Aufstand der Zauberlehrlinge

Wednesday 23rd of July 2008
Hans Feddersen
Im kommenden Jahr wird gewählt. Also wer-den die Parteien - und andere Gruppen - ver-suchen, sich in eine möglichst günstige Stel-lung zu bringen. Aller-dings gibt es dabei auch Andeutungen, daß die derzeitige Ruhe trügt. Wer genauer hinschaut, stellt fest, daß es bro-delt...
Da wäre zunächst die Landreform. Als neuer Apostel der Kritiker, die mit den bisherigen Farmenteignungen nach 18 Jahren enttäuscht sind,  spielt sich SWANU-Präsident Usu-tuaije Maamberua auf.  Er wünscht keine Reform, sondern eine „Revo-lution“ - und bringt das politisch heiße Thema in einen Zusammenhang mit dem „Völkermord der deutschen Kolonialisten“. Er geht davon aus, daß 1905 riesige Teile des Gebietes, das Kambazembi gehörte zu gün-stigsten Preisen von Deutschen ge-kauft wurden. Er fragt: Sollen Kambazembis Nachkommen „unter Kolonialisten, Apartheid und nun auch unter unserer eigenen afrika-nischen Regierung“ leiden?
Die bisherigen Landreform habe nicht zu echter sozialer und wirtschaftli-cher Entwicklung im Norden“ beige-tragen. Sie sei wohl nur ein Ventil für sozialen und politischen Druck gewesen. Denn im Norden sei die ökologische Zerstörung nicht durch Landreform unter Kontrolle zu bringen.Der Swanu-Präsident schlägt eine neue Konferenz vor, die noch in diesem Jahr stattfinden soll. Auf dieser Konferenz, die innerhalb von fünf Jahren eine fundamentale Um-verteilung bringen soll (und nicht etwa nur kosmetische Reformen), müsse ein Sonderfonds gegründet werden. Die ehemaligen Kolonialmächte sollen zu diesem Fonds beitragen und „Deutschland soll Wiedergutma-chung für den Völkermord zahlen“.
Wie gesagt: Die Partei steckt damit wohl ihr Wahlkampfthema ab.
Ideologisch hat sie noch ganz andere Forderungen auf ihrer Fahne: So müs-se dafür gesorgt werden, daß der „Reichtum“ umverteilt werde: Ge-meint ist der Reichtum an Boden-schätzen und eine Umverteilung des Eigentums im „zentralen Geschäfts-bezirk (CBD)“: Derzeit sind die CBDs aller Städte und größeren Orte Namibias „in den Händen der Weißen und Ausländer“.
Nachtigall, ick hör Dir trapse... Es geht hier nicht nur um Farmen!
Als vermeintlicher Sprecher der „Massen in Namibia“ schreit hier ein Politiker seine Unzufriedenheit heraus. Wollen wir hoffen, daß dies nicht zu einer Revolution führt.
Unruhe gibt es aber auch, weil die Gewerkschaft MUN und die Swapo-Jugendliga sich nicht an ihren Aufgaben orientie-ren und diese erledigen, sondern weil sie sich immer mehr in Angelegenheiten der Regierung einmischen oder selbst zu „Chefs des Olymps“ aufschwingen...
Beispiel MUN (Gewerkschaft der Bergarbeiter/ Kumpel): Die Art, wie der Disput mit Lev Leviev Diamonds (LLD) behandelt wurde, führte zur Entlassung von 250 Angestellten. Es fehlte an wirklich guten Ratschlägen und Führungs-Kompetenz der Ge-werkschaft. Sogar der Staatssekretär und der Arbeitskommissar bestä-tigten, daß sich die Gewerkschafts-spitze nicht an Abmachungen hielt und sogar log.
Dann das Beispiel Jugendliga: Diese Gruppe fordert ein umfassendes Mit-spracherecht in der Regierung. Will sie Politiker ausspionieren? Will sie die Funktion der Kommission für den öffentlichen Dienst übernehmen und Beamte anstellen? Für die Regie-rung entsteht hier die Situation, die in Goethes Gedicht über den Zauberlehrling im Ausruf gipfelt: „Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los!!“ Swapos Jugend ist zu einem Zauberlehrling geworden, der seine Grenzen nicht mehr kennt.   So gönnt sich der persönliche Assistent der stellver-tretenden Premierministerin Liberti-na Amathila, Herr Clinton Swart-booi, derzeit eine Denkpause: er überlegt, ob er sich mehr für seinen Posten oder eben doch für die Ju-gendliga einsetzen soll. Denn als er letzteres tat, gab es Krach mit der Chefin. Und daraus folgert die Ju-gendliga, daß die Regierungspartei „wohl etwas gegen die Jugendliga hat“. Wenn der Zauberlehrling alle Posten im Staat übernimmt, nur aufgrund der einen Qualifikation, daß man das Parteibuch vorzeigen kann, dann haben wir demnächst die schön-ste Anarchie im Lande! Wo bleibt das Machtwort der Regierung? Aber solange Pendukeni Ithana „Attorney-General“ und Justizministerin und Generalsekretärin der Partei sein darf ,(auf diese Vermischung von Ämtern in Regierung und Partei weist die Jugend kritisch hin!) gibt es „Anarchie“ in den Swapo-Reihen.

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