Nujoma will kein Afrikaans

Friday 18th of July 2003
Hans Feddersen

Der namibische Präsident hat in der Vergangenheit mehrfach Gedanken geäußert, über die man nur noch den Kopf schütteln konnte. Und wenn dann die Einsicht kam, daß solche Äußerungen fast ans Lächerliche grenzten (falls sie nicht ernst gemeint waren), dann machte er einen Rückzieher. Nicht persönlich, aber er schickte seine Botschafter (etwa in Deutschland) aus, um Aussagen ins „rechte Licht" zu rücken. Nun sprach er sich gegen Afrikaans aus. - Grundsätzlich werden Deutschsprachige in Namibia nicht gern die Rolle des Vorreiters für diese moderne Sprache übernehmen, die aus dem Kap-Holländischen entstand. Allzu sehr steckt in unserer Erinnerung die Zeit, als man an Schulen Afrikaans auf Kosten der eigenen, deutschen Sprache lernen mußte. Jedem guten namibischen Demokraten stellt sich jedoch die Frage, warum die regierende Partei einerseits Versöhnung predigt, aber andererseits offenbar die verschanzten Rechte des Kapitels 3 in unserer Verfassung „vergißt". Dort wird ausdrücklich das Recht auf Sprache (Muttersprache) garantiert. Der Präsident also wieder einmal auf Kriegszug gegen die Verfassung? Es mag ihn ärgern, daß sich Englisch als Sprache der politischen Elite nicht durchgesetzt hat. Keine 60 Kilometer außerhalb der Landeshauptstadt wechselt „das einfache Fußvolk" noch 13 Jahre nach der Unabhängigkeit am liebsten auf Afrikaans über. Das ist die Lingua Franca geblieben. Trotz zahlreicher Regierungserklärungen, Erziehungsplänen und Sprachregelungen. Und auch die Aussagen Nujomas in Tsumkwe (vor San) , der von Sprachen Abschied nehmen wollte, „die keinen Nutzen haben", sind eher ein jämmerlkiches Zeugnis von mangelndem Verständnis für Minderheitenrechte. Dem fügt das Staatsoberhaupt sofort noch einen Hammer hinzu: „Weiße, die ihre Kinder nicht in Schulen mit schwarzen Kndern schicken wollen, sollen ihre Sachen packen und gehen". Heißt das, daß sich eine Bevölkerungsgruppe etwa nicht auf unsere Verfassung berufen darf? Oder weiß unser Präsident nicht, was in dieser Verfassung steht? Und bekommt die einheimische Jugend wirklich einen besseren Bezug zu ihrer Kultur, indem sie nur einheimische Sprachen lernt (als solche gilt Afrikaans nicht)? Ein merkwürdiges Demokratieverständnis! Aus welchen Gründen auch immer. - Heute Afrikaans, morgen Deutsch?

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