Warum lustig Karneval feiern?

Sunday 26th of October 2003
Hans Feddersen

Der 11. November rückt immer näher - und damit auch die 5. Saison der Narren. Als Deutscher möchte ich dieses lustige Fest gern abschaffen. Denn als Deutscher in fernen Landen (Beispiel die Ex-Kolonie Namibia) sollte man sich schämen. Das rät ein Gästebuch-Eintrag auf der WIKA-Webseite. Und ich glaube, dieser junge Mensch hat Recht! Schande über deutsche Feiern im Ausland. Schande vor allem über einen Karneval in einem Lande, wo der größte Teil der Bevölkerung nichts zu lachen hat. Ich schließe mich dieser Meinung an, hätte sogar gern eine humorlose Leichenschau verfaßt (weil das außerdem politisch korrekt sein könnte), hörte dann aber, daß der Staatsanwalt in Heidelberg gegen den Erfinder der ekligen Leichenschau "Körperwelten" (Gunther von Hagen) ermittelt. Und ich will doch unter gar keinen Umständen verfolgt werden!. Gegen Spinner, Narren und Leute, die noch etwas zu lachen haben, soll man rigoros vorgehen! Basta! Denn es gibt in Namibia zu viele Arme, die verhungern, während sich andere in der Narrhalla - oder etwa doch im Prunk-Staatshaus? - isolieren. Nein, liebe Landsleute, laßt uns doch richtig ernst werden! Da gibt es zum Beispiel einen Werbeunternehmer im Saarland, der den Absatz seines Toilettenpapiers vorantreibt - und damit Finanzminister Eichel zu unerwarteten Einnahmen verhilft. Er bedruckt die Rollen mit Karikaturen und frechen Sprüchen ("Entscheidend ist, was hinten rauskommt" oder "Jeder muß sein Häufchen beisteuern") und verlangt dafür 2,5 Cent mehr, die in die leere Staatskasse wandern sollen. Die Aktion startet im November, es sind bereits 560 000 Vorbestellungen eingegangen. Eichels Ministerium hat dem Saarländer schon die Kontonummer der Bundeskasse mitgeteilt. Statt Karneval zu feiern, sollten wir vielleicht lieber Klopapier mit (bitte: politisch korrekten) Sprüchen und Witzen verkaufen. Wohin das Geld wandern könnte? Es gibt doch so viele Kassen, die langsam austrocknen! Und wenn jemand sich ob des versteckten Humors angesichts der schwieri-gen Lage schämen möchte - er könnte ja den Joschka fragen, was der dazu meint. Ein Narr ist Joschka jedenfalls nicht, denn immerhin schaffte er allen Ernstes schon mehrere Ehen.. Liebe Narren und Närrinnen, möge Euch der Humor trotz des nahen 11.11. vergehen und Ihr wieder nur Asche auf Euer wertes Narrenhaupt streuen. Aber lustig feiern, pfui! Wo leben wir denn? Im Armenhaus, aber doch nicht im Staatshaus!.

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