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Zur Verschiebung des Reiterdenkmals in Windhoek Wednesday 16th of July 2008 Zur Verschiebung des Reiterdenkmals in WindhoekDenkschrift von Dr. Andreas Vogt Windhoek/Namibia Zur Verschiebung des Reiterdenkmals in Windhoek
Inhalt Problemstellung: 1 1. Historisches Denkmal 1 2. Kunst- und kulturhistorische Einzigartigkeit 2 3. Das Reiterdenkmal als skulpturales Kunstwerk 2 4. Das Reiterdenkmal als besonderes historisches Denkmal 2 5. Erhaltung des Reiterdenkmals im allgemeinen öffentlichen Interesse 3 6. Das Reiterdenkmal als Krieger- und Soldatendenkmal 3 7. Die Pflicht des Staates, Soldatendenkmäler zu schützen und zu erhalten 4 8. Die Verschiebung des Reiterdenkmals nachteilig für Regierung und Denkmalsrat 5 9. Ethik 5 10. Die Rolle der Kirchen: Das Reiterdenkmal als sakrales Monument 5 11. Die Rolle der Kulturorganisationen: Das Reiterdenkmal als kulturelles und historisches Monument 6 12. Das Reiterdenkmal als lebendiges Denkmal 8 (a) Kulthandlungen 8 (b) Relevanz innerhalb des namibischen Kontextes 9 (c) Tourismus 9 (d) Kontroverse Bedeutung 9 (e) Neue Symbole autokratischer Herrschaft 10 13. Das Reiterdenkmal als proklamiertes Nationales Denkmal 12 14. Denkmalpflege, Stadtplanung 12 15. Praktische Probleme 14 16. Was, wenn der neue Standort sich als ungeeignet erweist? 14 17. Anwendung denkmalpflegerischer Grundprinzipien 15 18. Internationale Organisationen 16 19. Ungenügende Verwaltung denkmalpflegerischer Anliegen in Namibia 16 20. Das Interesse zukünftiger Generationen 17 Schlußfolgerung 18 Anhang: Porträt: Das Reiterdenkmal in Windhoek 16 Anhang: Zur Person des Autors 19 Problemstellung: „Der namibische Denkmalrat hat keine Einwände gegen die Verschiebung des Reiterdenkmals vor die Alte Feste in Windhoek,“ so Dr. Gabi Schneider, Vize-Vorsitzende des Denkmalrates, „Vor der Alten Feste steht das Reiterdenkmal genauso gut wie am jetzigen Standort“. „Da es sich um einen berittenen Soldaten handelt ist es sogar passend, wenn dieser vor einem Gebäude steht, in dem einst Soldaten beherbergt wurden“ (AZ, 12. Juni 2008, S.1). Durch die namibischen Printmedien kursierte erneut der bereits 2001 gefasste Beschluss des Kabinetts, das Reiterdenkmal in Windhoek zu verschieben. Dabei wurde die Frage offen gelassen, genau wohin es verschoben werden soll (es wurde vage angegeben ,,vor die Alte Feste“). Ob das Reiterdenkmal dahin paßt, dahin gehört und warum es gerade dorthin versetzt werden soll, bleibt in Wesentlichen ungeklärt. Es besteht die akute Gefahr, dass durch unsachgemäße Behandlung des Reiterdenkmals ein Schaden entsteht, der später nicht mehr gut gemacht werden kann. Dieser bedenkliche Beschluss soll dadurch motiviert worden sein, daß am gegenwärtigen Standort des Reiterdenkmals ein dem namibischen Befreiungskampf gewidmetes „Museum“ entstehen soll. Es ist fraglich, ob dieser Entscheidung eine denkmalkundliche Analyse zugrunde lag, die die folgenden Aspekte bezüglich einer derartigen Verschiebung in Betracht zieht: 1. Historisches Denkmal Das Reiterdenkmal ist ein historisches Denkmal, das seit seiner Enthüllung im Jahre 1912 unverändert an seinem Platz steht und bereits verschiedene Regierungswechsel unbeschadet überstanden hat. Das Reiterdenkmal ist eines der prominentesten Wahrzeichen Windhoeks, und das bekannteste historische Kriegerdenkmal in Namibia. Zusammen mit der Christuskirche, der Alten Feste und einer Anzahl von historischen Regierungsgebäuden (beispielsweise Tintenpalast und Nationalmuseum/Alte Kaiserliche Realschule), bildet es als Ensemble den historischen Stadtkern Windhoeks. Seine geplante Verschiebung stellt einen Eingriff in ein historisches Denkmalensemble ein, der nicht ohne sorgfältigste und gründlichste Impaktstudien vorgenommen werden sollte. 2. Kunst- und kulturhistorische Einzigartigkeit Das Reiterdenkmal ist vom kunst- und kulturhistorischen Standpunkt insofern einzigartig, als daß es einen einfachen Reitersoldaten (Schutztruppensoldaten) zu Pferde darstellt. Seit der Antike waren ein Denkmal zu Pferde (Reiterdenkmal) nur Kaisern, Königen und Fürsten vorbehalten. Die Würdigung des einfachen Soldaten (eines Unteroffiziers) durch ein Reiterdenkmal ist nicht nur in der europäischen Tradition, sondern auch weltweit einzigartig. Das Reiterdenkmal entspricht somit schon allein deshalb allen Ansprüchen der Einzigartigkeit und der Authentizität, die das Einzeldenkmal in Windhoek aus der Reihe der eher normalen Denkmäler weit herausragen läßt. 3. Das Reiterdenkmal als skulpturales Kunstwerk Das Reiterdenkmal ist als Bronzeskulptur und mit hoher Detailgenauigkeit ein hochrangiges Kunstwerk. Der Künstler Adolf Kürle schuf mit dem Reiterdenkmal ein Meisterwerk, das die Bildhauer- und Skulpturenkunst des wilhelminischen Deutschlands dokumentiert. Es hat ein Jahrhundert voller historischer Spannungen und grundlegender politischer Umwälzungen unbeschadet überdauert. Das macht das Standbild zu einem besonderen Kulturdenkmal, zumal es obendrein auf afrikanischem Boden steht. 4. Das Reiterdenkmal als besonderes historisches Denkmal Das Reiterdenkmal hat den politischen Wandel aus der deutschen Kolonialzeit in die Mandatszeit, aus der Mandatszeit in die Zeit der südafrikanischen Kolonialzeit in die namibische Unabhängig unbeschadet überlebt. Das ist beachtlich, wenn man bedenkt, welche ideologischen Differenzen es in jenen Jahren zwischen den Bevölkerungsgruppen Namibias gab. Bei aller ideologischer Überfrachtung sollte nicht aus dem Auge verloren werden, dass das Reiterdenkmal sowohl ein Teil deutscher Geschichte als auch afrikanischer Geschichte im Kontext der Kolonialgeschichte, die es untrennbar mit der afrikanisch-europäischen Geschichte verbindet, ist. 5. Erhaltung des Reiterdenkmals im allgemeinen öffentlichen Interesse Die Erhaltung des Reiterdenkmals wäre somit im namibisch/afrikanischen, aber auch im deutschen/europäischen Interesse. Gerade an der Erhaltung und Pflege des Denkmals und seinem behutsamen Umgang ließe sich zudem die Versöhnung zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen sichtbar demonstrieren. Eine Verschiebung des Denkmals unter Ausschluß der Meinung diverser Interessenten käme einer Beinträchtigung dieser versöhnlichen Haltung entgegen, die von den meisten Namibiern geteilt und praktiziert wird. Wie Dr. Schneider anführt, dass das „Reiterdenkmal nicht angezweifelt werden kann, ein gutes Bekenntnis für die Versöhnung sei“, ist zweifelhaft, da bei dem Beschluss, das Denkmal zu verschieben, weder hiesige oder internationale Interessenverbände, noch die Bevölkerung befragt wurden. Die Denkmalverschiebung wurde einseitig vom Kabinett, ohne Parlamentsdebatte, ohne vorher die Stellungnahme des Denkmalrates oder der Öffentlichkeit einzuholen, d.h. von oben, d.h. undemokratisch vorgenommen, und soll „versöhnlich sein“? Unverständlich. 6. Das Reiterdenkmal als Krieger- und Soldatendenkmal Das Reiterdenkmal ist ein Soldaten- und Erinnerungsdenkmal. Es ist dem Gedenken deutscher Soldaten und Zivilisten gewidmet, die in den Kolonialkriegen gefallen und umgekommen sind. Andere Denkmäler (z.B. die der Herero in Okahandja) erinnern an deren Helden; das Reiterdenkmal ist daher ein integraler Bestandteil der Soldaten- und Kriegerdenkmäler in Namibia. Von diesen sind eine ganze Reihe aus den verschiedensten Epochen anzutreffen, die auf Namibias konfliktreiche Vergangenheit hinweisen. Inzwischen kommen neue Soldatengräber aus den Konflikten in der DRK und Angola hinzu, und auch neue Soldatendenkmäler entstehen, wie z. B. der Heldenacker in Windhoek. Namibias konfliktreiche Vergangenheit ragt demnach in die Gegenwart hinein, und aller Wahrscheinlichkeit nach auch in die Zukunft, wie die nicht übersehbare Militarisierung der namibischen Nation durch die wachsende Zahl bewaffneter Soldaten in den Städten, und das Abhalten von Militärparaden wie zum Heldenempfang der Rückkehrer aus dem Kongo u.ä. in der Vergangenheit belegen. 7. Die Pflicht des Staates, Soldatendenkmäler zu schützen und zu erhalten Da in einem Krieg der Staat seine Bürger zum Krieg aufruft, obliegt ihm die Pflicht der Aufstellung, Erhaltung und Pflege eines jeden Kriegerdenkmals, sowie ein Soldat das Recht auf Anerkennung seiner im Krieg erbrachten Leistung hat. Diese Pflicht und dieses Recht leiten sich aus dem Gesellschaftsvertrag zwischen Staat und Bürger ab und dürfen nicht grundlos vernachlässigt werden. Hinsichtlich der Erhaltung oder Verschiebung des Reiterdenkmals hat daher nicht nur die namibische, sondern auch die deutsche Regierung eine eindeutige Haltung einzunehmen. Zu allen Zeiten und in allen Kulturen wurden zu den unterschiedlichsten Anlässen und für die unterschiedlichsten Personen Denkmäler aufgestellt. Diese zu respektieren und zu pflegen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Es ist allerdings verständlich, wenn Standbilder von Despoten wie Frankreichs Ludwig XIV. oder von Diktatoren wie Stalin oder Hitler gestürzt werden. Diese verachteten die Völker, die sie gleichzeitig unterdrückten. Der Sturz derartiger Denkmäler ist daher verständlich. Im Soldatendenkmal dahingegen wird der Einsatz des Soldaten gewürdigt, der sein eigenes Leben unfreiwillig, aus Pflichtgefühl und auf staatliche Anordnung hin, im Interesse des Gemeinwohls aufs Spiel setzt und dabei selbst oft untergeht. Dies ist der grundlegende Unterschied zwischen einem Denkmal, das politischem Personenkult dient, und einem Soldatendenkmal das den persönlichen Einsatz, die Selbstüberwindung, die Strapazen, die Aufopferung und Entbehrungen, die der Soldat auf sich nimmt, auf angemessene Art und Weise würdigt. Insofern ist es auch unangemessen, einem Soldatendenkmal eine rein politische Bedeutung beizumessen, oder ihm eine ausschließlich ideologische Funktion zukommen zu lassen. Dieses würde der Vielschichtigkeit, die ein bedeutendes Denkmal nun einmal hat, nur Abbruch tun. Niemandem würde es einfallen, die Popularität und Bedeutung des Reiterdenkmals, das in breiten Schichten der Bevölkerung anerkannt wird, und auch kontrovers diskutiert wird – aus welchen Gründen auch immer - in Frage zu stellen. Das beweist aber, daß es sich um ein bedeutendes Denkmal handelt, denn sonst wäre es längst vergessen. Es ruft jedoch immer wieder dazu auf, sich auf seine Geschichte zu besinnen, bzw. diese zu hinterfragen. Als solches ist es auch ein Mahnmal, das daran erinnert, daß der Verlust eines Menschenlebens im Kriege nie und nimmer durch die Errichtung eines - wie auch immer großartig gestalteten - Denkmals ersetzt werden kann. 8. Die Verschiebung des Reiterdenkmals nachteilig für Regierung und Denkmalsrat Wenn also die Regierung das Reiterdenkmal leichtfertig für eine politische Demonstration oder billige Machtgeste benutzen sollte, kann dieses leicht die gegenteilige Wirkung hervorrufen. Die damalige Reiterinitiative hatte bereits gezeigt, was aus einem unüberlegtem Impuls bezüglich des Reiterdenkmals wurde. Die Regierung täte gut daran, es sich - im eigenen Interesse - genau zu überlegen, das Reiterdenkmal zu verschieben. Denn auf den ,,Erfolg“, würde sehr schnell die Ernüchterung folgen. Es wäre kaum wieder gutzumachen, den ,,Reiter“ für alle Zeiten von seinem angestammten Platze zu entfernen – und womöglich noch dabei zu beschädigen - und erst danach festzustellen, dass es bei einigen Teilen der Bevölkerung die gegenteilige Wirkung hervorgerufen hat. Dadurch würde sie sich – wenn es zu einem Mißerfolg kommen sollte, – was mit aller Wahrscheinlichkeit eintreten wird – nur selber schaden. Es ist aber die Aufgabe der Bevölkerung, die Regierung vermittels einer Behörde wie den Denkmalsrat, der ja gemäß seines eigenen Namens die Regierung und Öffentlichkeit in Sachen Denkmalschutz berät, diese rechtzeitig professionell, nüchtern und unvoreingenommem davon zu unterrichten, und auf möglichen Schaden sowohl wie am Denkmal, als auch für das Image der Regierung hinzuweisen. 9. Ethik Ethisch gesehen ist die Erhaltung und Pflege eines Denkmals, ebenso wie die eines Grabdenkmals oder Friedhofs, eine Frage der Pietät. Die Erhaltung und Pflege derselben ist in den verschiedensten Kulturkreisen üblich. Aus diesem Grund wäre die Verschiebung des Reiterdenkmals nicht nur pietätlos, sondern eine rücksichtslose und unzivilisierte Handlung. Eine Verschiebung des Reiterdenkmals kann nur erfolgen, wenn wirklich zwingende Gründe vorliegen. Die Errichtung eines Museums stellt keinen zwingenden Grund da, da es genügend freie Räume und Plätze in Windhoek gibt, an denen ein Museum gebaut und eingerichtet werden kann, z.B. in dem Bereich zwischen Staatsmuseum und Reservebank, da sich ein Freiheitsmuseum dort gut einreihen ließe. Für den Heldenacker in den Auasbergen wurde auch eine angemessene Lokalität ausfindig gemacht, das Reiterdenkmal stellt in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar. Um ein bedeutendes Denkmal zu verschieben, nur um dort ein Museum zu bauen, ist unethisch. 10. Die Rolle der Kirchen: Das Reiterdenkmal als sakrales Monument Als Soldatendenkmal wurde das Reiterdenkmal nach seiner Aufstellung im Jahre 1912 von Geistlichen beider (protestantischer und katholischer) Konfessionen geweiht. Alljährlich finden am Reiterdenkmal Versammlungen von verschiedenen Veteranenverbänden mit Mitgliedern verschiedener Kongregationen und verschiedener Sprachgruppen statt, die dort Kranzniederlegungen usw. vornehmen. Dieser Brauch lebt ununterbrochen bis in die Gegenwart fort und würde durch die Verschiebung des Denkmals entscheidend gestört. In dieser Hinsicht ist das Reiterdenkmal eine Gedenkstätte mit sakralem Status, und daher sakrosankt. Eine Verschiebung käme der Verlegung eines Kirchengebäudes, das noch durch seine Gemeinde genutzt wird, gleich. Ein solcher Schritt würde daher der groben Verletzung der Rechte einer solchen Gemeinde gleichkommen, und sollte daher unterlassen werden. Den Windhoeker Einwohnern ist der Abriß einer Missionskirche in Ludwigsdorf im Jahre 1994 in Erinnnerung, die die Gefühle der Ein- und Anwohner empfindlich verletzt hat. An deren Stelle sind stillose Prunkvillen enstanden, die historische Denkmalslandschaft hat dort Einbußen hinnehmen müssen. Eine Wiederholung eines derartigen Vorfalls ist unter allen Umständen zu vermeiden. Die Kirchen beider Konfessionen sollten sich auch eindeutig zu der beabsichtigten Verschiebung des Denkmals äußern, da sie es seinerzeit weihten. Wie bei einer Umbettung der Gebeine verstorbener Menschen sollte auch ein Denkmal angemessen und würdig behandelt werden. 11. Die Rolle der Kulturorganisationen: Das Reiterdenkmal als kulturelles und historisches Monument Namibische Kulturträger wie z.B. der Deutsche Kulturrat sollten sich hinsichtlich der Verschiebung des Reiterdenkmals ebenfalls einklinken und entschieden die Unterlassung der Verschiebung fordern. Sollte der Reiter doch verschoben werden, sollte unter Umständen ein geeignetes Gelände angekauft, der Reiter fachmännisch transloziert und eine angemessene Weihestätte geschaffen werden. Die Entfernung der Erinnerungstafeln katholischer Schutztruppenangehöriger aus der St. Mary’s Cathedral in Windhoek, bei der zwei riesige Bronzetafeln mit dem Brecheisen abmontiert, beschädigt und in den Dreck getreten wurden, danach von einigen beherzten Individuen geborgen, restauriert und wieder öffentlich aufmontiert wurden, ist noch in frischer Erinnerung. Die Verschiebung des Reiterdenkmals könnte in Verbindung mit ähnlichen, die Erhaltung und Pflege der Kolonialdenkmäler betreffenden Maßnahmen nicht nur erörtert, sondern in Angriff genommen werden. Dem Denkmalsrat fiele hierbei eine koordinierende Rolle zu, die ihm anscheinend unbekannt ist. Mit Kulturorganisationen sind natürlich nicht nur deutsche Kulturorganisationen gemeint, die sich in diesem Zusammenhang einschalten sollten. Diskussionen in den nationalen Chat Shows, Kommentare und SMS’e in Zeitungen, Leserbriefe usw. Deuten eindeutig daraufhin, dass die Bevölkerung die beabsichtigte Verschiebung des Reiterdenkmals mit Unhagen zur Kenntnis nimmt. Die eigentlichen Fragen lauten eher: · Warum wird das neue Unabhängigkeitsmuseum nicht in Katutura gebaut – dort, wo die Menschen leben, denen es gewidmet ist, und wo diese einen Zugang dazu hätten? · Wenn das neue Unabhängigkeitsmuseum in Katutura steht, würden Touristen dorthin geleitet werden - es wäre eine touristische Attraktion in Katutura selbst. Touristen besuchen die Alte Feste, Christuskirche und das Reiterdenkmalt ohnehin. · Warum wurde der Heldenacker auf der Katutura entgegengesetzten Seite errichtet – es ist zu weit und niemand besucht die Stätte. · Warum soll ein weiteres Museum für Touristen gebaut werden, und nicht für die Menschen des Landes? · Ist es weise, weitere 8 Millionen N$ für eine weiteres Museum auszugeben, während andere Museen, z.B. das Old Location Museum, das Militärmuseum in Okahandja usw. ungenutzt bleiben? · Warum werden 8 Millionen N$ für so etwas Unsinniges wie ein Unabhängigkeitsmuseum ausgegeben, und nicht dort, wo es sinnvoller wäre, z.B. für Bildung, Alterpensionen oder etwas Ähnliches? · Ein arbeitsloser Einwohner von Katutura machte folgende Bemerkung: “Leave the man on the horse and erect you useless memorial at the old State House or ask the City Council of Windhoek to donate you one Ramatex complex for that purpose. Remember the hungry man on the street and how I wish our Government would bail us out with our outstanding municipality bills.” (Namibian, 8. Juli 2008, S. 8.) 12. Das Reiterdenkmal als lebendiges Denkmal (a) Kulthandlungen Das Reiterdenkmal ist ein lebendiges Denkmal. Es wird nach wie vor zu Kulthandlungen (z. B. Kranzniederlegungen, Festgottesdiensten) genutzt, und durch staatliche Förderung, d.h. aus Steuergeldern, gepflegt und erhalten. Es wäre etwas anderes, wenn das gleiche oder ein ähnliches Denkmal in einer anderen ehemaligen deutschen Kolonie (z.B. in Togo, Kamerun oder Tanzania) im Urwald stände, wo es keine dort lebende deutschsprachige Bevölkerung mehr gibt, die lebendige Tradition abgerissen wäre und das Denkmal unter derartigen Umständen seinen sinnstiftenden Inhalt verloren hätte. Unter solchen Umständen, wobei der Kontext des Denkmals sich dahingegend geändert hätte, daß es Sinn oder Bedeutung für die dort lebende Bevölkerung vollständig verloren hätte, wäre eine Verschiebung oder Entfernung verständlich gewesen. Das Gegenteil ist jedoch in Namibia der Fall, wo ein deutschsprachiger Bevölkerungsteil, der sich mit der Republik Namibia staatsbürgerlich identifiziert und solidarisch verbunden fühlt, seine Steuern zahlt und die Gesetze des Landes achtet, zeitlich ununterbrochen seit der Kolonialzeit in Namibia beheimatet ist. Die deutsche Sprachgruppe hat einen großen Anteil an der Aufbauarbeit im Lande geleistet und hat sich das Recht erworben, die Erhaltung ihres Kulturguts im Rahmen ihrer konstitutionell verankerten Kultur- und Minderheitsrechte zu fordern. Sie betrachtet das Reiterdenkmal als ein Denkmal mit hohem Symbolwert, durch das sie mit ihren traditionellen kulturellen Wurzeln verbunden ist. Ihre diesbezüglichen Rechte sind unter den Bestimmungen der namibischen Verfassung geschützt. Die deutsche Sprachgruppe hat daher das Recht, die Verschiebung des Reiterdenkmals abzulehnen, wenn sie es so wünscht. Auf keinen Fall darf eine Verschiebung des Reiterdenkmals vorgenommen weden, bevor der Wille der deutschen Sprach- und Kulturgruppe diesbezüglich festgestellt worden ist. (b) Relevanz innerhalb des namibischen Kontextes Der Status als lebendiges Denkmal im historischen Kontext wird weiterhin dadurch belegt, daß bereits in der Vergangenheit das Denkmal politisiert wurde, indem der Kopf des Pferdes von Bewohnern der alten Werft verhängt wurde, um auf die unerträglichen Umstände der alten schwarzen Siedlung in Windhoek hinzuweisen. Also solcher hat das Reiterdenkmal –gerade wegen seines hohen symbolischen Stellenwerts - bereits eine Rolle in der jüngeren namibischen Geschichte der Befreiu |
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