Haifischinsel soll Denkmal werden

Saturday 23rd of August 2003
Brigitte Weidlich

 

Photo:  Das Denkmal auf der Lüderitzbuchter Haifischinsel            Foto: Brigitte Weidlich

 

 

Wenn es nach den Wünschen von Regionalrat Fluksman Samuehl ginge, soll die Hafischinsel bei Lüderitzbucht zu einem nationalen Denkmal erklärt werden. Touristen könnten trotzdem den Campinglatz auf der Insel vor Lüderitzbucht weiterhin benutzen. Die Haifischinsel hat eine schaurige Geschichte. Hunderte von Kriegsgefangen der Nama- und Hererostämme wurden Anfang des vorigen Jahrunderts von den deutschen Kolonialbehörden auf diese Insel gebracht, wo sie unter schlimmsten Bedingungen leben mußten. Das rauhe Winterklima tat sein Ûbriges: die meisten von ihnen starben. Die Gefangenen mußten hauptsächlichst an der Eisenbahnlinie zwischen Aus und Lüderitzbucht arbeiten.

In seinem Buch ,,Herero Heroes” schreibt der Wissenschaftler Jan-Bart Gewald von der Universität Köln, daß er beim Durchlesen der Chroniken der Evangelischen Kirche herausfand, daß Wissenschaftler in der alten Heimat Schädel von Nama- und Hererogefangenen von der Haifischinsel anforderten – zu Forschungszwecken. Weibliche Herero-Kriegsgefangene mussten die Fleischreste mit Glasscherben von den Schädeln kratzen. Darunter soll auch der Schädel von Namahäptling Christian Frederiks gewesen sein. Er starb 1907 auf der Haifischinsel. Weitere 167 Männer, 97 Frauen und 66 Kinder der Nama liessen ebenfalls ihr Leben dort. Wieviele Herero dort starben, ist nicht genau zu ermitteln. Es ist dokumentiert, daß im Jahre 1906 Major Ludwig von Estorff entgegen den Befehl seiner Vorgesetzen das Kriegsgefangenenlager von der Haifischinsel an einen gesünderen Ort verlegen ließ.

Nachfahren von Häuptling Frederiks haben vor einigen Jahren einen Gedenkstein aus weissen Marmor auf der Insel angebracht.

Inzwischen ist er umrahmt von einer niedrigen Mauer, an der die Namenstafeln von verstorbenen Schutztruppensoldaten angebracht sind. Als in den siebziger Jahren der alte Friedhof von Lüderitz eingestampft wurde, hat man die Gebeine der Toten, darunter vieler Nama-und Hererogefangener, in eine Gruft auf der Haifischinsel gelegt. Ein schlichte Gedenkplatte von 1976 erinnert daran.

Es ist zu wünschen, daß der Vorschlag von Regionalrat Fluksman Samuehl in die Tat umgesetzt werden kann. Wie schlimm die Gefangenen der Aufstände (1904 bis 1907) bis zum 1. April 1908, als die Lager aufgelöst wurden, gelitten haben, kann man ahnungsweise nachempfinden, wenn man in den Swakopmunder und Lüderitzbuchter Kirchenchroniken und den Dokumenten im Staatsarchiv nachliest.

 

 

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