Schlacht um die Straßennamen

Thursday 6th of March 2003
Susann Kinghorn

Ja, sie wütet weiter, die Schlacht um die Swakopmunder Straßennamen. Jedes Mal, wenn der Stadtrat sich erneut entschließt, einige Straßen umzubenennen, erhitzen sich die Gemüter auf beiden Seiten. Bei der Stadtratssitzung vergangene Woche wurde wiederum bestätigt, dass die Brückenstraße nun offiziell Libertina Amathila Avenue heißt, und dass die Schilder der Lazarettstraße demnächst gegen ,Anton Lubowski-Schilder’ eingetauscht werden. Auch dem Feld- und dem Winter ,,geht es an den Kragen." Stattdessen werden Nelson Mandela und Hidipo Hamutenya an den Straßenkreuzungen verewigt, zwei von den unzähligen afrikanischen ,Helden’, die seit der namibischen Unabhängigkeit plötzlich überall ihre Köpfe heraus-sstecken.

Alderman Goethje wagte bei der Stadtratssitzung einen letzten Versuch, die ursprünglichen Straßennamen zu bewahren, erhielt dabei jedoch lediglich die Unterstützung vom Ratsherrn Aston: ,,Wie oft zücken die Touristen ihre Kamera, um die deutschen Straßennamen zu fotographieren. Könnte man nicht die neuen und die alten Straßennamen als Doppelnamen anbringen?" Dem hatte Ratsherrin Kavita entgegenzustellen, dass es nirgendwo auf der Welt doppelte Straßennamen gäbe, und dass die Touristenanzahl sich wegen der veränderten Straßennamen nicht verringert habe. Ratsherr Shikongo begründete die Umbenennung der Straßennamen folgendermaßen: ,,Wir verändern die Straßennamen aus demselben Grund, aus dem wir das Land ,Südwestafrika’ in ,Namibia’ umgetauft haben." An Konsequenz fehlte es hier sicherlich nicht (wenn auch die politische Partei der SWAPO das ,South West Africa’ noch beibehalten hat), nur die Begründung war in der Feststellung nirgends zu entdecken!

Bevor die Straßennamen-Schlacht im Stadtrat aus den Fugen zu geraten drohte, glättete Ratsherr Whiley die Wogen: ,,Die Diskusssion um die Umbenennung der Straßennamen ist eine emotionale Sache geworden. Ich weiss, dass sie umbenannt werden. Wenn wir sie also ändern müssen, dann sollten wir sie alle auf einmal verändern, die Sache hinter uns bringen und sie vergessen."

Ratsherr Whiley hat Recht. Die Umbenennung der Swakopmunder Straßen ist schon lange beschlossene Sache. Was also bleibt zu tun? In erster Linie sollten wir uns vielleicht auf wichtigere Dinge im Leben konzentrieren, die Namen Namen sein lassen und uns um den Erhalt dieses Landes bemühen, soweit es in unserer Macht steht. Wer bei dieser Anstrengung im Schweiße seines Angesichts noch immer Energie zum Grollen übrig hat, könnte in zweiter Linie seinen stillen Protest zeigen, indem er den alten Straßennamen an seiner Hauswand oder an seinem Geschäft anbringt, wie einige Swakopmunder es bereits getan haben.

Auf die Swakopmunder, die zwischen dem unterscheiden können, was zu ändern ist und was eben nicht zu ändern ist.

Ihre

Susann Kinghorn

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