitzer an seinem „Häusle“ zwecks Steigerung des Wohn- und/oder Hauswerts, oder er führt Reparaturen durch, die sich im Laufe der Woche als dringlich erwiesen haben. Im Schwäbischen steht der Samstag im Zeichen der kleinen oder gar der großen „Kehrwoche“, d.h. an diesem Tag werden - teilweise von argwöhnischen Nachbarn oder Mitbewohnern überwacht - der Geh- oder Bürgersteig sowie der zum - in Eigentumswohnungen unterteilten Mehrfamilien-Haus gehörige Hof und der Hausflur gefegt und letzterer mit viel mehr oder weniger wohlriechenden Putzmitteln nass aufgewischt, damit das ganze Anwesen und seine zumindest optisch dazugehörige nähere Umgebung am Sonntag blitzblank und vor allem sauber sind, und montags die neue Woche in ordentlichen Verhältnissen begonnen werden kann. Von diesen Ritualen kann sich im Schwäbischen kaum einer ausschließen, da der Gruppenzwang recht hoch ist. Auch der Verfasser dieser Zeilen hat pflicht-schuldigst samstags den seit Wochen wuchernden Grasbewuchs oder vielleicht besser die wild wachsende Wiese hinter dem Haus auf schwä-bisches Normalmaß zurückgestutzt, um einer Ermahnung durch die städtische Verwaltung zuvorzukommen. Wenn nun der Verfasser an die jüngsten Ereignisse in Simbabwe denkt und an die Haltung des südafrikanischen Präsiden-ten Thao Mbeki dazu, drängt sich ihm unwillkürlich der starke Eindruck auf, auch dem südlichen Afrika würde ein süddeutscher Haustag gut tun, oder noch besser eine schwäbische Kehrwoche!

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