Massentourismus

Friday 26th of September 2003
Leserbrief

ch bin ein vollregistrierter und ausgebildeter namibischer Reiseführer mit NATH Elefantendiplom. Ich führe kleine Gruppen mit einem, oder manchmal zwei Wagen, in das Kaokoland. Mein Spezialbereich sind die Wüstenelefanten, die Himba und das Kaokoland – für alle drei sehe ich eine traurige Zukunft, denn der Massentourismus wird jetzt auch hier gefördert und anscheinend ohne irgendwelche Kontrollen.

Verschiedene Firmen organisieren Fahrten in das Kaokoland mit grossen Autokolonnen mit unerfahrenen Selbstfahrern. Diese Veranstalter sitzen in einem Büro in Windhoek, Südafrika oder Italien, und waren bestimmt noch nicht selbst in diesen wunderschönen Teil Namibias. Deshalb wissen sie auch nicht was sie dort anstellen. Südafrikanische Firmen vermarkten geführte Safaris mit mindestens 6 und bis zu 10 Wagen in einer Kolonne.Jetzt fahren auch die Italiener in grossen Kolonnen mit einem lokalen Fahrer (Führer?) vorneweg. Und in Gebiete wo ich sie noch nie gesehen habe – und nächstes Jahr kommen sie wieder und fahren noch tiefer in unberührte Gebiete. Wer vermarktet sowas? Am 9.August dieses Jahres kam eine Kolonne von circa 16 Wagen mit Vollgas und dicht hintereinander in das Dorf Kamanjab. Als ich vor kurzem in Epupa war, sah ich ausser mehreren grossen Gruppen Italienern, auch noch 4 Overländer, 2 Flugzeuge, und fast unglaublich auch noch einen Intercape Mainliner Bus!

Jan Jouberts Buch "4 x 4 Route Guide" und andere ähnliche Bücher haben die Tore geöffnet für grosse Gruppen von GPS Fanatikern, die jetzt in bis dann unbekannte und daher unberührte Gebiete fahren können. Dr. Andreas Klinke verschenkt sogar ein Buch für jede neue Route die preisgegeben wird für sein Buch "Reisen mit GPS durch Namibia". Ich glaube nicht, dass diese Herren es geahnt oder gewollt haben, was sie jetzt den Massen möglich gemacht haben.

Im Allgemeinen benehmen sich Selbstfahrer in kleinen Gruppen oder im Einzelwagen sehr gut – vielleicht weil sie sich so nicht weit vom Wege trauen. Anders mit grossen Gruppen, die für diese Umwelt zur Tragödie werden. Sie benehmen sich wie ausgewachsene Kinder auf ihren neuen Spielplatz, und erlauben sich Sachen, die sie im eigenen Land nicht machen dürfen. Wenn man sie darauf höflichst anspricht, bekommt man meistens eine arrogante und oft rüde Antwort – hier habe ich persönlich leider mit italienischen Touristen die schlechtesten Erfahrungen gemacht. Und wenn die Autovermieter nur wüssten wo ich schon deren Wagen gesehen habe – bis zum kleinsten PKW!

Auf einer von meinen Safaris im August hatte ich zum allerersten Mal keine Elefanten im Hoanib gesehen. Kein Wunder, wenn da grosse Kolonnen mit Vollgas und dicht aufeinander "auf Wüstenelefantensuche gehen", und diese tollen Tiere aus ihrem natürlichen Habitat verjagen. Die Elefantenkuh "Clarissa" hat oft seelenruhig irgendwo gefressen oder gedöst, während ihr jüngstes Kalb bis auf 10 Meter an meinen Wagen herankam und sich dann prompt dort zum Schlafen hingelegt hat. Jetzt verstecken sie sich in Seitentäler.

Warum diese grossen Gruppen? Können das Ministerium für Umwelt und Tourismus und TASA vielleicht etwas unternehmen? Ich kann nur froh sein, dass ich mein geliebtes Kaokoland noch so gesehen habe wie es einmal war – eine unberührte , einsame Wildniss, sicher die letzte ihrer Art in Afrika.

DIETER RISSER

ONDJAMBA SAFARIS NAMIBIA

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