Vereinte Opposition?

Monday 22nd of March 2004
Hans Feddersen

Es gibt sie noch, die Initiativen einzelner mutiger Namibier, die sich nicht alles gefallen lassen (Boot-Lickers) und in (meist vorauseilendem) Gehorsam zu ideologischen Maßnahmen der Regierung nur Ja und Amen sagen. Eine solche Initiative ist die neue „Gewerkschaft" ist die NSFI, die sich um Interessen von „kommerziellen Farmern" kümmern möchte. Wie sagte Sigi Eimbeck? „Es gibt 3 800 kommerzielle Farmer mit etwa 28 000 Angestellten. Drei Farmer haben 13 Farmangestellte mit ihrem Hab und Gut von den Farmen räumen lassen, aber nun werden diese wenigen Vorfälle dargestellt, als führten sich ALLE weißen kommerziellen Farmer so auf".

Es gab am vergangenen Samstag gleichzeitig den Gründungskongreß der Action for Democratic Change (ADC).

Und es gibt in mehreren Orten des Landes Bürger-Initiativen der Steuerzahler bzw. Grundeigentümer, die für die kommenden Kommunalwahlen wichtig sein können.

Kurz: Am 14. Jahrestag unserer jungen Republik sind die Kritiker noch nicht gestorben. Die kritische Vernunft (um in diesem Gedenkjahr auch an an Immanuel Kant zu erinnern) gibt es noch. Sie ist keineswegs abgestumpft. Frage: Bei wie vielen Namibiern dürfen wir sie feststellen? Denn kritischer Geist hat auch etwas mit Mut und Zivilcourage zu tun.

Vielleicht spiegelt sich in der Bildung verschiedener Gruppen ein Pluralismus, also wäre dies eine Folge wachsenden Demokratieverständnisses. Aber vorsicht!

Die Zersplitterung in viele kleinere Interessengruppen kann genau das gefährden, was sie erreichen will. Die regierende Partei bleibt weiterhin stark, weil sich Oppositionelle nicht auf eine gemeinsame Basis einigen können.. Und die „reine Opposition" gegen Swapo ist bestimmt nicht der richtige gemeinsame Nenner. Da gibt es doch ganz andere Kritik, die auf Fakten beruhen würde.

Daß tatsächlich ein gemeinsamer Nenner besteht, geht ebenfalls aus Aussagen der NFSI hervor. Etwa, wenn Eimbeck die Tatsache kritisiert, daß Ausländer hier zunehmend Arbeit finden, während Namibier keine Beschäftigung finden. Das hat vielleicht wenig mit der Farmer-Thematik zu tun, aber es zeigt, wo wir im 14. Jahr nach Sam - und den vielen Gewerkschaften, auf die man hört, hören muß... - stehen. Es geht nicht nur um die Arbeitslosigjkeit. Es geht auch um Nepotismus, Korruption, Kriminalität... Wenn sich doch mal alle, die dieses begreifen, an einen Tisch setzen würden! Weg mit dem Luxus der Zersplitterung!

Wenn sich doch einmal die kritische Vernunft durchsetzt - als gemeinsamer Nennewr vielleicht. Aber nein. Noch zählen in Namibia Einzelpersonen und Parteiengeschich-te mehr als Themen. Es ist an der Zeit, daß wir uns auf Themen besinnen, die uns quälen. Und daß wir dann Interessenbündnisse finden, Allianzen, die ein zahlenmäßig gutes Abschneiden an der Wahlurne ermöglichen.

Am Feiertag zur 14. Unabhängigkeit sei die Frage erlaubt: Geht es uns noch immer viel zu gut? B

Mal ehrlich: Sind die letzten Jahre spurlos an uns vorbeigegangen?

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