90 Jahre Namib High School

Saturday 15th of March 2003
Susann Kinghorn

Swakopmund – Seit neunzig Jahren werden in den stilvollen Räumen der geschichtsträchtigen ,Namib High School’ Schüler unterrichtet. Zur Einweihung am 18. Oktober 1913 besuchten 126 Schüler die Klassen 1 bis 10. Heute drücken dort in den Klassen 8 bis 12 (Matrik) mehr als 500 Schüler die Schulbank. Die ehemalige Deutsche Oberschule hat – trotz wechselnden Namens und vieler Strukturwandlungen – nie aufgehört, eine allgemein geschätzte Ausbildungsstätte für die Küstenjugend zu sein, eingebunden in die Traditionen dieser Stadt zwischen Wüste und Meer, und doch sich immer wieder dynamisch erneuernd.

Die hervorstechendste Eigenschaft der heutigen ,Namib High School’ mag wohl ihre auf dem Motto ,Einheit in der Vielfalt’ beruhende Schülerschaft sein. Setzte sich die Schule in früheren Jahren hauptsächlich aus deutschen Schülern zusammen, findet man heute ein schillerndes Kulturen- und Sprachgemisch vor. Inzwischen sprechen nur noch etwa 30 Prozent der Schülerschaft dort Deutsch, der Rest setzt sich aus den Sprachgruppen der Afrikaaner, Engländer, Damara, Owambo, Herero, Caprivianer und ein paar Ausländern zusammen. Trotz dieser Vielfalt an Sprachen bilden die Schüler durchaus eine in sich geschlossene Einheit, und an Integrität mangelt es keinesfalls.

                                    Die ,Namib High School” genießt landesweit den guten Ruf einer Erziehungsinstitution mit Niveau. ,,Unsere Matrikresultate sind sehr gut, und man kann uns durchaus als beste Oberschule in der Khorixas-Region bezeichnen,”  kann Schulleiterin Margaret Courtney-Clarke ihren Stolz nicht ganz verbergen. ,,Wir halten auch den Privatschulen landesweit die Stange. Die Höhere Privatschule in Windhoek nimmt unsere Schüler, die hier mit ihrem Matrik abgeschlossen haben, gerne auf, und der Übergang zum Abitur verläuft ganz glatt.”

Nicht nur auf akademischem Gebiet wird die ,Namib High School’ mit starker Hand gelenkt. Obwohl der Staat die kulturellen Fächer als sekundär betrachtet und die staatliche Unterstützung diesbezüglich daher dünn ist, bemüht man sich an der Oberschule intensiv um eine Ausbildung reich an Kulturellem. Obwohl die Musiklehrerstellen vom Erziehungsministerium gestrichen wurden, sind in den Musikräumlichkeiten der Schule Geigenklänge, Blechbläser und Chorgesang zu hören. Private Musiklehrer und Chorleiter bieten privaten Musikunterricht dort an und werden somit in das Schulleben integriert. Inzwischen gibt es auch einen Flötenkreis und einen Schulchor, die auf Initiative von Eltern entstanden sind. ,,Wir sind auch die einzige Schule im Land, die das Fach ,Integrated Performing Art’ anbietet, ein aus Musik, Tanz und Theater bestehendes Schulfach, das bis zur 10. Klasse angeboten wird,” informiert Frau Courtney-Clarke.

Außer dem Ziel, die Schüler auf kulturellem Gebiet zu fördern, ist ein weiteres Bestreben der Leitung und Lehrerschaft der Schule, ihre Schülerschaft auf die sich ständig ändernden Anforderungen auf technischem Gebiet vorzubereiten: ,,Wir haben 30 Computer in der Schule und bemühen uns darum, sechs weitere anzuschaffen,” lässt Frau Courtney-Clarke wissen. ,,Es gibt viele Kinder, die zuhause keinen Computer zur Verfügung haben. Unser großer Wunsch ist, dass wir ans Internet angeschlossen werden. Und unser Ziel ist ein Computernetzwerk, das Schülern und Lehrern jederzeit zur Verfügung steht. Jeder Schüler soll sich letztendlich im Computerwesen auskennen.”

Abgesehen von akademischen und kulturellen Zielen bleibt wohl eines der Hauptbestrebungen einer Schule, junge Menschen zu verantwortlichen Mitgliedern ihrer Gesellschaft zu erziehen. Viele Swakopmunder haben der ,Namib High School’ ihre Glückwünsche zum 90. Jubiläum entgegengebracht. Vielleicht können wir alle der Schule das wünschen, was der ehemalige Schulleiter dieser Schule, Herr Hanjörg Böhlke, zur 75-Jahrfeier derselbigen Instanz ausgesprochen hat: ,,’Ein Kind ist ein Buch, in dem wir lesen und in das wir schreiben sollen!’ sagte Peter Rosegger, der Dorfschulmeister, einmal. Mögen die Lehrer, die in der Schule unseren Jungen und Mädchen das notwendige Wissen als Rüstzeug fürs Leben vermitteln, zuweilen an diese Worte Roseggers denken. Mögen sie in den Kindern lesen, mögen sie ihre kleinen und großen Schwächen verstehen und mit Güte und Sanftmut zu beeinflussen versuchen.”

 

back
 

Plus online by Plus Weekly
Publisher: Feddersen Publications cc.
email : info@namibiaplus.com
Tel: +264 (0)61 233635
Fax: +264 (0)61 230478
P.O.Box 21506
Windhoek
Namibia