Windhoek wächst - wer zahlt?

Saturday 8th of November 2003
Hans Feddersen

Eine Stadträtin, die sich weiß Gott für ihre Schäfchen einsetzt - und immer mit Auskünften zur Verfügung steht - ist Ilme Schneider (DTA). Am Montag hielt sie auf der Jahreshauptversammlung des Windhoeker Steuer-zahlerbundes WRA einen interessanten Vortrag über Tendenzen in der Entwicklung bestimmter Statistik.

Die Windhoeker Bevölkerung wurde im Jahre auf 280 000 geschätzt. Bei einem Wachstum von 4,4 % im Jahr, kommen 600 Zuwanderer pro Monat oder 7200 Menschen pro Jahr hinzu. Also liegt die Einwohnerzahl jetzt bei über 300 000. Davon sind 40 % Arbeitslose, d.h. 120 000 Windhoeker haben kein geregeltes Einkommen.

Wie sollen sie jemals Steuerzahler werden?

73 % der Windhoeker haben Anschluß an Wasser, Licht und Kanalisation; 25% haben nur „Gemeinschafts-Wasserhähne und -Toiletten".

Wie soll die Stadt diese Dienste leisten (finanzieren)? Die wichtigste Einnahmequelle sind Grundstücksverkäufe. Parkuhren bringen - wenn überhaupt - nur 1 % in die Stadtkasse. Nur Elektrizität kann zu einem Gewinn verkauft werden (Wasser nicht). Da wartet die Stadt also (vergeblich) auf Subventionen seitens der Regierung (für Straßenbau, Krankenwagen, Wohltätigkeit(. Aber obwohl die Feuerwehr 3,6 Millionen bekam, stiegen die Außenstände der Regierung auf 54 Millionen. Und für Wasser und Strom schuldet der Staat 11 Millionen Dollar. Der Trend: die Regierung zahlt immer weniger...

Und die Gehälter der städtischen Angestellten steigen. Auch dies konnte Frau Schneider mit Zahlen belegen:

1998 gab es 1800 Angestellte, für deren Gehälter 107 Mio. bezahlt werden mußten. Also: im Durchschnitt pro Person im Jahr59 000 Dollar.

Ein Jahr später waren nur noch 1489 Beamte angestellt, aber sie kosteten 148 Mio, also 8 200 pro Person im Monat.

Im Jahr 2002/03 waren die Gehälter auf 189 Mio. Dollar gestiegen, sie betrugen also im Durchschnitt 10 780 Dollar pro Beamten im Monat!

Wer bringt Geld in die städtische Kasse?

1999 wurden monatlich 52 509 Rechnungen an „aktive Steuerzahler" (die regelmäßig zahlen) verschickt. Die Anzahl der Rechnungsempfänger und regelmäßigen Zahler stieg! Dennoch waren die Einkommen geringer und die Ausgaben werden immer mehr.

Die Haushalte schulden insgesamt 90 Millionen Dollar. Die Regierung schuldet noch mehr, nämlich 110 bis 120 Millionen (einschließlich der r ausstehenden Einnahme für das Grundstück des Staatspalastes (23,7 Mio). Kapitalausgaben und Bankzinsen auf überzogene Rechnungen (Cash Flow Probleme) steigen.

So geht es nicht weiter! Windhoek wird - für seine paar zahlenden Bürger - zu teuer! Während alle Städte der Welt aus dem Staatssäckel bezuschußt werden, streiten sich Behörden in Windhoek, wer für das Bewässern des Rasens beim Reiter aufkommen muß. Jeder schiebt den Schwarzen Peter weiter...

Nur etwa 32 % der Einwohner leben länger als 10 Jahre in Windhoek. Der Rest stört sich wenig daran, wie sich die Hauptstadt präsentiert.

Erfreulich: Als die Gebühr für Reinigung der Bürgersteige und öffentlichen Plätze erhoben wurde, gab es 600 Protestbriefe. In diesem Sinne: Lassen Sie Ilme Schneider - und die WRA - nicht allein!

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