Bush hat Probleme - WIR doch nicht!

Sunday 26th of October 2003
Hans Feddersen!

Da sich in Namibia wenig tut (denn Namibia ist ja nicht die DTA oder gar NUDO, wo sich einiges tut), kann man den Blick kurz über den großen Teich zu Uncle Sam werfen. Da ist was los! Vor einem halben Jahr, als der Irak noch nicht besiegt war, standen 66 Prozent der Amerikaner hinter der Außenpolitik von George Bush. Sein Ansehen sank inzwischen auf 45 Prozent. Im April fanden 42 Prozent, der Präsident mache keine gute Wirtschaftspolitik; heute sind es 56 % der Befragten.

Im November 2004 will Bush wieder gewählt werden.. Aber die Kosten für den Kampf gegen Terrorismus eskalieren. Die Einsätze im Irak und Afghanistan sind auf 160 Milliarden Dollar angeschwollen. Weitere 87 Mrd. Dollar werden benötigt. Allein die 180 000 GIs im Irak kosten 51 Mrd. Dollar. Der Wiederaufbau (Schulen, Brücken, Infrastruktur) wird 20 Mrd. Dollar kosten. Wenn die US-Soldaten im Irak bleiben (weil die UNO diese Rolle nicht übernimmt), kommen weitere 105 Mrd Dollar auf Bush zu. Dabei hatte man in Washington geschätzt, daß der Verkauf von Erdöl bis zu 100 Mrd Dollar einbringen würde. Jetzt heißt es im Weißen Haus, wegen der maroden und zerstörten Anlagen könnten im nächsten Jahr hüchstens12 Mrd Dollar, danach jährlich etwa 20 Mrd Dollar pro Jahr einbringen.

Wenn Deutschland und Frankreich im Irak helfen sollen, fordern sie Aufträge an ihre eigene Industrie. Die USA brauchen eine finanzielle Entlastung, denn schon jetzt können wachstumsfördernde steuersenkungen für Unternehmen und Privathaushalte nicht durchgeführt werden. Die Autobahnen sollten in diesem Jahr renoviert werden. Das Projekt wurde auf 2004 verschoben - und nur noch wenige glauben, daß die Straßen überhaupt noch erneuert werden.

Das Defizit im US-Staatsghaushalt haterstmals in der Geschichte die 400 Mrd Dollar überschritten. Im nächsten Finanzjahr kann es auf 535 Mrd Dollar steigen. Kurz: je länger der Einsatz im Irak (und allgemeiner: gegen den Terrorismus) dauert, desto schlimmer sind ehrgeizige Projekte der Bush-Regierung gefährdet. Und falls Bush geglaubt hatte, aus den Verkäufen des irakischen Erdöls reich zu werden, so muß er den Traum bald aufgeben oder viel Geduld haben (und dabei eventuell sogar das Präsidentenamt aufs Spiel setzen). Eine prekäre Situation.

Und nun Namibia: Hier sieht es ganz anders aus. Hier bauen alle möglichen Berufsgruppen und Interessenverbände (auch Arbeitslose) an der Eisenbahn nach Ondangwa (oder von Aus nach Lüderitz). Im Norden des Landes hat sich sehr viel getan: Straßenlampen an der Teerstraße, noch mehr Cuca-Shops und Shebeens, ein reges Nachtleben. Aber auch moderne Hotels und Restaurants sind entstanden. Und viele, viele südafrikanische Ketten (Shoprite Bears, KFC, Ellerines, OK, PEP-Stores usw.) machen sich in Ondangwa und Oshakati breit.

Während Bush schlaflose Nächte wegen des Defizits im Staatshaushalt hat, kann unser Präsident ruhig schlafen. Es sei denn, er stellt sich die Frage nach dem „Kampf um wirtschaftliche Befreiung". Denn an dieser Front hat sich noch nichts getan... Im Gegenteil: Wo früher südafrikanisches Militär war, findet man heute südafrikanische Kapitalisten...

Aber die Sorgen des George Dabbelju sind größer.

back
 

Plus online by Plus Weekly
Publisher: Feddersen Publications cc.
email : info@namibiaplus.com
Tel: +264 (0)61 233635
Fax: +264 (0)61 230478
P.O.Box 21506
Windhoek
Namibia