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Saturday 27th of September 2003 Caprivi ist anders. Demokratie muß dort noch gelehrt, gelebt und erfahren werden. Denn noch wird die Politik in diesem Landesteil von Einschüchterung geprägt. Einschüchterung haben nicht nur die Mitglieder der Special Field Forces auf ihre Fahnen geschrieben, die durch zahlreiche Straßensperren und wildes Umherballern auffallen. Einschüchterung ist auch der Hintergrund, warum Jugendliche, deren Eltern infolge des „Sezessionskrieges" inhaftiert, verschleppt und gefoltert wurden, jetzt Swapo-Mitglieder sind. Sie glauben, daß man dadurch für Ruhe sorgt. Und dann lassen sich fast 10 000 neue Wähler erfassen, von denen etwa 10 Prozent tatsächlich an der Wahl teilnehmen... Einer der ganz großen Häuptlinge (Chief-Induna) fordert seine Untergebenen auf, die regierende Swapo zu wählen, sonst „treiben wir Euch barfuß in den Sambesi, wo die Krokodile sind". Vor Krokodilen haben die Wähler Angst. Also lassen sie sich einschüchtern. Das geht so weit, daß auch Pastoren den Versuch unternehmen, ihre Gemeinden lieber aus der Politik fernzuhalten - als daß sie vielleicht der Opposition ihre Stimme geben. Und nun fragt sich der naive Wähler: „Dürfen Christen überhaupt an politischen Wahlen teilnehmen?" Caprivi ist anders. Dort wütet die Seuche HIV/Aids wie nirgends sonst in Namibia. Dort machen Beerdi-gungs-Unternehmer „big business". Dort siedeln sich Leute aus vielen anderen Afrikastaaten an. Auch Englischsprachige aus Simbabwe. Und ehemalige Einwohner Ghanas, Ruandas oder Kenias haben den Weg in den Caprivi gefunden, wo sie ihr Glück suchen. Natürlich gibt es auch viel mehr Ovambosprachige als je zuvor. Das wiederum gehört zur Politik. So, wie in der Politik - übrigens nicht nur in Afrika - Naturkatastrophen leicht zu extremen Notständen hochstilisiert werden, - bis man der Regierung bei der nächsten Wahl für ihre Hilfe dankt. So wurde Kanzler Schröder wiedergewählt... Caprivi ist anders: Dort bekommen - so hat es den Anschein - nur Parteimitglieder Nahrungsmittelhilfe (ob in Fluten oder in Dürrezeiten). Allerdings waren es auch hauptsächlich Mitglieder (ovambosprachig) der regierenden Partei, die zu Opfern der Flut wurden, als der Sambesi mal wieder über die Ufer trat. Das tut er wohl alle zehn Jahre - und die erfahrenen Einwohner von Caprivi waren schon weggezogen, als das große Wasser die Neusiedler überraschte... Zurück zur Politik: Böse Zungen behaupten sogar, daß die ovambo-sprachigen Neusiedler nicht von den Wahlbeamten erfaßt werden konnten, weil sie noch vom Wasser umgeben sind. Aber: das Wasser ist längst wieder auf dem „normalen" Pegel... Was noch nicht weniger geworden ist: Die Anwesenheit der namibischen Streitkräfte und vor allem die Special Field Force ist allgegenwärtig. Und niemand möchte barfuß durch den Sambesi geschickt werden... Dort lauern schließlich Krokodile. Nachts aber kommen Fremde in ausgehöhlten Einbäumen von Sambia herüber, stehlen den unachtsamen Touristen kurzerhand wertvolle Gegenstände - und schwupp, sind sie wieder unterwegs nach Sambia. Dagegen kann wohl niemand etwas unternehmen?? |
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