Wahljahr 2004

Saturday 7th of February 2004
Hans Feddersen

Rom brennt, aber unser Parlament wird am 17. Februar mit (ungewohntem?) Pomp eröffnet. Wir können uns das ja alles so wunderbar leisten! Nach drei Terminen im Amt hat die politische Riege nicht viel nachzuweisen. Und nun steht uns ein ganzes Jahr bevor, in dem gerade die politische Riege kaum Zeit zu produktivem Tun haben wird.

Es ist ein Wahljahr. Und so werden manche (vermutlich auf Kosten der Steuerzahler) das Land bereisen und herrliche Reden schwingen. Über die Verbesserung des Lebensstandards, der Schulen, der Krankenhäuser. Man wird leicht vergessen, was die wirklichen Zustände sing.

Da wäre zum Beispiel die wachsende Anzahl der Verbrechen im Lande zu nennen.

Beim Kreuzkap steigt eine Familie mit Überseegästen und einem Hund aus. Ein Auto mit GRN-Nummernschild hält an. Vier „Subjekte" mit T-shirts, Jeans und - AK47 Kalashnikows steigen aus und fordern eine Geldstrafe über N$ 300, weil es angeblich (aber wo steht das denn?) verboten ist, hierher einen Hund mitzubringen. Die Frau wird gezwungen, an einem „Kontrollposten" zu zahlen, sonst würde man „den Hund auf der Stelle erschießen".

Jenen, die unschuldige Menschen und Tiere überfallen, weil „ein Leben nichts wert ist", müssen klare Grenzen aufgezeigt werden. Und nicht nur, weil am Kreuzkap Touristen beteiligt waren, die gewiß keine positiven Abenteuer nach Deutschland (unseren großer „Markt"!) melden werden.

Solches Raubrittertum scheint an der Tagesordnung zu sein. Fast täglich gibt es gewaltsame Überfälle... Und wenig polizeiliches Durchgreifen. Die Ordnungshüter wissen weder was Ordnung, noch was hüten ist.

Dies nur als Beispiel. Während unsere politische Riege drei Amtstermine feiert - und dann im „Wahlstress" kaum noch Produktives leisten wird. Man darf auf den 17. Februar gespannt sein. Eine Demonstration unseres Luxuslebens. Der Präsident scheint geahnt zu haben, was da auf uns zu kommt. Denn er forderte vor einigen Tagen persönlich die Politiker auf, aktiv zu sein. Produktiv. Sie sollten nicht durch Abwesenheit glänzen und ihre Büros leer stehen lassen, nur weil irgendwo eine politische Veranstaltung stattfindet.

Damit sind wir bei einem wichtigen Punkt angelangt: In Namibia setzt sich eine ganze politische Karawane, nein: Völkerwanderung ! in Bewegung, wenn in Grootfontein eine Zwischenwahl stattfindet. Warum? Warum haben die Politiker, die Spitzen der Parteien, eigentlich keine ständige Tuchfühlung zum Wähler? Warum kommen die Abgeordneten einmal in vier Jahren zu Besuch?

Wer so selten aus seinem elfenbeinernen Turm kommt, wer sich so wenig um seine Wähler kümmert, der kann natürlich auch nicht die Realität richtig einschätzen.

Und damit schließt sich der Kreis: Die Politiker wissen vielleicht gar nicht, wie sich die Verbrechenslage entwickelt hat. Sie wissen es nicht, weil sie sich selbst hinter Pomp und Luxus verschanzen. Und hinter einem aufwendigen Sicherheitsapparat. Der Blick für die Realität fehlt - und so begibt man sich einmal in vier Jahren auf große Wahlreise. Und die Produktivität wird klein geschrieben.

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