Skandal - Entscheidung am grünen Tisch

Thursday 31st of July 2003
Hans Feddersen

Was ist bloß im namibischen "Vorzeigesport" Inline-Hockey los? Nach den Vorfällen in Otjiwarongo schütteln Beobachter nur noch mit dem Kopf. Da gingen Emotionen so hoch, daß "nun sogar die Vertrauensbasis fehlt. Wie kann man sich noch mit dem NISA-Vorstand an einen Tisch setzen?" (Originalton eines Cazadores-Mitglieds).

Mußte man bisher unverständliche Schiedsrichter-Entscheidungen verdauen, was mit Toleranz und Humor manchmal noch gelang, so überwiegt jetzt Ratlosigkeit angesichts der Manipulation ehrgeiziger Eltern, die am grünen Tisch per "Mehrheitsbeschluß" den Turniersieg in zwei Kategorien vergaben (noch dazu rein rechnerisch und vermutlich im „Eifer des theoretischen Sieges gegen Cazadores" falsch, nämlich mindestens in der U/12-Kategorie).

Um es deutlich zu sagen: Es geht hier nicht um die zwei illegalen Tore, die Badgers im Spiel der U/12 zum 3:2 gegen Cazadores verhalfen. Es geht auch nicht darum, daß ein „Head Referee" ein Time-Out beantragt, um seiner Behauptung Nachdruck zu verleihen, daß „das Tor verschoben war". Und es geht nicht um ein Tor, das im U/18-Spiel nicht anerkannt wurde. Auch geht es nicht um die vielen Strafminuten, die gewisse „referees" immer wieder gegen dieselben Spieler der Cazadores verhängen... Die Auflösung der Schiedsrichter-Problematik ist Aufgabe der NISA, so sie denn ein System hat...

Es geht noch nicht einmal um die Definition von „Ausländern" und deren Funktion (zur Erklärung: früher formulierte man, daß Trainer nicht mitspielen sollten; das reicht heute nicht mehr).

Hier geht es um einen „Notfall" - fachtechnisch: Emergency Case -, denn nur in solch einem Falle tritt das NISA-Komitee während eines Turniers zusammen. Als die U/16-Begegnung zwischen Badgers und Cazadores entschieden war, stellte man fest: „Oh Schreck, oh Graus - Coastal Pirates und Cazado-res haben ja je 15 Punkte!! Dabei haben die Windhoeker auch noch das bessere Torverhältnis!" Was nun? Denn schon Busch - der Wilhelm und nicht etwa der George W.- wußte, dass nicht sein kann, was nicht sein darf!

Folgen wir kurz der komplizierten NISA-Mathematik, an die sich Spieler und Trainer seit etwa 5 Jahren gewöhnt hatten: Für einen Sieg gibt es 4 Punkte, für ein Unentschieden 2. Wenn eine Mannschaft mit einem Tor Differenz verliert, bekommt sie einen Bonuspunkt. Gewinnt ein Team mit 4 Toren oder mehr Differenz, so erhält es einen Bonuspunkt. So kam die U/16 der Coastal Pirates auf 4+2+4+5 Punkte (= 15). Und obwohl Cazadores einmal verloren hatten, gab es für sie nach drei haushohen Siegen gegen Badgers, Kamikaze und Scorpions ebenfalls 15 Punkte. Bei besserem Torverhältnis...

Und nun wurde „Geschichte geschrieben" - wie eine Tageszeitung feststellte. Man veränderte kurzerhand durch „Mehrheitsbeschluß" das Regelsystem, mir nichts, dir nichts - nach dem entscheidenden Spiel und kurz vor dem Turnierende.

So wurde Coastal Pirates in zwei zusätzlichen Kategorien zum Sieger erklärt (mit Hilfe der Stimme von Bad-gers, die schon mal die zweifelhafte Ehre hatten, ein Turnier der Cazadores zu boykottieren).

Und nun war die Welt wieder in Ordnung. Für alle?

Mitnichten, denn wer zu rechnen begann, stellte fest, daß die U/12 der Cazadores trotz der neuen Regeln als Sieger hervorgingen. Doch wen kümmerte das jetzt noch?

Mitnichten, denn in den Herzen der Cazadores regten sich Zweifel und Fragen: Ob beim nächsten Turnier plötzlich mit Rugbybällen gespielt wird? Ob ein Turnier noch nötig sei, wenn doch das Komitee über Sieg und Niederlage entscheiden kann? Und wen die nachträgliche Degradierung beim nächsten Mal treffen könnte.

Und Fragen über die Zukunft des „Vorzeigesports", der an Egoismus, falschem Ehrgeiz, „Null-Toleranz" und Korruption erkrankt ist.

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