Neue Karnevals-Kultur

Saturday 24th of April 2004
Hans Feddersen

Diese Zeilen entstanden, als der Windhoeker Karneval gerade mal in die zweite Hälfte der Woche ging... aber man kann ruhig schon einmal einen Blick hinter die Kulissen werfen. Da wird man den Eindruck gewinnen, daß die Obernarren zum Teil neue Wege riskierten, die sich im Nachhinein als erfolgreich erweisen werden. Hier soll es nicht um die Änderungen von Lokalitäten (SKW-Bar oder Tennisbar?) gehen, sondern um die gesellschaftliche Komponente des Karnevals. Ist er deutsch? Ist er namibisch? Und wenn ja, wie sieht das dann aus? Ist das Bild vom Straßenumzug typisch, wo die (weißen) Narren tausende Süßigkeiten vom Umzugswagen in die mehr als tausend ausgestreckten (schwarzen) Hände werfen? Geht es hier um Almosen? Nein!! Vielmehr zeigt dieses Foto, daß der Straßenumzug bereits ein „namibisches Ereignis" geworden ist. In diesem Jahr fällt noch mehr auf: Nicht alle Mädels der Garde und nicht alle Musiker der Wikaphoniker sind „weiß". Beim Prinzenball sorgte die Kajek-Gruppe für Farbe. Die Präsidentin des Damenabends brachte dann sogar den Humoristen Lazarus Jacobs (bekannt von abendfüllenden Programmen im Warehouse) ins Programm. Das war gewiß kein schlechter Gedanke - und siehe da: Im Programm des Internationalen Abends - zu dem übrigens am Dienstag schon Gäste aus Südafrika, Botswana und selbst Nigeria gekommen waren - hatte dieser selbe Lazarus die Lacher auf seiner Seite. Ein toller Auftritt... und so scheint das Eis gebrochen. - Nur ein Wermutstropfen: Neben den beiden Internationalen Abenden nimmt die englische Sprache einen immer größeren Raum ein, etwa auch im Damenabend. Konservative Kritiker sehen darin ein „langsames Verschwinden" der deutschen Sprache aus dem Karnevalsprogramm. Andere begrüßen den Begegnungs-charakter und das „typisch Namibische" an dieser Entwicklung. Man wird in Zukunft vermutlich feststellen, daß sich der Wika nach 52 Jahren einer Regeneration unterzog, die ihn ganz frisch belebte. Der Wika ist dabei, einen eigenen Charakter zu entwickeln. Das braucht ja keineswegs „auf Kosten des Deutschen" (in dieser deutschen Tradition) zu gehen! Dreimal WIKA!!

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