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Saturday 24th of January 2004 PLUS ist es gelungen, mit Fürst Otto von Bismarck Verbindung aufzunehmen. Natürlich stellten wir ihm auch Fragen über Namibia und das Jahr 2004... PLUS: Herr Reichskanzler, Exzellenz... Bismarck: Nennen Sie mich einfach Durchlaucht... PLUS: Durchlaucht, verfolgen Sie noch das gegenwärtige Geschehen? Bismarck: Selbstverständlich! PLUS: Also, was sagen Sie zum Jahr 2004? Bismarck: Das wird wohl das Jahr der Medien. Vor allem des Fernsehens. Ab 2004 auch auf dem Handy-Display. Telefonieren soll man mit den Allzweckwaffen trotzdem noch können. Wie Sie wissen, habe ich mich der Einführung von Schreibmaschinen und Telefonen in der Reichskanzlei strikt widersetzt. PLUS: Aber Entschuldigung, es geht hier um die Kolonie... Bismarck: Ich war immer dagegen. Ich habe immer gesagt: Kolonien sind bloß zu Versorgungsposten gut. Sie passen zu uns wie der seidene Zobelpelz in polnischen Adelsfamilien, die keine Hemden haben. PLUS: Die Deutschen hatten aber damals ein Überseereich, das fünfmal größer war als das Mutterland... mit 12 Millionen Einwohnern, von denen nur 23 000 Weiße waren. Bismarck: Sie meinen unsere Schutzgebiete. Ja, mein Ziel war die Regierung kaufmännischer Gesellschaften, über denen nur die Aufsicht und der Schutz des Reiches und des Kaisers zu schweben hatte. PLUS: Wir hätten gern Ihre Meinung zum so genannten Genozid. Bismarck: Ach so, tja, da hatte mich der Kaiser längst entlassen - und als der Ärger losging, war ich schon tot. Fragen Sie doch mal den Kaiser, warum er Leutwein durch von Trotha ablöste. PLUS: Nun wünschen sich die Herero aber Wiedergutmachung und es gibt viele Gedenkfeiern. Bismarck: Ich bin der Überzeugung, daß auch siegreiche Kriege nur dann, wenn sie aufgezwungen sind, verantwortet werden können, und daß man der Vorsehung nicht so in die Karten sehen kann, um der geschichtlichen Entwicklung nach eigener Berechnung vorzugreifen. Ich sage heute, was ich im Krimkrieg gesagt habe: Laßt mich mit euren Geschichten zufrieden, sie gehen mich nichts an, ich will damit nichts zu tun haben. Ich bin stets dafür, sich nicht einzumischen, dann laufen einem die andern nach. Aber bei uns möchte man am liebsten überall die Hand im Spiel haben und nur ja nicht allein bleiben. PLUS: Durchlaucht, könnten Sie sich für einen Augenblick vorstellen, daß das vereinte Europa sich zur Zeit der Kolonialreiche um eine „Süd-Erweiterung" bemüht hätte...? Bismarck: Ich habe den so genannten Kolonialimperialismus, diesen ersten Versuch einer Weltpolitik, immer abgelehnt. Meine Karte von Afrika lag in Europa. Hier lag Russland und hier lag Frankreich, und wir sind in der Mitte. Das ist meine Karte von Afrika. Deutschland war - auch damals - in Europa hinlänglich beschäftigt... PLUS: Können wir noch einmal über die Herero sprechen? Ich spüre bei Ihnen keine allzu große Betroffenheit... Bismarck: Nein, betroffen fühle ich mich tatsächlich nicht. Da müssen Sie schon den Kaiser fragen. Ich schrieb - allerdings mit Blick auf Russland und Frankreich schon 1886 an unseren Kriegsminister: „Wenn wir nach Gottes Willen im nächsten Krieg unterliegen sollten, so halte ich das für zweifellos, dass unsere siegreichen Gegner jedes Mittel anwenden würden, um zu verhindern, dass wir jemals oder doch im nächsten Menschenalter wieder auf eigene Beine kommen..., nachdem diese Mächte gesehen haben, wie stark ein einiges Deutschland ist." PLUS: Aber am Waterberg hat die Schutztruppe doch nicht verloren... Bismarck: Deutschland wurde bei anderen Gelegenheiten besiegt - und es darf nicht mehr auf eigene Beine kommen. PLUS: Wenn Sie, Durchlaucht, sich so wenig betroffen fühlen... dann ist die Frage nach einer Bodenreform wohl irrelevant? Bismarck: Sind Sie sich denn sicher, daß die Bodenreform mehr als ein Politikum ist? Wer will denn schon freiwillig eine harte Arbeit verrichten, die nur dann etwas einbringt, wenn sie erheblich subventioniert wird? PLUS: Aber der Versöhnungsgedanke ist in Namibia aktuell. Das Jahr 2004 steht doch im Zeichen solcher versöhnender Gedenkfeiern. Bismarck: Gegen Einigkeit und Versöhnung hatte ich doch nie etwas; ganz im Gegenteil... nur so wurde das deutsche Reich stark. PLUS: Ein Wort zu Schröder...? Bismarck: Die Sozis haben schon immer komische Politik gemacht. PLUS: Durchlaucht, wir danken... |
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