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Sieht so Landreform aus? - Bauernopfer der Politik Thursday 27th of May 2004
Die sieben bisher bekannten Farmeigentümer in Namibia sehen einer möglichen Enteignung gefaßt entgegen. Nachdem Landminister Hifikepunye Pohamba Briefe an rund 15 weiße Farmer am 10. Mai verschickt hatte, mit der Aufforderung, einen Preis zu nennen, weil die Regierung ihre Farmen kaufen wolle, lief die gestellte Frist von 14 Tagen Mitte dieser Woche ab. Die Namibia Agrarunion (NAU) hat inzwischen eine Fristverlängerung beantragt. Das Parteiblatt der Swapo, Namibia Today, veröffentlichte vergangene Woche eine Liste von 13 Farmen, die angeblich enteignet werden sollen: Kansas (Nr. 34), Wyoming (36), Kalkpan (314), Groot Ruister (992), Vlakplaas (325), New Market (156), Groß Ozombutu (124), Okozomgutu West, Ozondja(c)he und die schon bekannten Farmen Ongombo-West und Omitara (109 u. 124). Die Farmen Endeka und La Paloma, die auch enteignet werden sollen, blieben von der Parteizeitung unerwähnt. Ironischerweise befindet sich das Landministerium in der Goethe-Straße, die nach dem bekanntesten deutschen Dichter benannt wurde. Hilde Renate Wiese, 68 Jahre alt, deren Familie nun in der vierten Generation auf Ongombo-West farmt, sieht das ganze Hick-Hack um ihre Farm als politischen Präzedenz-Fall. ,,Wir werden hier zum Bauernopfer der Politik", sagt sie während eines Farmbesuches zu PLUS. ,,Das Land ist nun seit 104 Jahren im Familienbesitz", berichtet sie, ,,um 1907 war das Farmhaus fertiggestellt, in dem wir heute noch wohnen". Innen sind schöne antike Möbel der Großeltern, die Türen haben Klinken und Türblätter im Original-Jugendstil. Ein paar Schritte entfernt liegt der Fami-lienfriedhof. ,,Was wird aus den Gräbern?" fragt sich Familie Wiese. Der Tod eines Gänsekükens, veranlaßt durch Unachsamkeit einer Angestell-ten, entfachte eine Auseinandersetzung in die sich 5 weitere Arbeiter einmischten. Sohn Andreas wurde mit dem Messer bedroht. Der Fall landete beim Arbeitsgericht. Die Arbeiter waren vorher tagelang von der Arbeit weggeblieben und dann durch eine gerichtliche Verfügung im Dezember 2003 von der Farm gewiesen worden. Der Gerichtsvollzieher setzte die Sechs und ihre Familien mit Hab und Gut im nahen Rivier am Straßenrand ab. Der Richter entschied vor einigen Monaten, die Arbeiter müßten wieder eingestellt werden, was auch geschah. Die Arbeiter erhielten auch schriftlich Bescheid, wieder in ihre Unterkünfte auf der Farm einzuziehen. Das taten sie nicht und leben weiterhin in Zelten und Plastikplanen. Die Regierung fährt wöchentlich Wasser an und brachte anfänglich auch Nahrungsmittel vorbei. „Uns ist nicht bekannt, daß wir wieder in unseren Häuser wohnen können", behauptet Amanda Hoebes gegenüber PLUS. Sie ist Ehefrau eines der 6 Arbeiter. Die Familie lebt im Zelt.„Wir fühlen uns von der NAU hängengelassen", sagt Sohn Andreas Wiese, ,,seit Februar hatten wir dort um Rat und Tat gebeten, passiert ist nichts", kritisiert er. Der Abschied von der Farm wird der Familie nicht leichtfallen, ,,aber da müssen wir durch". |
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