Tourismus zum Ueberleben

Friday 20th of February 2004
Brigitte Weidlich

Die Buschmann- oder Sanbevölkerung ist die marginalisierteste im Südlichen Afrika. Seit Jahren wird von Regierungen und privater Seite versucht, um ihnen zu helfen zu überleben, den schmerzlichen Übergang von ihrer traditioneller Labensweise als Sammler und Jäger ins moderne Leben zu finden. Während in Namibia und Südafrika Stiftungen und Organisationen wie WIMSA und Ombili sowie das Platfontein Farmprojekt bei Kimberley Versuche sind, den Spagat zwischen alter und moderner Lebensart zu ermöglichen, sieht das in Botswana etwas anders aus, wo etwa 60 000 San leben.

Die dortige Regierung hat fast alle im Central Kalahari Game Reserve (CKGR) noch lebenden San quasi zwangsweise umgesiedelt in den letzten acht Jahren. Nur etwa 120 von ihnen sind auf eigene Faust zu Fuß zurückgekehrt. Die umgesiedelten San fristen ein Dasein in Hütten und sind auf staatliche Lebensmittelhilfe angewiesen, ihre Jagdlizenzen wurden ihnen abgenommen.

Nur 170 Kilometer nordwestlich vom Kalahari Game Reserve in dem kleinen Ort Ghanzi (Gantsi), gibt es seit 20 Jahren die Organisation Gantsi Craft, die traditionelles Kunsthandwerk von 15 San-Siedlungen in der Umgebung aufkauft und einem einem winzigen Laden in der Hauptstraße von Ghanzi an Touristen verkauft. Alle Siedlungen werden vier Mal im Jahr besucht, jeden Dienstag können die San selbst ihre Lederbeutel, Pfeile und Bögen oder Perlenschmuck in die Verkaufsstelle bringen. Nur 40 Kilometer entfernt in dem Ort D´Kar existiert das Kuru Art Project von der Kuru Stiftung für die Buschleute, geleitet von der niederländisch reformierten Kirche. Auf dem Kirchhof sind die Schule und verschiedene Werkstätten untergebracht. Schräg gegenüber ist ein kleiner Verkaufsladen, der zumeist Schmuck aus Glasperlen und Straußeneierschalen verkauft. Den San wurde die Linolschnitt-Technik beigebracht. Entwürfe und Farbauswahl sind frei gestaltet. Die Linolschnitte werden an Touristen und an Kunstgalerien verkauft, die schönsten werden jedes Jahr in Kalendern abgebildet, die in Ghanzi und in D´Kar verkauft werden. Vor wenigen jahren gab es eine gelungene San-Ausstellung im Nationalmuseum in Windhoek, sie wurde von Präsident Nujoma eröffnet. Die Außenmauern des Museums wurden Lila angestrichen und von eigens aus D´Kar angereisten Sankünstlern mit riesigen Buschmannszeichnungen in weisser Farbe verziert. Windhoek und Ghanzi sind nur 500 Kilometer entfernt, doch sind es zwei ganz verschiedene Welten.

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