Zersplitterung der Opposition

Friday 26th of September 2003
Hans Feddersen

Eine Regierung ist so stark wie ihre Opposition es zuläßt. Das gilt für Bayern und Deutschland ebenso wie für Namibia.

Wählt man die besten Kandidaten als Volksvertreter, dann darf man Gutes von der Regierung erwarten. Aber auch wenn die regierende Partei schwä-chelt, kann sie von der Opposition an die Kandarre genommen werden. Im politischen Jargon heißt das „checks and balances".

Nun bietet Namibia viele Beispiele dafür, daß die Opposition „nichts ausrichten kann" und der Wähler immer mehr in die Lethargie verfällt. Wo bleibt der Aufschrei über den Staats-palast? Wer sagt der Regierung, daß der Vergleich mit dem Weißen Haus und ähnlich imposanten Palästen hinkt, weil die Armut in Namibia ja auch nicht mit dem Lebensstandard und das BSP in den USA verglichen werden kann? Wen stört die Militäruniform des Präsidenten am Heldentag? Und wen stört es, daß alles immer teurer wird? Die Abzocke beginnt doch dort, wo man neben staatlichen auch private Einrichtungen (Klinik, Schulen, Polizei) finanzieren soll. Und wo die Stadtverwaltung allein für den Bustransport einen Verlust von N$ 12 Millionen macht! Also: MEHR als N$ 30 500 am Tag!!

Unverständlich!!

Aber wer hinterfragt solche Ziffern?

Nein, die Opposition kämpft ums Überleben!

Schließlich splittert die DTA (die „amtliche Opposition", auseinander - und der Wähler weiß gar nicht mehr, wie man jemals eine Alternative ans Ruder bringen könnte.

Man kämpft ja selbst ums Überleben - und der tägliche Stress läßt kein kritisches Denken mehr zu.

Die Masse der Wähler wirkt gelähmt wie das Kaninchen angesichts der Schlange. Von Einschüchterung will niemand so recht sprechen, aber was haben Konzepte wie „affirmative action" oder „Posten nur für Parteimitglieder" denn sonst bewirkt? Leider sind viele Wähler auch sehr leicht einzuschüchtern!

Woher soll die Kritik, fundierte Kritik, denn noch kommen, wenn sich jene, die etwas sagen könnten, enttäuscht zurückziehen und Gottes Wasser über Gottes Acker laufen lassen? Man spürt, daß Heldenacker, Staatspalast, nun auch noch der Film „Nujoma- Where Others Wavered" nicht das Gelbe vom Ei einer demokratischen Regierung in Afrika sein können. Man merkt doch auch als politischer Laie, daß der Landesvater immer autokratischer auftritt (vergessen wir die Uniform; denken wir an die Reden in Tsumkwe und an der Unam bzw auch an das Dekret gegen die Waterberg-Gedenkfeier). Aber - es ändert sich nichts.

Im Gegenteil: Man macht sich genau bei dieser Regierung „lieb Kind". Der Geßler-Hut muß in größtmöglicher Demut gegrüßt werden. Mit Respekt hat das nichts zu tun. Man verspricht sich aus Spenden für den Film („Im Namen des Volkes") eigene Vorteile. Zuletzt spielt es eine Rolle, wie man zu wirtschaftlichem Profit kommt - und nicht so sehr, was richtig und falsch ist. Politisches Ethos wird auf die knappe Frage reduziert, was angesichts zunehmender Macht „politisch korrekt" sein könnte.

Die Wähler sind gelähmt - vor Respekt, aus lauter Angst oder ganz einfach, weil sie sich über politische „Entwicklungen" schon lange „totgelacht haben". Ist Lachen wirklich die einzige Medizin???

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